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Predigt: Wo stehst du und wo willst du hin? (Symbolpredigt „Kompass“), Konfirmation am 20. März 2005

Liebe Konfirmanden,bpred112a

ich habe heute ein Navigationssystem mitgebracht. Nicht so ein modernes elektronisches, wie es ab morgen für 359.- Euro beim Aldi angeboten wird. Sondern ein etwas älteres, das aber auch ganz prima funktioniert, ganz ohne Batterien,- nämlich einen Kompass.

Wenn ich den richtig zu bedienen weiß, zeigt der mir genauso gut an, wo es lang geht, wie sein elektronischer Verwandter.

Wo stehst du?

Es ist ganz interessant: Egal ob ich mit Kompass oder satellitengestütztem GPS loslege. Beide Systeme stellen mir zuerst eine ganz wichtige Frage. Wo stehst du eigentlich?

Diese Frage ist so wichtig, dass ich sie mir gleich auf meinen Kompass drauf geschrieben habe: Wo stehst du eigentlich? Das muss man zuallererst wissen. Mit dem Kompass kann man das ganz gut berechnen, vorausgesetzt man hat in Sichtweite 2 bekannte Punkte. Das Navigationssystem von heute macht es fast genauso; das braucht mindestens 3 Satelliten, deren Signale es auswertet.

Also: Zuerst muss ich meinen eigenen Standpunkt bestimmt haben; erst dann kann ich losmarschieren. Übrigens, nur der Vollständigkeit halber: Hier im Altarraum befinden wir uns  10 Grad 11’28“ Ost und 49Grad 34’07“ Nord.

Liebe Konfis,

das mit dem Standpunkt hat ja nicht nur mit Erdkunde zu tun. Viel spannender und auch schwieriger ist es mit einer anderen Art von Standpunkt. –  Wenn man dich nämlich nach deinem persönlichen Standpunkt fragt:

– Was ist dir wichtig?

– Wofür stehst du ein?

– Wo fühlst du dich daheim?

– Für was stehst du eigentlich,

– Und stehst du auch gerade für das, was du sagst oder tust?

Wer darauf eine Antwort weiß, der hast seinen Standpunkt gefunden. Und da merkt man, dass das gar nicht so einfach ist!  Aber die Frage danach ist ganz alltäglich:

Wenn es im Freundeskreis Ärger gibt und einer fragt: “Gehörst zu denen oder zu uns? – Wo stehst du eigentlich?” … da gilt es Standpunkt zu beziehen und Farbe zu bekennen.

Wenn da einer anfängt rumzudrucksen, dann ist schon klar: Der hat seinen Standpunkt noch nicht gefunden … das ist problematisch, weil man nie weiß, woran man bei ihm ist.

Menschen brauchen Standpunkte. – Damit sie selber wissen, wo sie hingehören und andere wissen, woran sie bei ihnen sind.

Konfirmation fragt nach dem Standpunkt

Konfirmation hat auch etwas mit einer Standortbestimmung zu tun.Nachher werdet ihr nämlich auch nach eurem Standpunkt gefragt; nach dem “Wo stehst du?”

“Wollt ihr euer Leben als Christen führen und zu dieser Gemeinde gehören?”, das ist die Frage, um die es heute geht. Da ist euer Standpunkt gefragt. Und  soweit ihr diese Frage mit ehrlichem Herzen mit “ja” beantwortet  legt ihr euch da fest. “Ich bin Christ” – das ist eine Positionsbestimmung. Und darum geht es heute.

 Wo willst du hin?bpred112b

Ich möchte noch einmal zurück zum Kompass. Der Kompass hat ja nicht nur die Aufgabe festzulegen wo man gerade ist. Vor allem soll er mir ja helfen, den richtigen Weg zu meinem Ziel zu finden.

Und deshalb stellt er mir eine zweite Frage: “Wo willst du hin?” (Hier, auf der anderen Seite des Kompasses habe ich sie draufgedruckt.)

Im “normalen” Leben mit Kompass oder Navigationssystem ist diese Frage ziemlich einfach. Schließlich nehme ich das Gerät ja zur Hand, weil ich irgendwo hin will. Zum Beispiel nach Heilsbronn in die Klostergasse, weil dort in einer Woche eine Fortbildung beginnt. Ich weiß, wohin ich will – das ist ja klar.

