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Predigt: Ich bin gekommen, ein Feuer anzuzünden auf Erden” (Lukas 12,49, Symbolpredigt), 14. August 2005

Liebe Gemeinde,

ich habe ihnen während des Liedes Streichhölzer ausgeteilt. Jeder von ihnen hat jetzt so ein ganz einfaches Streichholz. Ein Gegenstand, den manche von Ihnen tagtäglich benutzen – andere hingegen sind nehmen stattdessen ein Feuerzeug zu Hand.
In der nächsten Viertelstunde möchte ich mit Ihnen dieses Streichholz genau betrachten und schauen, ob uns so ein Gegenstand etwas über den Glauben erzählen kann.
ZERBRECHLICHKEIT

Schauen wir uns unsere Streichhölzer doch etwas genauer an. Denn auch wenn sie zu Millionen hergestellt werden: Jedes Streichholz ist ein bisschen anders als die anderen:
Die Oberfläche ist unterschiedlich rau, bei machen finden sich kleine Rillen oder Riefen im Holz. Der Zündkopf ist manchmal eher tropfenförmig rund; bei anderen Hölzern länger und schlanker. Manches ist ganz gerade, andere sind ein wenig gebogen.
Allen gemein ist ihre Zerbrechlichkeit: Nicht einmal zwei Millimeter dick sind diese Hölzchen. Und wer unvorsichtig mit ihnen umgeht, bricht sie beim Anzünden auch schnell ab. Unsere fünfjährige Tochter, die im letzten Winter mit Begeisterung unseren Kaminofen angeschürt hat, ist regelmäßig an den dünnen Hölzchen gescheitert. Entweder sie war zu vorsichtig, so dass sich das Streichholz nicht entzündet hat, oder sie hat zu kräftig hingelangt und das Holz ist abgebrochen.
Irgendwann eines dieser neueren Feuerzeuge ausprobiert, die für Kinderhände ideal sind: Man braucht nur ein Hebelchen drücken, und schon brennt vorne eine stabile Flamme.
Seitdem fragt unsere Tochter nicht mehr nach den kleinen, zerbrechlichen und unpraktischen Hölzern. Sie ist aufs moderne Feuerzeug umgestiegen.

Liebe Gemeinde – ich denke, da haben unsere Streichhölzer schon etwas mit dem Glauben gemein: “Glaube? …. Brauchen wir nicht … altmodisches Zeug. Das kriegen wir heute alles viel einfacher, unkomplizierter und praktischer hin.” Das muss man sich ja als Christ manchmal anhören.

Und manchmal habe ich da nicht viel zum Dagegenhalten; genauso, wie das Streichholz gegen das Feuerzeug ganz schlechte Karten hat.

Denn mein Glaube ist auch oft dünn und zerbrechlich. Wenn manche quälende Frage kommt nach dem gerechten Gott, oder wenn einer sagt: Das ist doch sowieso alles erfunden, was in der Bibel steht. Da spüre ich diese Zerbrechlichkeit; denn ich habe da keine fertigen Antworten und perfekte Beweise mit den ich Fragenden oder Kritikern mit unerschütterlicher Stärke entgegentreten kann. Viel eher habe ich ja auch selbst offene Fragen. Meinen Glauben kann ich da nicht wie einen Baseballschläger herum schwingen und damit umhauen, was und wen mir nicht passt.

Und ich sehe auch die neuen “Feuerzeuge”, die mir Lebensglück und Antwort auf meine Fragen versprechen. Einfache Antworten, solche bei denen es kein “vielleicht” gibt. Die sagen: Was machst du dir es denn so schwer mit diesem Ballast? Deine 10 Gebote sind doch alte Kamellen, die vor 3000 Jahren vielleicht ganz sinnvoll waren. Aber heute müssen wir nach Kosten und Nutzen schauen. Das ist doch Unsinn, da so unverrückbar zu sagen: Du sollst nur einen Gott haben, nicht töten und nicht ehebrechen. Wir müssen handlungsfähig bleiben und uns anpassen. Wie sollen wir denn in Sachen Stammzellenforschung vorwärtskommen, wenn Ihr über jeden Embryo Eure schützende Hand legen wollt? Weißt du, wir machen da ja auch Regeln, aber so, dass man sie auch praktisch handhaben kann. – Aber mit diesen biblischen Regeln kannst du uns gestohlen bleiben.

Manchmal kommt mir mein Glaube vor wie ein Streichholz, das ich behüten und schützen muss.

