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Predigt: Der Turbo für meinen Weg als Christ (Matthäus 5, 9) 8. Juni 2003, Taufe von Robin L. am Pfingstfest

Liebe Familie L., liebe Paten und Familienangehörige, liebe Gemeinde,

„Selig sind die Friedfertigen, wenn sie werden Gottes Kinder heißen.“ (Mt 5,9)- das verspricht Jesus in den Seligpresungen; und das ist auch Robins Taufspruch.

DIE FRIEDFERTIGEN

Die Friedfertigen, die Friedens-Stifter, die hat man ganz gerne:
Denn die Friedfertigen sind es, die in einem Streit versuchen Ausgleich und Gerechtigkeit zu schaffen. Sie wollen nicht, dass eine Seite über die andere triumphiert. Sie möchten, dass beide Sichtweisen ernst genommen werden, sie wollen nicht, dass der Stärkere den Schwächeren übervorteilt.
Sie haben keinen Spaß am Streit, an Verletzungen und Vorwürfen.
Der Friedfertige ist sogar bereit, sich selbst ein wenig zurückzunehmen, und um des Friedens willen auch Nachteile in Kauf zu nehmen. Nicht der Sieg, sondern das friedliche Miteinander ist sein Ziel.Wenn das gelingt, dann freut sich der Friedensstifter. Dann entstehen Freundschaften und Beziehungen, in denen die Menschen sich furchtlos und offen in die Augen sehen können. Dann ist es gelungen, dass ein Streit beigelegt worden ist, ohne dass einer der beiden das Gefühl hat, verloren zu haben.
Dann merkt man: Frieden ist mehr als nur die Abwesenheit von Krieg und Gewalt. Wo Frieden ist, sind auch die unterschwelligen Spannungen abgebaut, da wird auch unterm Tisch nicht mehr nachgetreten.

Aber immer wieder geht das auch schief: Dann siegen nicht die Tauben, sondern die Falken. Dann haben die Stärkeren die Macht an sich gerissen. Dann werden die Friedfertigen und die Schwachen überrumpelt, dann werden mit Gewalt Fakten geschaffen. Der Friedfertige ist dann der Dumme.
Das kennen wir auch.

Das Verrückte an dieser Situation: Diejenigen, die mit Gewalt und ohne Rücksicht auf Verluste sich selber durchgesetzt haben, Ihre Gegner zum Schweigen gebracht haben, die finden eigentlich auch, dass jetzt doch Frieden ist. Aber vielleicht verwechseln sie die Ruhe des Friedens mit der Ruhe vor dem Sturm.

Ganz interessant erscheint mir da, dass in der englischen Übersetzung dieses Taufspruchs „Selig sind die Friedfertigen“ steht: „Blessed are the peacemakers“. Wer gerne Wildwest-Filme schaut, kommt jetzt vielleicht ins grübeln: „Peacemaker“, so heißt doch die legendäre Pistole, mit der zwei Drittel aller Cowboys herumlaufen. Von 1873 bis 1940 konnte man diesen „Friedensstifter“ mit Kaliber 45 in Amerika kaufen. – Natürlich, wer seinen Gegner mit gezielten Schüssen zur Strecke bringt, der hat seinen Frieden… ich glaube: er hat vielleicht Ruhe vor den Anderen … aber bestimmt keinen Frieden.

BILANZ DER FRIEDENSSTIFTER

Ein echter Friedensstifter sein, ist also sicher keine einfache Aufgabe. Der Weg zum Frieden ist oft schwierig und schmerzvoll. Manchmal hat man wirklich das Gefühl, man ist der Angeschmierte. Da überlege ich es mir vielleicht lieber dreimal, bevor ich es selbst versuche – ein Friedensstifter zu sein.

Kann man dann einem kleinen Baby wie dem Robin guten Gewissens diesen Taufspruch als Ratschlag mit auf den Weg geben? Wenn man sowieso schon weiß, dass es oft schief gehen wird?
Wäre es nicht viel klüger, ihm von Anfang an zu sagen: “ Kleiner, setze dich selbstbewusst durch,  wehre dich. Schau zu, dass du deine Interessen durchsetzt, bevor sich andere bedienen! – Denn wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ .

Der Beruf des Friedensstifters als Auslaufmodell ohne Zukunft?

NEUE PERSPEKTIVE: PFINGSTEN

Ich glaube: Es ist nicht aussichtslos

Unser Taufspruch zeigt nämlich eine Perspektive für die Friedfertigen. „Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen“ – was will ich mehr? Dieser Vers verspricht mir, dass mein Leben eine ganz besondere Qualität bekommt, wenn ich mich darauf einlasse. Selig, als Gotteskind!

Wir feiern heute das Pfingstfest: Denken an das Außergewöhnliche, was da mit den Jüngern passiert ist. Und das wirft auch ein besonderes Licht auf diesen Taufspruch.

Da waren einige die Jünger, die waren noch ganz deprimiert von der Kreuzigung, verwirrt und zugleich ein wenig hoffnungsvoll von der Botschaft der Auferstehung. Und bei der Himmelfahrt haben sie den Auftrag bekommen, in alle Welt hinauszugehen. Aber zunächst passierte erstmal gar nichts.
Und dann am Pfingstfest erhalten sie plötzlich und ganz unerwartet eine Kraft, die ihr Leben verändert. Das kleine scheinbar saft- und kraftlose Häufchen Jünger verändert sich von einem Moment zum anderen.

Der Geist Gottes treibt sie plötzlich zu Taten an, zu denen sie vorher nie den Mut gehabt hätten: Vor allen Menschen, auf vor ihren Gegnern, sprechen sie frei und offen, in mehreren Sprachen. Nicht mehr scheu und zögernd, sondern selbstbewusst und direkt. Und sie nehmen kein Blatt vor den Mund.
Der Geist als der Turbo für die Jünger, die von diesem Tag an durchstarten und in alle Welt hinausgehen um von Jesus weiterzusagen.

Jesus hat seine Jünger nicht alleine zurückgelassen, sondern sie haben den Geist, die Gegenwart Gottes, geschenkt bekommen.

KRAFT AUS DER TAUFE

Vorhin bei der Taufe habe ich Ihrem kleinen Robin gesagt: “ Gott stärke dich durch seinen Heiligen Geist“. Die Kraft, die den Jüngern an Pfingsten verliehen worden ist, haben wir auch ihrem Sohn zugesagt. Auch du hast die Kraft Gottes, die Gutes in dir schaffen soll, die dich antreiben, dir den Mut machen soll, das Rechte zu tun, auch ein Friedensstifter zu sein.

Manche Omas laufen kurz nach einer Geburt zur Bank und eröffnen ein Konto mit Sparvertrag für ihre Enkel. Ein netter Zug, um den Nachwuchs den Start ins Leben zumindest finanziell ein bisschen zu erleichtern.
In der Taufe an unseren Kindern, und auch an uns selbst, steckt auch so ein Startkapital: Die Zusage, dass Gott Gutes mit mir vorhat. Und dass er auch Gutes durch mich bewirken will. Dass er mir durch seinen Geist Kraft gibt, nicht nur für mich selbst, sondern auch für meinen Auftrag als Christ in dieser Welt. Zum Beispiel um ein Friedensstifter zu sein.

AMEN

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