Ganz anders sieht das aus, wenn ich diese Frage an meinen Lebensweg stelle: “Wo willst du hin?” Da merke ich, dass die Antwort gar nicht so einfach ist. Und das gilt nicht nur für Konfirmanden; auch Erwachsene tun sich schwer zu sagen, was das Ziel in ihrem Leben ist. Ja, man kann auch ohne Ziel unterwegs sein. Überhaupt kein Problem! Wir haben jede Menge Menschen auf diesem Planeten, die führen ihr Leben und haben überhaupt keine Peilung, wohin die Reise gehen soll. Man lebt halt einfach so, und ist oft damit auch gar nicht so schlecht bedient. Ja, es fällt oft gar nicht auf.

– Ganz im Gegensatz zum Straßenverkehr. Wenn da einer ohne Ziel unterwegs ist, fällt das irgendwann auf: Spätestens wenn innerhalb von einer Stunde einer fünfmal an meinem Haus vorbei brettert frage ich mich “Hat der Kerl denn keinen Plan, wo er hin will? Hat der denn nichts Besseres zu tun als immer im Kreis zu fahren?”

 Ein Ziel finden

Haben wir nichts Besseres zu tun, als unser Leben planlos in den Tag hinein zu leben? Momentan läuft im Kino ein Film über Sophie Scholl. Eine junge Frau … die hatte einen Standpunkt … und die hatte ein Ziel. Sie wollte sich gegen Endsieg-Wahnsinn der Nazis wehren und andere Menschen aufrütteln. Und davon hat sie keiner abbringen können. Für ihre Überzeugungen und Ziele ist sie sogar mit ihrem Leben eingestanden. Und die Spuren, die ihr kurzes Leben hinterlassen hat, sind bis heute spürbar.

Ich weiß: So etwas kann man nicht nachmachen wollen.

Und ich weiß nicht, ob ich den gleichen Mut gehabt hätte, wie diese Sophie Scholl und ihre Mitstreiter. Aber ich spüre, wie mich so etwas beeindruckt: Wenn jemand sein Ziel so fest im Auge hat und weiß, wofür und wo er steht.

Heute ist die Welt anders. Es gibt ganz andere Herausforderungen. Und die Ziele, die man sich als Mensch für sein Leben wählen kann sind endlos vielfältig.

    • – Der eine will einmal richtig viel Geld haben.
    • – Der Andere sehnt sich nach ein bisschen Berühmtheit, und wenn es nur 10 Minuten bei einer Talkshow sind.
    • – Ein Leben in Gesundheit sucht ein Dritter.
    • – Es soll auch Menschen geben, die haben den Himmel als Ziel ihres Daseins.
    • – Einen verlässlichen Partner fürs Leben finden findet auch mancher wichtig.
    • – Oder wieder Einer möchte am Ende seines Lebens einfach etwas zum Guten bewegt haben.

Ihr seht, es gibt viele verschiedene Ziele, und manche Menschen suchen sich sogar ein ganzes Bündel von Zielen aus. Ein großes und ein paar kleine dazu. Kurzfristige für die nächten 3 Jahre und langfristige fürs ganze Leben.

Das macht jeder anders – und manchmal verändern sich die Ziele auch im Laufe eines Lebens.

Was ich aber wichtig finde ist es, dass ihr für euch selbst Ziele bestimmt. Es ist schade, wenn man sein Leben ziel- und planlos dahinplätschern lässt.

 Ein Ziel verfolgen

So, jetzt haben wir einen Standpunkt und ein Ziel. Bleibt die Frage, wie komme ich zuverlässig von A nach B? Der Kompass kann mir da helfen. Denn seine Nadel zeigt immer zuverlässig nach Norden – auf diese Weise kann ich mich gut orientieren und komme mit Hilfe meiner Landkarte gut ans Ziel.

