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Predigt zum Kirchweih-Sonntag: Werkzeuge in Gottes Werkstatt (1. Korinther 12) 26. Oktober 2003

Lesung 1. Kor 12 (in Auswahl – Übersetzung: Hoffnung für alle)

So wie unser Leib aus vielen Gliedern besteht und diese Glieder einen Leib bilden, so besteht auch die Gemeinde Christi aus vielen Gliedern und ist doch ein einziger Leib. Wir haben alle denselben Geist empfangen und gehören darum durch die Taufe zu dem einen Leib Christi, ganz gleich, ob wir nun Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie sind; alle sind wir mit demselben Geist erfüllt. Nun besteht aber ein Körper aus vielen einzelnen Gliedern und Organen, nicht nur aus einem einzigen. Selbst wenn der Fuß behaupten
würde: «Ich gehöre nicht zum Leib, weil ich keine Hand bin!», er bliebe trotzdem ein Teil des Körpers. Und wenn das Ohr erklären würde: «Ich bin kein Auge, darum gehöre ich nicht zum Leib !», es gehörte dennoch dazu.

Angenommen, der ganze Körper bestünde nur aus Augen, wie könnten wir dann hören? Oder der ganze Leib bestünde nur aus Ohren; wie könnten wir dann riechen?
Deshalb hat Gott jedem einzelnen Organ des Körpers seine besondere Funktion gegeben, so wie er es wollte.
Darum kann das Auge nicht zur Hand sagen: «Ich brauche dich nicht!» Und der Kopf nicht zu den Füßen: «Ihr seid überflüssig!» Vielmehr sind gerade die Teile des Körpers, die schwach und unbedeutend erscheinen, besonders wichtig.
Unser Leib soll eine Einheit sein, in der jeder einzelne Körperteil für den anderen da ist. Leidet ein Teildes Körpers, so leiden alle anderen mit, und wird ein Teil gelobt, freuen sich auch alle anderen.
An diesem Beispiel wollte ich euch erklären: Ihr alle seid der eine Leib Christi, und jeder einzelne von euch gehört als ein Teil dazu. Jedem hat Gott seinen ganz bestimmten Platz zugeteilt.

Anspiel des Kindergartens
(Sie spielen den Streit der verschiedenen Werkzeuge des Schreinermeisters. Jedes Werkzeugt ist der Meinung, das einzig wichtige Teil zu sein und kanzelt die anderen entsprechend ab:
Der Hobel sei zu oberflächlich, der Zollstock zu pingelig, die Schraube zu langweilig.
Letztlich kommt aber dann der Schreinermeister und benutzt alle diese Werkzeuge, um eine Kirchenbank zu zimmern)

Ansprache

Liebe Gemeinde,

Wir brauchen sie alle – das scheint heute das Motto unseres Kirchweih-Gottesdienstes zu sein.

In der Lesung hat es Paulus am Beispiel der Körpers erläutert: Wir brauchen für einen funktionierenden Körper alle Körperteile. Jeder einzelne Finger ist wichtig. Und wir können nicht bloß Hände brauchen, sondern auch Füße … und Augen
Jeder einzelne ist in der Gemeinde wichtig.

Unsere Kindergartenkinder haben das gleiche einmal mit der Bild einer Werkstatt gesagt.
Ein interessanter Gedanke. Demnach sind wird Gollhöfer verschiedene Werkzeuge in der Werkstatt unseres Herrn. Mehr oder weniger aufgeräumt liegen wir in der Werkzeugkiste unserer Gemeinde.

Ich habe mir gedacht: Lasst uns mal reinschauen in diese Werkzeugkiste (Werkzeugkiste wird hereingetragen).

Der Hammer
Da haben wir den Hammer. Mit dem kann ich etwas bewegen! Wo ich mit dem hinschlage, da passiert auch was. Ein überaus nützliches und kraftvolles Werkzeug.
Solche Menschen haben wir auch in unserer Gemeinde. Menschen, die mit viel Power etwas bewegen; die anpacken können.
Die einen reißen buchstäblich Bäume im Pfarrgarten aus.
Die anderen versehen das Spielhäuschen in Kindergarten mit einem neuen wasserfesten Dach.
Oder sie organisieren die Abfuhr vom Bauschutt bei der Außenrenovierung an der Kirchenmauer.
Wo die Hammer-Leute unterwegs sind, da wird in kurzer Zeit mit vereinten Kräften manches ordentliche Stück Arbeit weggeschafft. Einer allein wäre da überfordert.
Schön dass es sie gibt – diese schlagkräftige Truppe in unserer Gemeinde.

