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Predigt: Wo soll er seine Wurzeln schlagen? (Jeremia 17, 7+8) 16. Mai 2004, Taufe von Sebastian

Liebe Taufgemeinde,

Einen Baum pflanzen

Wenn ich einen Baum pflanzen will, dann brauche ich zunächst ein Bäumchen, einen Spaten und einen passenden Platz. Und das mit dem idealen Platz ist gar nicht einfach. Die Lichtverhältnisse sollen passen, die Zusammensetzung des Bodens, und auf einer Wasserader sollte man auch nicht gerade pflanzen. Jedesmal wenn der Obst- und Gartenbauverein den Konfirmandenbaum aufstellt, macht ihr euch darüber diese Gedanken. – Wo soll er hin, der Baum, damit mal was Gescheites aus ihm wird? Die Ortswahl ist manchmal entscheidend für das Gelingen der Aktion.

„Ein Kind pflanzen“

Und wie ist das mit eurem kleinen Sebastian? Wo sollen wir den denn hinpflanzen? Aus ihm soll ja auch mal etwas werden. Dieses kleine Pflänzchen Kind, das ihr jetzt da bei euch auf dem Schoß liegen habt, wird bei euch gehegt und gepflegt, umsorgt und geschützt. Ihr wollt das Beste für den Kleinen.

Bloß: wo soll man so ein kleines Kerlchen hinpflanzen, wo soll er seine Wurzeln hinein sprießen lassen; was ist der richtige Nährboden für sein Leben?

Der Taufspruch aus dem Buch des Propheten Jeremia ist dafür eine Pflanz-Anleitung. Pflanze dein Kind in den Boden des Gottvertrauens hinein, dort werden seine Wurzeln genau das finden, was er zum Wachsen benötigt. Dort wird er die Nährstoffe bekommen, die seine Seele braucht, das Wasser ziehen können, dass ihn lebendig werden lässt.

Leben trotz der Dürre

Gesegnet aber ist der Mann,  der sich auf den HERRN verläßt und dessen Zuversicht der HERR ist. 8 Der ist  wie ein Baum, am Wasser gepflanzt, der seine Wurzeln zum Bach hin streckt.  Denn obgleich die Hitze kommt, fürchtet er sich doch nicht, sondern seine Blätter bleiben grün; und er sorgt sich nicht, wenn ein dürres Jahr kommt, sondern bringt ohne Aufhören Früchte. (Jeremia 17, 7+8)

Dieser Baum hat den idealen Standort. Dort, in der Nähe des Baches muss er sich keine Sorgen machen, dass er ausreichend Wasser bekommt. Er sitzt förmlich an der Quelle. Zwar steht er nicht im Wasser, und holt sich nasse Füße, aber er ist ganz nah dran und bekommt so genau so viel wie er braucht.

Und wenn dann die trockenen Perioden kommen, wenn der Regen ausbleibt und der heiße Wind die Blätter austrocknet, dann steht er noch gut da, seine Wurzeln reichen noch hinein in die Feuchtigkeit des Flussbettes. Auch wenn es ihm beutelt: seine Blätter werden nicht welk, er fängt nicht an zu kümmern. Ganz im Gegenteil: Er bringt sogar noch Früchte hervor. Erscheint dort vital, wo alle um ihn herum nach Wasser lechzen, die Blätter abwerfen und irgendwie am Ende sind.

So einem Baum werden die Menschen schätzen und bewundern. Schließlich können Sie auch in dürren Jahren einen saftigen Apfel pflücken – trotz der Trockenheit und Hitze.

 

Ein wunderbarer Baum.  Wobei wir nicht vergessen dürfen: Das alles liegt nicht daran, dass er so eine geschickte Züchtung ist –  sondern daran, dass er an der richtigen Stelle steht, seine Wurzeln am Ufer in den Boden gegraben hat. Und selbst das ist nicht seine eigene Leistung, er hat sich ja nicht selber dorthin gepflanzt. – Andere haben dafür gesorgt.

 

Eine Frage des Standortes

 

Liebe Familie N. ,

 

damit wären wir an einem entscheidenden Punkt. Vieles steht und fällt mit dem richtigen Standort für die Wurzeln. Im Boden des Gottvertrauens verwurzelt zu sein … das ist wahrscheinlich einer der besten Plätze für ein menschliches Leben.

– Der ideale Standpunkt.  In der Nähe des Wassers.

 

Diesen Standort schätzt nicht jeder !

„Wieso soll ich meinen Sohn denn dort an die Böschung des Gottvertrauens pflanzen? Da stehen doch lauter alte Oma-Bäume rum. Da hat man vielleicht vor 100 Jahren gepflanzt.

Das ist doch gar nicht mehr gefragt. Ein gescheiter Baum hält etwas aus, der beißt sich durch, selbst durch den härtesten Boden. Irgendwo bringt der schon sein Wasser her.“

 

Ich habe das Gefühl: Je sorgloser wir in unserem Land unser Leben führen können, desto häufiger sie siedeln sich Menschen weit weg vom Ufer des Gottvertrauens an. Uns geht es doch gut genug, an Wasser kommen wir doch je nach Bedarf ohne Probleme.

Das Gespür, für die Notwendigkeit, wirklich gut verwurzelt zu sein … in einem Boden der mir Halt, und Vitalität geben kann … dieses Gespür ist nicht mehr überall vorhanden.