Das, was den Kompass ausmacht ist die magnetische Kompassnadel. Die lässt sich nicht beirren. Sie richtet sich immer nach Norden aus, egal was ich mache, egal wo ich stehe und wie ich mich drehe. Der Kompassnadel kann ich viel erzählen, sagen, dass ich das aber anders sehe, und der Meinung bin , dass “da drüben” Norden ist. Nein, die Kompassnadel steht da drüber – die lässt sich nicht beirren. Sie zeigt nach Norden, und dann muss ich gegebenenfalls einsehen dass ich auf dem falschen Weg bin. – Und den falschen Weg verlassen, weil ich sonst nicht ans Ziel komme.

 Fast alles ist relativ

Ich habe den Eindruck, in unserer Welt ist vieles relativ geworden. Der eine sagt “so” ist es richtig, der andere meint genau das Gegenteil. So etwas macht die Orientierung im Leben unheimlich schwierig. Und viele Menschen leiden auch darunter, dass sie nicht mehr wissen wo oben und unten, was richtig und falsch ist.

Gott ist nicht relativ

Was bin ich froh, dass es fürs Leben einen Kompass samt Landkarte geben kann. Für mich ist das Gott mit dem was von ihm in der Bibel steht.

Mir hat das oft geholfen – zu wissen welche Richtung im Leben die richtige ist, und welcher Weg falsch sein kann.

So einiges habt ihr in bei euren Eltern in Reli oder im Konfikurs gelernt.

Zum Beispiel haben wir uns im letzten Jahr durch die 10 Gebote geackert. Jedes einzelne der Gebote ist ja schon eine Kompassnadel für sich.

    • ~ “Du sollst nicht falsch Zeugnis reden” sagt, dass die Lüge der falsche Weg ist
    • ~ “Du sollst nicht begehren deines nächsten Haus” weist darauf hin, dass man mit Neid und Missgunst nicht wirklich weiter kommt
    • ~ “Du sollst den Feiertag heiligen” signalisiert, dass es richtig ist, sich am Sonntag eine Auszeit zu nehmen und den Parkplatz anzusteuern

An so etwas kann ich mich orientieren – egal was andere sagen, oder was gerade mal wieder angesagt ist. Gottes Wort als Kompass, an dem ich ablesen kann, welcher Weg der richtige ist.

 Umwege und Rückwege

Auf der Konfifreizeit haben wir die Geschichte vom verlorenen Sohn angeschaut. Das war einer, der hatte für ein paar Jahre den Kompass völlig ignoriert …. und hat sich so richtig ins Schlamassel manövriert.

Erst dort hat er dann mal wieder den Kompass des Glaubens ausgepackt und den Weg zurück zu seinem Vater eingeschlagen. Die Geschichte ist ja gut ausgegangen, weil die Liebe des Vaters so enorm groß war.

Ich denke, dass es jedem von euch einmal ähnlich gehen könnte. Dass man mal einen falschen Weg einschlägt, und man ohne Peilung und ohne Ziel irgendwo in der Wüste landet.

Wie gut, dass wir einen Gott haben, der kein Besserwisser und Oberlehrer ist, sondern der uns vor allem mit seiner großen Liebe anschaut. Darum freut er sich wieder, wenn wir den Kompass des Glaubens hernehmen und wieder nach ihm fragen, und nachsehen, wie es weitergehen soll.

In einem alten Psalm heißt es am Ende: (Ps 139, 23-24)

“Erforsche mich, Gott und sieh mir ins Herz, prüfe meine Gedanken und Gefühle.

Sieh, ob ich in Gefahr bin, dir untreu zu werden, dann hol mich zurück auf den Weg, der zum ewigen Leben führt.”

Ich finde, das ist ein tolles Motto für ein ganzes Menschenleben. Ich wünsche euch, dass ihr damit etwas anfangen könnt.
Amen

Praktische Hinweise:
Ich habe für meinen Konfimanden den Kompass Black Crevice verwendet. Darauf habe ich dann die Schriftzüge mittels  selbstgestalteter zurechtgeschnittener Drucketiketten angebracht. Den wohl baugleichen gibt es auch als Black Canyon.
natürlich gibt es auch preislich günstigere, zum Beispiel diesen hier: Kompass mit Aluminium-Gehäuse.
Das grundsätzliche Dilemma bleibt, dass ein guter Kompass als Giveaway eher unerschwinglich ist, und wir auf dieser Preislage eher etwas aus der Spielzeug-Ecke in Händen halten.

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