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Predigt zur Taufe: Von allen Seiten umgibst du mich (Psalm 139, 5) 13. Oktober 2002


Liebe Familie, lieber Taufpate, liebe Gemeinde,

der Taufspruch von N. steht im 139. Psalm:
Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.

Dieses Wort drückt ganz viel Geborgenheit aus. Da sehe ich zwei schützende Hände, die wie ein Zaun, oder wie eine schützende Mauer um das junge Leben herum reichen. Nichts, was ihm schaden könnte, soll dorthin kommen. – von allen Seiten umgibst du mich…

… und hältst deine Hand über mir. Da sehe ich noch eine Hand. Diese Hand ist nicht nur schützend über den kleinen Kerl gehalten. Es ist eine segnende Hand, sie ist kein Deckel, der begrenzt, behütet und eingeengt. Eine segnende Hand ist eine Hand, die Kraft schenkt, Möglichkeiten eröffnet und neue Wege erlaubt.

Von dieser Geborgenheit im Schutz und Segen Gottes spricht der ganze 139. Psalm. Ich möchte diesen Taufspruch durch drei Worte aus diesem Psalm ein bisschen farbiger und konkreter werden lassen.

… du hast meine Nieren bereitet

Im 13. Vers steht: Du hast meine Nieren bereitet und hast mich gebildet im Mutterleibe. Ich danke dir dafür, daß ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.

Diese Zeilen sind meiner Meinung nach auch im Zeitalter der Gentechnik ganz aktuell: Lieber kleiner Xxx, du bist nicht das Produkt zufälliger biologischer Abläufe, sondern du bist ein Gedanke Gottes! Gott hat gewollt, dass du im Bauch deiner Mutter heranwächst, dass geboren wirst, das du deinen Weg auf dieser Erde findest.
Gott hat in grauer Vorzeit diesem großen Planeten ins Dasein gerufen, alles geordnet, damit wir leben können. Doch das ist ihm nicht genug, er kümmert sich auch um jeden einzelnen Bewohner dieses Planeten ; darum hat er sich auch um dich gekümmert. Er hat gewollt, dass es dich gibt ; darum hat er dich deinen Eltern geschenkt.

Damals hat Gott am 7. Tag der Schöpfung gesagt: „das alles ist sehr gut“. Und dasselbe Urteil gilt auch für dich. Du darfst mit dem Psalmwort sagen: „Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin“.
Momentan bist du noch zu klein und das selber zu sagen. Aber ich glaube, dass deine Eltern es oft genug sagen: Es ist eben wunderbar, diesen Kleinen Kerl heranwachsen zu sehen, wie er sich von Tag zu Tag entwickelt – eben ein Wunder.
Vielleicht ist wirklich jedes kleine Kind ein neuer Beweis der Liebe Gottes zu seiner Schöpfung.

… nähme ich Flügel der Morgenröte…

Kommen wir zu einem anderen Vers:
Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.

Ich möchte Sie noch einmal an das Bild von den Händen erinnern: Hände, die einen schützen wie eine Burg, können auch einengen wie ein Verlies. Manchmal haben Eltern auch die Tendenz, ihre Kinder so sehr zu behüten, dass die Kleinen kaum mehr Freiheit haben. Solche überbehüteten Kinder haben es nicht leicht, wenn es später einmal darum geht, selbstständig zu werden.
Wie gut ist es, wenn es Hände gibt, die mich schützend begleiten, auch wenn ich meine eigenen Wege gehe, sogar ganz ganz weit weg, bis zum äußersten Meer. Wenn ich mich auch dort noch geborgen fühlen kann, von Gottes rechter Hand gehalten.

Liebe Martina, lieber Ralf. Es wird nicht lange dauern, dann wird Ihr Xxx anfangen, auf eigenen Beinen zu stehen, eigene Wege zu gehen. Zuerst im Haus, dann wird er die Siedlung in Uffenheim als Lebensraum erobern, sich im Kindergarten die Freunde selber aussuchen, irgendwann tatsächlich eigene Wege gehen – geografisch und auch als Person mit seinen Einstellungen, seinem Glauben, seine eigenen Zielen.

Wahrscheinlich werden sie nicht jeden dieser Wege unbedingt gutheißen oder mitgehen. Aber sie dürfen sich von diesem Psalm daran erinnern lassen: Selbst wenn unser Junge bis ans andere Ende dieser Welt geht, Gottes Hand wird mit ihm sein, und seine Rechte wird ihn halten.

… leite mich …

Vielleicht klingt das für sie ein bisschen zu romantisch und beschönigend. Zu sehr nach göttlicher Lebensversicherung oder menschlichem Wunschdenken. Denn nicht jeder Weg ist ein guter Weg und nicht jeder Weg führt zu einem guten Ende.  – Sollte Gott da wirklich zu allem Ja und Amen sagen?

Der letzte Gedanke im Psalm 139 ist da ganz ehrlich. Da heißt es:
Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege.

In diesen Worten finde ich einen Menschen, der nicht einfach drauflos marschiert, drauflos wirtschaftet, drauflos erzieht. Sondern einen, der sich selbst hinterfragt, bei Gott nachfragt, der um seine Fehler und Schwächen weiß.
„Gott, hilf mir, den rechten Weg zu gehen“ – diese Bitte kann man jedem Christen täglich empfehlen.

Sie als Eltern und Paten, werden da auch immer wieder gefordert sein. Wenn es darum geht, die richtigen Entscheidungen zu treffen: Wenn es um das eigene Leben geht, oder um die Erziehung des kleinen Xxx. Vieles in seinem Leben wird davon abhängen, wie sie als Eltern miteinander umgehen, mit ihrem Sohn, und mit ihrem Gott.
Sie, und auch wir als christliche Gemeinde, haben da eine große Verantwortung und auch eine gewaltige Chance:
An uns Erwachsenen kann er es lernen, dass die Worte dieses Psalms für uns Menschen wertvoll sein können.
Dann nämlich, wenn wir das, was wir da lesen, für unser eigenes Leben annehmen:
Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.

AMEN

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