 

Komisch. Denn wenn man genau hinschaut, wenn man seine Mitmenschen betrachtet, kann man immer wieder entdecken: Da gibt es welche, die leben unter Bedingungen, die alles andere als erfreulich sind. Krankheiten, Belastungen oder auch enorme Herausforderungen. Die leben in so einer Dürreperiode. Aber die strahlen dennoch Lebenskraft aus, Zuversicht und Hoffnung. Obwohl sie doch eigentlich ausgepowert und seelisch ausgetrocknet sein müssten.

Und fragt man nach, (klar, das traut sich leider nicht jeder) da bekommt man oft die gleiche Antwort: die Kraft bekomme ich aus dem Glauben, aus dem Gebet. Jemand anderes formuliert es ganz einfach: “ Ich vertraue halt auf meinem Herrgott“.

Das ist das ganz simple Geheimnis. Menschen ziehen ihre Kraft, ihr Wasser zum Leben, aus dem Gottvertrauen. Sie müssen nicht selbst ihre eigene Quelle sein; wie soll das auch gehen, wenn man am Ende ist?

Ihr Wasser kommt von Gott her.

 

Gesegnet aber ist der Mann,  der sich auf den HERRN verläßt und dessen Zuversicht der HERR ist. 8 Der ist  wie ein Baum, am Wasser gepflanzt, der seine Wurzeln zum Bach hin streckt.  Denn obgleich die Hitze kommt, fürchtet er sich doch nicht, sondern seine Blätter bleiben grün; und er sorgt sich nicht, wenn ein dürres Jahr kommt, sondern bringt ohne Aufhören Früchte.

Man schmeckts, wo einer steht

 

Liebe Taufpaten,

 

mit dem Patenamt haben sie eine wichtige Aufgabe übernommen. Sie sollen dabei helfen, dass der kleine Sebastian festen, guten Boden unter seine Wurzeln bekommt. Da passt es ja ganz gut, dass sie in ihrem Weinberg für den kleinen Kerl seine „eigenen“ Weinstöcke gepflanzt haben.

Die müssen genau so Wurzeln schlagen wie er. Das ist für beide ganz wichtig.

 

Mir ist dazu eingefallen: der Geschmack des Weins wird nicht nur vom Wetterverlauf und der Rebsorte bestimmt. Ganz entscheidend wird der Geschmack von der Art des Bodens bestimmt. Wer schon mal einen Riesling aus Franken, und einen aus den Schieferhängen der Mosel nebeneinander getrunken hat, dem braucht man davon nichts mehr erzählen.

Man schmeckt die Strahligkeit des Schiefers an der Mosel heraus; und ebenso das Charakteristische aus unserer Gegend.

 

Genau so spürt man es auch den Menschen ab, wo sie ihre Wurzeln eingegraben haben. Das prägt einfach einen Menschen   – ob er aus dem Glauben heraus lebt, mit dem Vertrauen, dass Gott ihn nicht alleine lässt – oder ob er als jemand sein Leben führt, der selber schauen will das er nicht zu kurz kommt, nicht austrocknet.

Ja, auch andere Menschen haben was davon, wenn man einem Menschen begegnet, der in seinem Glauben verwurzelt ist.

 

Der Blick in die Zukunft

 

Jetzt stehen wir er erst am Anfang des Wachstums eures Sohnes.

Ihr drei Familienmitglieder werdet sicher zusammen helfen, um eurem Sebastian die besten Bedingungen für sein Wachstum zu bieten. So machen das ja die meisten Eltern und Geschwister. Ihr werdet mit viel Liebe und Fürsorge, mit Weitsicht und Konsequenz diesen jungen Baum gießen und düngen.

Den rechten Ort zum Wachstum habt ihr euch ja ausgewählt – das zeigt mir der Taufspruch.

 

Wie er aber anwächst, wie er sich entwickelt, wie geradlinig oder verworren seine Äste sich ausbreiten werden, das liegt schon nicht mehr in eurer Hand. Ihr könnt und müsst Grundlagen legen… aber was euer Sohn daraus macht, entzieht sich oft genug eurem Einfluss. Ob er den Boden, in dem ihr ihn gesetzt habt, als Grundlage für sein Leben annimmt, oder sich letztlich irgendwann selbst verpflanzen möchte, das ist offen.

Unsere Kinder sind nicht unser Eigentum, das wir so gestalten können, wie wir es gerne hätten.

 

Gerade angesichts dieser Aussicht, ist es gut, wenn wir als Eltern diesen Taufspruch auf uns beziehen.

Auch wir brauchen unsere Wurzeln im Gottvertrauen, damit wir auch einen langen Atem haben, wenn uns die Kraft auszugehen droht, wenn wir Angst haben um die Zukunft unsere Kinder. –  Angst weil wir nicht wissen, wie deren Welt in 30 oder 50 Jahren aussehen wird.

Um da nicht vor Angst und Kummer zu verdorren und die Blätter der Fröhlichkeit abzuwerfen, brauchen wir auch unsere Wurzeln im feuchten Boden der Zuversicht und des Vertrauens.

 

Darum wünsche ich Eurem Sohn und Euch ein gutes Anwachsen.

AMEN

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