Die Feile
Da haben wir aber auch noch andere Typen.  Die Feilen! Ich gebe zu, mit einer Feile kann ich keine Mauern einreißen – aber ich brauche sie für wichtige feine Detailarbeiten.
Bei uns im Kirchenvorstand sitzen zum Beispiel ein paar solcher Feilen.  Ob es um die Feinheiten einer Finanzplanung im Kindergarten geht. Oder wenn wir für den Gottesdienst in der Wolfsgruber-Halle passende Texte und Lieder brauchen:
Da sind sie fit, die Feilen, die sich Zeit nehmen für die wichtigen Kleinigkeiten, die korrekten Zahlen und die richtigen Worte.  Manchmal ist es mühsam, was sie tun. Aber was herauskommt, passt genau – darauf kann ich mich verlassen.
Gott sei dank, haben wir diese Feilen in unserer Gemeinde.

Die Schraubzwinge
Manchmal ist so eine Kirchengemeinde ein furchtbarer Verhau: Da gibt es unzählige verschiedene Dinge, und unterschiedliche Meinungen. Da gibts die Schnellen und die Langsamen. die Fortschrittlichen und die Konservativen.
Manchmal habe ich den Eindruck, ich verliere den Überblick und alles purzelt bei uns durcheinander.
Wie kann man diesen wuseligen und niemals ganz durchschaubaren Gemeinde-Haufen nur zusammenhalten?
Was bin ich froh, dass es Menschen gibt, die das Verbindende einer Schraubzwinge haben.
Sie haben durch die Erfahrung ihres Lebens den Überblick über Vieles behalten.
Die sagen mir: Immer mit der Ruhe. Denn in der Ruhe liegt die Kraft!
Und wo sie sich dahinterklemmen, da erscheint dann Manches wie durch ein Wunder wieder ganz kompakt und zusammengehalten.
Vielelicht liegt es daran, dass sie unterschiedliche Menschen zusammenbringen können. Dass sie es schaffen, unterschiedliche Meinungen zu versöhnen.
Möglicherweise liegt der Grund auch darin, dass sie als „treue Seelen“ sich in unserer Gemeinde ganz heimatlich festgeschraubt haben.

Der Winkelschleifer
Das ist ein tolles Gerät! Mit dem geht ja fast alles: Ich kann schleifen, trennen, schärfen. ich komme in jede Ecke und kann es fast überall einsetzen.
Prima, so eine „Flex“.
Die Flexiblen sind auch wichtig in unserer Kirchengemeinde. Menschen, die schnell und unkompliziert mal mithelfen. Und wenns nur für ein paar Handgriffe ist. Ohne diese schnelle Einsatztruppe wäre vieles nicht möglich!
Da findet sich jemand, der sich bereit erklärt, zum Freitag ein paar Brote für die
Don-Kosaken zu schmieren, oder einen Kuchen fürs Gemeindefest zu backen.
Da gibts den Schüler, der spontan Materialien für die Kirchenandacht zusammensammelt.
Oder der Mensch, der seine Biertischgarnituren für irgendeine Veranstaltung zur Verfügung stellt.
Jede Menge solcher Beispiele könnte ich da aufzählen.
Und genauso oft könnte ich mir ausmahlen, was es bedeutet hätte, wenn sich niemand für diesen oder jenen Dienst bereit erklärt hätte.
Ich merke: Die Flexiblen sind ein Geschenk Gottes.

Liebe Gemeinde,
die Werkzeugkiste unseres Gottes ist groß. Ich habe jetzt gerade mal als Beispiel nur  vier Werkzeuge herausgefischt.
Und wenn ich da reinschaue, merke ich:
Es gibt da viel mehr Werkzeuge.
Die kommen fast jede Woche zum Einsatz, andere nur ganz selten.
Und manche habe ich selber noch nie gesehen.
Ich denke: Schade eigentlich!
Nicht nur weil wir sie brauchen könnten, sondern weil sie in der Gefahr stehen, zu verrosten. Ja, wenn sie ihren Glauben nicht irgendwie einsetzen, fängt er an zu rosten … und ist eines Tages unansehnlich und unbrauchbar. Wirklich tragisch.
Vielleicht müssten wir als aktive Werkzeuge die anderen mal wieder mitnehmen in die Werkstatt des Glaubens.
Wenn der Hammer dem Stemmeisen vormacht, wie gut es ist, einen Gott zu haben.
Oder die Feile zusammen mit den Sandpapier entdeckt, was es heißt Jesu Jünger zu sein.
Wenn die Schraubzwinge dem Holzkleber verhilft, die Festigkeit des Glaubens kennenzulernen.
Oder die Flex mit der Schuppscheibe dem Gottvertrauen des Meisels zu neuem Glanz verhilft.

Das wäre ein schönes Bild von Gemeinde. – Weil wir wissen: In der Kirche brauchen wir jeden einzelnen.
Amen

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