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Predigt: Alles zum Besten? (Römer 8,28) 3. Februar 2003, Taufe von Lukas A.

Röm 8,28
Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluß berufen sind.

Liebe Taufgemeinde, Liebe Familie A., Liebe Paten, liebe Angehörige,

in der letzten Woche haben unsere Gemeinden im westlichen Dekanat gemeinsam eine Bibelwoche veranstaltet. In jeder Gemeinde gab es drei Abende zu verschiedenen Texten aus dem Römerbrief. Heute, an diesem Sonntag zum Abschluss der Bibelwoche taufen wir den kleinen Lukas und geben ihm einen Taufspruch aus dem Römerbrief mit, den sich die Eltern selbst ausgewählt haben:
Wir finden ihn im 8. Kapitel, dem 28. Vers:
Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluß berufen sind.

Dieser Satz klingt zunächst unheimlich bequem. Ich stelle mir das so vor: Da setzt sich jemand wohl genährt und zufrieden mit der Welt in seinen Schaukelstuhl, zündet sich eine Zigarre an und sagt zu sich: „Wie gut, dass uns, die wir Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen! – Da brauch ich mich wenigstens um nichts sorgen“.

### Eigentlich nur Hoffnung ###

Aber so hat es Paulus ganz sicher nicht gemeint. Denn wie immer, sollten wir biblische Worte nicht einfach aus den Zusammenhang herausgelöst anschauen, sondern einmal das ganze Kapitel, oder den ganzen Römerbrief betrachten. In den Abenden in der Bibelwoche haben wir ja auch stets einen ganzen Abschnitt gelesen und betrachtet.
Darum möchte ich ihnen verraten, was in den Zeilen vor diesem Satz steht: Paulus klagt und grübelt nämlich. Er schaut seine Welt an, ihre Probleme, ihre Vergänglichkeit ihre Unvollkommenheit. Das macht ihn immer wieder zu schaffen. Und zugleich hofft er auf die Erlösung dieser Welt; dass diese Unvollkommenheit und Ungerechtigkeit ein Ende nehmen wird.
Aber: Davon ist noch nichts zu sehen! Nichts!
Wir hoffen auf etwas, was wir noch nicht sehen; und das ist ja so unglaublich schwer. Wenn es sich doch schon klar und deutlich abzeichnen würde … aber nein wir haben allein die Hoffnung.

Man kann sich damit abfinden, oder sich ohne Ende darüber die Haare raufen.
So ist das eben mit der Hoffnung, die man nicht sehen kann.

Mit der Geburt ihres Sohnes Lukas verbinden Sie wahrscheinlich auch verschiedene Hoffnungen. Sie wünschen Ihm ein gutes, glückliches Leben, Gesundheit, dass er einmal im Leben einen lieben Menschen und einen guten Beruf findet. Das alles sind gute Hoffnungen. Einen Beweis dafür, dass sie sich erfüllen werden, haben sie nicht.

Sie wissen, dass sie das ihre dafür tun können, ihren Sohn in vielen unterstützen können seinen Lebensweg gut zu finden und zu führen. Aber alles haben wir Menschen eben nicht in der Hand. Und diese Unsicherheit ist immer wieder eine stete Quelle für die Sorgen der Eltern.
– Für manche ist dieses unsichere Hoffen auch ein Grund dafür, gar keine Kinder bekommen zu wollen.

Zusammen mit Paulus können wir sagen: „Hoffentlich geht das gut aus“.
So weit unser Blick in die Gefühlslage des Paulus und in unser eigenes Herz.

Und genau angesichts dieser Situation sagt Paulus einfach diesem Satz:
Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluß berufen sind.

Zunächst einmal scheint dieser Satz nicht mit dem, was wir bis jetzt gehört haben, zusammen zu passen. Er steht einfach so da, wie ein Postulat, wie eine Behauptung ohne Beweis.
Gerade hat Paulus noch darüber geklagt, dass wir eigentlich nur hoffen können. Und „Patsch“ kommt dieser Satz, der scheinbar über jeden Zweifel erhaben ist.

### Es geht um die Berufenen ###

Vielleicht liegt es daran, das Paulus in diesem Satz seinen Blick auf etwas andres richtet als nur auf die unsichere Hoffnung. Er schaut nicht nach vorne in den Nebel der ungewissen Zukunft, sondern sieht sich in der Gegenwart und Vergangenheit um:
Scheun wir mal an das Ende des Taufspriches: Da steht etwas von “ denen, die nach seinem Ratschluß berufen sind“. Zunächst klingt das ein bisschen sehr elitär. Die Berufenen!
Was bedeutet das? Das sind ganz einfach die, die Gott gerufen hat, und die diesem Ruf gefolgt sind. Für Paulus sind das alle, die an Jesus Christus glauben und getauft sind.