GEDULD

Jetzt haben sie ihr Streichholz schon ein paar Minuten in der Hand … und brennt es schon? Natürlich nicht. Unsere Sicherheitsstreichhölzer, sie es schon über 150 Jahre gibt, entzünden sich nicht einfach so aus Versehen, wenn man sie in der Hand hält, oder an einer Kirchenbank entlang streicht.
Vielmehr warten sie geduldig Monate, vielleicht auch Jahre, bis man sie an der Reibefläche einer Streichholzschachtel entfacht.
Es ist schon enorm: Dem Streichholz scheint es nichts auszumachen, wenn es über lange Zeit nicht zum Einsatz kommt. Mir kommt es so vor als wenn es in aller Gelassenheit in seiner Schachtel ruht und zu sich sagt: “Ich habe Geduld, ich bin jederzeit zum Einsatz bereit. Bis dahin werde ich in meiner Pappkiste warten und sehen, was so auf mich zukommt. Und ich bin neugierig, wofür ich zum Einsatz komme. Was ich anzünden darf und was daraus entsteht”

Ich habe manchmal das Gefühl, dass der Glaube in manchen Menschen auch so in Wartestellung liegt. Da haben sie sich nach der Konfirmation zügig aus der Gemeinde verabschiedet, haben zur Trauung unverbindlich vorbeigeschaut und führen abseits unserer kirchlichen Angebote zufrieden ihr Leben. Das finde ich oft schade, aber ich merke: Das ist auch nicht so einfach zu ändern.

Aber das Bild vom geduldigen Streichholz macht mir da ein bisschen Hoffnung. Immer wieder mal tauchen diese Menschen ja doch mal auf, haben Kontakt mit Kirche, mit Christen, mit Glauben. Reiben sich bildhaft gesprochen an der Schachtel, aus der ihr schlafendes Glaubensstreichholz kommt. Und vielleicht passiert es dann doch einmal, dass es Feuer fängt, dass ihr Glaube zu etwas Lebendigem wird. Das sie als Christen entzündet und ihr Leben hell und warm macht.

POTENZIAL

Und damit sind wir nach der Zerbrechlichkeit und der Geduld bei der dritten herausragenden Eigenschaft des Streichholzes: Seinem ungeheuren Potenzial.
Vorhin haben wir gesungen “Ein Funke kaum zu sehn, entfacht doch helle Flammen”.
Es ist faszinierend und beängstigend zugleich: Ein winziger Funke am Zündkopf des Streichholzes setzt das kleine Hölzchen in Brand, damit entzünde ich das Papier im Ofen und nach einer Viertelstunde bullert der Ofen im Wohnzimmer gemütlich und hält das ganze Haus wohlig warm.
Oder ein Johannisfeuer ist mit seinen Flammen über Kilometer weit zu sehen.
Oder – das gibt es ja auch – ein Haus oder eine Scheune wird zum Raub der Flammen, weil spielende Kinder das Potenzial der kleinen Flamme am Streichholz unterschätzt haben.

Unser christlicher Glaube hat Potenzial! Jesus war es, der damals angefangen hat zu zündeln. “Ich bin gekommen, ein Feuer anzuzünden auf Erden; was wollte ich lieber, als dass es schon brennte!” (Lukas 12, 49) so erklärt Jesus es seinen Jüngern im Evangelium des Lukas.
Da höre ich das Ratschen eines Streichholzes. Jesus als der Funke, der tatsächlich diese Welt glaubensmäßig angesteckt hat. Die Jünger waren die ersten. Erinnern Sie sich an die Pfingsterzählung: Die Jünger waren buchstäblich Feuer und Flamme; denn wieder ist es der Evangelist Lukas, der das Geschehen bildlich mit Flammen beschreibt, die sich auf den Jüngern niederlassen.

Seitdem wird das Feuer von Generation zu Generation weitergegeben. Das Feuer des Glaubens in dem was wir von unseren Eltern und Großeltern vorgelebt bekommen haben und für uns angenommen haben. Ein Feuer, das brennt, und wärmt und antreibt. Auch dazu drängt, davon weiterzusagen.

Zugleich aber auch werden Streichhölzer des Glaubens auch weitergereicht. Da, wo Glaube gerade nicht brennt, sondern erst entfacht werden will.
Das, was Menschen weitererzählen, was in der Bibel zu lesen ist,
was an Traditionen durch die Zeiten weitergereicht wird, das hat weiterhin den Charakter eines kleinen, geduldigen und zerbrechlichen Streichholzes … es kommt nur darauf an, dass wir Menschen uns getrauen, das Feuer des Glaubens in uns selbst entfachen zu lasen.

So wie Jesus es begonnen hatte: Ich bin gekommen, ein Feuer anzuzünden auf Erden; was wollte ich lieber, als dass es schon brennte!
Amen

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