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Predigt zur Jahreslosung 2005: „Ich habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre“ (Lukas 22, 24) 31. Dezember 2004

Der Losungstext  im Zusammenhang:
Lukas 22, 24-25
24 Es erhob sich auch ein Streit unter ihnen,  wer von ihnen als der Größte gelten solle.
25 Er aber sprach zu ihnen: Die Könige herrschen über ihre Völker, und ihre Machthaber lassen sich Wohltäter nennen.
26 Ihr aber nicht so! Sondern der Größte unter euch soll sein wie der Jüngste, und der Vornehmste wie ein Diener.
27 Denn wer ist größer: der zu Tisch sitzt oder der dient? Ist’s nicht der, der zu Tisch sitzt?  Ich aber bin unter euch wie ein Diener.
28 Ihr aber seid’s, die ihr ausgeharrt habt bei mir in meinen Anfechtungen.
29 Und ich will euch das Reich zueignen, wie mir’s mein Vater zugeeignet hat,
30 daß ihr essen und trinken sollt an meinem Tisch in meinem Reich und  sitzen auf Thronen und richten die zwölf Stämme Israels.

31 Simon, Simon, siehe, der Satan hat begehrt, euch zu sieben wie den Weizen.
32 Ich aber habe  für dich gebeten, daß dein Glaube nicht aufhöre. Und wenn du dereinst dich bekehrst, so stärke deine Brüder.
33 Er aber sprach zu ihm: Herr, ich bin bereit, mit dir ins Gefängnis und in den Tod zu gehen.
34 Er aber sprach: Petrus, ich sage dir: Der Hahn wird heute nicht krähen, ehe du dreimal geleugnet hast, daß du mich kennst.
35 Und er sprach zu ihnen:  Als ich euch ausgesandt habe ohne Geldbeutel, ohne Tasche und ohne Schuhe, habt ihr da je Mangel gehabt? Sie sprachen: Niemals.

Die Situation am Grün-Donnerstag

Liebe Gemeinde.

Da sitzen sie zusammen: Jesus und seine Jünger. Sie haben gemeinsam gefeiert, Brot und Wein miteinander geteilt. Und Jesus hat dieses Mahl gedeutet:
„Das ist mein Leib, das ist mein Blut“ – Ihnen ist bewusst geworden: Jesus spricht von seinem nahen Tod. Wenig später werden sie hinaus in den Garten Gethsemane gehen, wo Jesus dann verhaftet wird.
Das, wovon Lukas hier in Anschluss an das Abendmahl schreibt, scheint gar nicht in diese außergewöhnliche Situation zu passen: Inmitten dieser betroffen machenden Szene fangen die Jünger an zu streiten, wer der größe unter ihnen ist. – Fast so, als würden die Kinder am Sterbebett des Vaters schon aushandeln, wer was erben würde.

Jesus greift ein. Er stellt klar: In Gottes Reich gelten andere Kategorien als in der Welt der menschlichen Herrscher. Wer den Anderen wie ein Sklave dient, der ist letztlich der größte.
Und dann wendet er sich dem Simon Petrus zu und spricht zu ihm den Satz, der die Jahreslosung für 2005 ist: „Ich habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre.“

Petrus ist davon überrascht. Schließlich ist er doch unter den Jüngern der, der immer vorne dran ist, vielleicht so etwas wie ein Klassensprecher. Er ist der mit dem größten Vertrauen, dem stärksten Glauben daran, das Jesus der erwartete Messias ist. Darum kann Petrus nicht verstehen, weshalb Jesus ihm so etwas sagt. „Was soll das? Warum zieht Jesus meinen Glauben in Zweifel?“  Darum reagiert er sofort und verspricht ihm Treue bis zum Tod.

Realität der Anfechtungen

Liebe Gemeinde,
wir wissen ja, wie das alles weiterging!
Wir kennen die Geschichte von Petrus, der entsetzt zusieht, als Jesus gefangen genommen wird, der ihn zu Tode erschrocken verleugnet, als er im Hof des Hohenpriesters auf seine Jüngerschaft angesprochen wird.
Diese erschreckende Wendung Jesu vom wunderwirkenden Wanderprediger zum gegeißelten Gefangenen hat Petrus völlig durcheinander gebracht. Und es sollte noch schlimmer kommen: Der Tod Jesu. Kein Himmelsheer kam, um ihn zu retten. Das war für Petrus glaubensmäßig ein Schlag ins Kontor. Da wurde sein Glaube auf eine harte Probe gestellt, vielleicht ist er ihm sogar wie Sand zwischen den Fingern zerronnen.
Was soll man noch glauben, wenn Gott seinen gesandten Messias sterben lässt?

Was soll man noch glauben, wenn eine Flutkatastrophe mehr als hundertausend Menschen in den Tod reißt? Fällt es einem noch leicht, da vom lieben Gott zu sprechen?
Das Nachrichtenmagazin Spiegel hat den Ratsvorsitzenden der EKD, Bischof Wolfgang Huber gebeten, zur Frage Stellung zu nehmen, wie Gott so etwas zulassen kann. In der Internet-Ausgabe des Spiegels kann man seine Worte nachlesen, und darüber in einem Forum auch diskutieren. Der Titel dazu: „Gibt es einen Gott?“ Innerhalb von 2 Tagen sind da weit über 100 Beiträge eingegangen. Sehr kontrovers und teilweise sehr energisch wird da debattiert.