Ihr Sohn Lukas gehört auch zu denen, die Gott gerufen hat. Er ist noch zu klein, um diesen Ruf selber zu beantworten. Sie als Eltern und Paten haben es stellvertretend für ihn getan, indem sie ihn zur Taufe gebracht haben. Wenn er größer ist, wird er selber diesen Ruf beantworten müssen; ja zu Gott sagen, und auch nein. Vor der Taufe haben sie versprochen, das ihre dazu zu tun, das er diesem Ruf Gottes folgt; als Christ lebt, seinem Gott vertraut.

Halten wir also fest: Gott ruft Menschen in seine Nachfolge. Aber das wird er doch nicht tun, um sie dann letztlich hängen zulassen und auszulachen: „Ätsch bätsch, ausgetrixt! Du hast auf mich vertraut, aber ich hab dich nur veräppelt!“ – das wäre der blanke Unsinn.
Gott ruft Menschen, weil er es gut mit ihnen meint. Das haben wir immer wieder erfahren dürfen. Viele biblische Geschichten erzählen davon, dass Menschen den Ruf Gottes gefolgt sind, oft auch durch Schwierigkeiten und Enttäuschungen hindurch; und letztlich der Weg ein gutes Ende gefunden hat. Unterm Strich kam heraus: Gott hat es gut mit uns gemeint, seine Geschichte mit uns war und ist eine Heils-Geschichte.

Aus diesem Erfahrungsschatz heraus kann Paulus gar nicht anders als zu sagen:
Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluß berufen sind.

### … und meine negativen Erfahrungen? ###

Liebe Taufgemeinde,

damit hätten wir jetzt bei Paulus zwei Paar Schuhe dastehen:
Zum einen diesen vollmundigen Taufspruch, der uns verheißt, dass alles zum Besten dient.
Zum zweiten unseren negativen Erfahrungen in dieser Welt und unsere Hoffnung auf etwas, was er noch nicht sehen.

Beides zusammen zu bekommen ist nicht ganz einfach. Auch für Paulus ist das sicher nicht leicht gewesen. Oft hat er als Christ negative Erfahrungen gemacht. Ganz konkret wurde er oft angefeindet, war mit sich selbst unzufrieden, hat erlebt, dass Gebete nicht erhört worden sind, dass Hoffnungen zerplatzt sind wie eine Seifeblase.
Aber trotzdem hält er daran fest: Letztlich meint Gott es gut mit uns. Er hat uns gerufen und wird uns auf unseren Weg begleiten. Auf dem Weg in seine neue Welt, in das Reich Gottes, in dem auch diese negativen Erfahrungen uns nicht mehr berühren werden.

Bis dahin werde ich als Christ immer wieder mit Erfahrungen leben müssen, die weh tun. Bei denen ich mich frage: Wie soll denn das zum meinen Besten dienen? Wozu soll das gut sein?

Ich glaube, wir werden es in unserem Leben nicht immer verstehen. Aber wir können hoffen, dass es uns auf unseren Weg nicht hindert. Unser Horizont ist eben immer begrenzt.

Eine chinesische Parabel macht das wunderschön deutlich:

Es war ein alter armer Bauer, der einen kleinen Acker mit einem alten müden Pferd bestellte und mehr schlecht als recht mit seinem Sohn davon lebte.
Eines Tages lief ihm sein Pferd davon. Alle Nachbarn kamen und bedauerten ihn wegen seines Unglückes. Der Bauer blieb ruhig und sagte: „Woher wißt ihr, daß es Unglück ist?“
In der nächsten Woche kam das Pferd zurück und hinter ihm trabten zehn junge Wildpferde mit. Die Nachbarn kamen und gratulierten ihm zu seinem großen Glück. Der Bauer antwortete bedächtig: „Woher wißt ihr, daß es Glück ist?“
Der Sohn fing die Pferde ein, nahm sich das wildeste und ritt darauf los. Aber das wilde Pferd warf ihn ab, und der Sohn brach sich ein Bein. Alle Nachbarn kamen und jammerten über das Unglück. Der Bauer blieb wieder ruhig und sagte: „Woher wißt ihr, daß es Unglück ist?“
Bald darauf brach ein Krieg aus, die Gesandten des Kainers kamen und nahmen alle  jungen Männer mit zur Armee. Nur der Sohn des Buern mit seinem gebrochenen Bein durfte zu Hause bleiben.

Liebe Gemeide,

Unser Erkennen von dem, was uns zum Besten dient ist immer nur vorläufig. Da bin ich froh über den Taufspuch des Lukas, der mich vergewissert:
Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluß berufen sind.

Amen

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