Ereignisse wie diese Katastrophe können auch mich als Christen ins Schleudern bringen. Schließlich erwarte ich mir von einem Gott, der uns Menschen liebt, nur Gutes! Und wenn ich vertraue, dass er die Welt in seinen Händen hält, dann darf es so eine Katastrope eigentlich nicht geben.

Ich merke, dass ich doppelt hilflos bin:
– Zum Einen sehe ich wie wenig ich angesichts solch einer so großen und fernen Katastrophe ausrichten kann.
– Zum Andern habe ich auch keine schlüssige Antwort auf das „warum“. –  So, wie viele Generationen von Menschen – auch von Theologen – vor mir.

Zum Christsein gehört es offenbar dazu, dass ich mit meinem Glauben auch an Grenzen stoße. Dass ich meinem Glauben, meinem Gott, keine Antwort auf meine brennende Frage abtrotzen kann.
Das geht es dem Petrus genauso wie allen andern Christen auch.

Gefährdungen des Glaubens gehören dazu

„Ich habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre“ – Dieser Satz, den Jesus da spricht, beinhaltet eine wichtige Aussage: Es scheint ganz normal zu sein, dass der eigene Glaube eine Krise durchlebt, dass man zweifelt und mit seinem Glauben versagt.

Petrus hat es uns vorgemacht. Er ist in gewisser Weise ein Musterexemplar für uns Christen.
– Zunächst erscheint er mit unerschütterlichem Glauben ausgestattet – spuckt sogar reichlich große Töne.
– Dann wird es eng, beim Hohepriester im Innenhof verleugnet er Jesus, versagt damit in seinem Handeln – und er zweifelt an sich selbst.
– Mit Jesu Kreuzigung fällt er dann völlig in ein schwarzes Loch, fragt nach der Wahrheit seines Glaubens – zweifelt an seinem Gott – war vielleicht alles nur eine Illusion?
– Erst mit der Auferstehung Jesu gewinnt er wieder Zuversicht; wird sein Glaube wieder aufgebaut.

Brüche im eigenen Glauben, Zeiten des Zweifelns und Verzweifelns gehören zum Glauben dazu! Der Eine nimmt sie eher wahr, weil er da sensibler ist. Der Andere hat da ein etwas stabileres Gemüt und ist nicht so schnell ins Wanken zu bringen. Wir Menschen sind da ganz unterschiedlich.

Wachstumsbrüche?

Die Geschichte meines Glaubens ist eine mit auf und ab.
Und auch mit Brüchen. Manches, was zum eigenen Glauben grundlegend dazugehört hat, hat an Bedeutung verloren; andere Inhalte des Glaubens wurden dafür tragend. Das eine bricht weg, das andere wächst einem hinzu.

Vielleicht gehört das zur Entwicklung des eigenen Glaubens dazu. Vom Glauben des Kleinkinds bis zum Glauben im Alter. Zum Wachstum gehören Krisen und Veränderungen dazu. Ohne die geht es wohl nicht.

Wie wäre das bei Petrus gewesen? Wie wäre das Leben des Petrus verlaufen, wenn er diese Krise seines Glaubens rund um Karfreitag nicht erlebt hätte? Dann wäre er vielleicht ein frommer Sprüchemacher geblieben, aber kein Jünger, der später in Rom tatsächlich bis zum Tod seinen Glauben bezeugt.

Krisen scheinen unserem Glauben neue Stärke zu geben …. wenn denn der Glaube die Krise übersteht. Denn das gibt es auch: Dass Menschen die Schwäche ihres Glaubens nicht aushalten, ihn deshalb für sich über Bord werfen. Schade.
Im griechischen Urtext des Lukasevangeliums steht für das „aufhören“ des Glaubens ein interessantes Wort: „ekleipo“. Vielleicht kennen sie das Substantiv dazu: die Eklipse – so nennen Astronomen die Sonnenfinsternis.
Wo der Glaube aufhört, da wird es dunkel im Leben.
Nicht umsonst sagt Jesus: „Ich habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre“.

Blick jahreslos2005auf die Spruchkarte

Liebe Gemeinde,
bitte schauen Sie einmal mit mir auf die Spruchkarte* zu dieser Jahreslosung. Sie sehen eine Hand, die einen geschliffenen Stern hält. Aus Glas oder Bleikristall wird er wohl sein. Genauso wie bei einem Diamant erhält er seinen Glanz, sein besonderes Funkeln, durch den richtigen Schliff. Und der Schliff besteht darin, dass an den richtigen Stellen Brüche, Kanten an der Oberfläche sind, an ihnen bricht sich der Lichtstrahl und der Glasstern beginnt zu funkeln.

Der Glaube, das Vertrauen auf Gott, kann so ein funkelnder Stern sein, der es hell macht, wo eigentlich Dunkelheit zu herrschen scheint.

Für das Neue Jahr wünsche ich Ihnen:

1) Dass Sie Freude an Ihrem Glauben haben. Dass er Ihrem Leben gut tut und Sie Ihn auch in den Zeiten des Zweifelns festhalten
2) Dass es Menschen gibt die für Sie beten, damit ihr Glaube nicht aufhört.
3) Dass Sie Zeit finden, auch im Gebet an andere Menschen zu denken, die es gerade mit ihrem Glauben nicht so einfach haben.

Amen

* Die Spruchkarte ist erhältlich beim kawohl-verlag

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