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Predigt: Gott spricht: Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht (Josua 1,5 a) 31. Dezember 2005, Jahreslosung von 2006

Josuajahreslos2006 fühlt sich wie ein König wider Willen. Über Jahre hinweg hatte er als rechte Hand des Mose gewirkt, als es darum ging das Volk Israel aus Ägypten ins gelobte Land zu führen. Er war da, wo man ihn brauchte; führte aus, wozu man ihn beauftragte. Er genoss hohes Ansehen, und genoss auch seine wichtige Aufgabe. Jetzt nach dem jahrelangen Zug durch die Wüsten und Steppen südlich und östlich des Landes Kanaan war es endlich soweit: In wenigen Tagen sollte die Grenze zum gelobten Land, der Jordan, überschritten werden. Jeder freute sich auf den großen Moment – nur Josua hing düsteren Gedanken nach.

Er ahnte, was auf das Volk zukam: Ein mühsamer Kampf um einen Platz auf diesem wunderbaren Landstrich. Gewaltsame Zusammenstöße mit den dort ansässigen Stämmen, die sein Volk Israel als unerwünschte Gäste betrachten. Die Landnahme wird lange dauern. Er wird darum ringen müssen, die Solidarität im Volk aufrecht zu erhalten, wenn die einen schon dabei sind, ihr erkämpftes Stückchen Land zu bebauen, während die anderen noch auf der Suche nach einem freien Tal waren oder gar im blutigen Kampf gegen die Philister stehen.

 

Das alles wäre ja noch zu bewältigen gewesen, wenn nicht gerade Mose gestorben wäre. Jetzt, an der Schwelle zu gelobten Land war er gestorben und hatte kurz zuvor ihn – seinen Helfer Josua – zum neuen Führer ausgerufen.

Nun stand Josua da und mit seinem ungeheuren Respekt vor dieser Aufgabe

– alleine – überfordert – verlassen – ratlos.  Und er fragte sich: Kann ich das? Wird dieses Abenteuer gut gehen?

 

Liebe Gemeinde,

so, wie eben beschrieben, stelle ich mir den biblischen Josua vor, der an diesen heiklen Punkt der Reise des Volkes Israel so viel Verantwortung und damit auch Belastung übertragen bekommt. Vielleicht kam Ihnen manches Gefühl des Josua auch bekannt vor.

~ Vielleicht hatten Sie auch schon einmal den Eindruck, dass Probleme gerade dann auftauchen, wenn man sie am allerwenigsten gebrauchen kann.

~ Oder das unangenehme Gefühl, dass man sich auf eine Herausforderung eingelassen hat, von der man nicht so genau weiß, was daraus wird.

~ Oder das Erlebnis, dass ein Mensch, der einem wichtig war, stirbt und man fragt, wie die eigene Welt es ohne ihn werden wird.

~ Möglicherweise der Eindruck, dass auf einem schwerere Zeiten zukommen, die auch mit persönlichen Einschränkungen verbunden sind.

~ Oder einfach diese schleichende Ungewissheit bei den klassischen Schwellensituationen. Wenn man sich beruflich verändert, man heiratet, die Familie Zuwachs bekommt, oder wenn man einfach ein neues Jahr beginnt.

Bei solchen schwierigen Übergängen kann man schnell die Krise bekommen, sich überfordert und alleingelassen fühlen. Verlassen von Gott und Menschen – allein auf sich gestellt.

Die Jahreslosung für das Jahr 2006, das sind die Worte, die Gott dem Josua in dieser heiklen Situation zuspricht: Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht .(Josua 1,5)  Ein Wort, das eigentlich genau diametral dem Eindruck widerspricht, den Josua von seiner eigenen Situation gewonnen hat.

 

Das ist so ein Moment, wo die frommen Worte, die man hört, scheinbar gar nicht passen: Mitten in der Krise spricht einer von Gottes Treue. Aber so ist es offenbar; dem Josua wird eine Wahrheit zugesagt, die er momentan nicht spürt – und weil er sie nicht spürt, muss man sie ihm sagen. – Wenn er sich sowieso von Gott getragen fühlen würde, müsste man ihn das ja auch nicht extra mitteilen.

 

Liebe Gemeinde,

die Jahreslosung für 2006 ist eine Zusage, die man vor allem da braucht, wo man sich eher verlassen statt geliebt fühlt. Darum möchte ich Ihnen diesen Spruch als Lesezeichen mitgeben – damit er in ihrer Nähe griffbereit bleibt, wenn Sie ihn Sich selber einmal dringend sagen müssten.

Der Künstler Michael Blum hat eine Grafik dazu gestaltet. Sie wirkt recht modern und vielleicht tun Sie sich schwer, das als Gesamtbild wahrzunehmen.

Muss auch nicht sein! Wie wäre es, wenn wir einfach einmal auf die einzelnen Symbole schauen, die hier zu sehen sind?

Sonne und Mond

Ich möchte einmal rechts oben anfangen: Da ist ein Mond zu entdecken. Umgeben von einem Kreis und einigen Punkten … Sterne vielleicht. Etwas weiter links unten finde ich die Sonne, in die ist auch ein Kreis eingezeichnet.

Da geht vieles im Kreis … tatsächlich sind die Kreisbahnen eine grundlegende Eigenschaft der Planeten und Gestirne. Immer wieder geht es im Kreis, in den immer wiederkehrenden Bahnen. Sie hat Gott auch zu Symbolen seiner verlässlichen Fürsorge gemacht. Dem Noah sagte er nach der Flut: “ Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe. Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.”

Dieses Versprechen ist die Grundlage für diese neue Zusage “ Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.”

 

Tropfen in der Schale

Ein weiteres Symbol: Eine Schale am unteren Bildrand, sie fängt die Tropfen auf, die auf sie herabfallen. Ich bin mir nicht sicher, was für Tropfen das sind. Mir ist dazu Psalm 56 eingefallen: Darin klagt David seine Not und sagt: “Gott, sammle meine Tränen in deinen Krug; ohne Zweifel, du zählst sie.”

Es gibt bittere Zeiten, die wir auch nicht schönreden wollen. Aber wir haben einen Gott, der unsere Tränen ernst nimmt, der den Schmerz nicht kleinredet, sondern unsere Tränen sammelt – vielleicht, weil sie auch ihm weh tun.

Hände

Links und rechts von diesen Tränen sehe ich zwei Hände. Hände die sich nach oben strecken, die sich etwas erwarten. Sie sind ein wenig gekrümmt, so dass in die entstehende Wölbung auch etwas hineingelegt werden könnte. Ihnen gegenüber sehe ich die eine Hand Gottes mir dem goldenen Handteller. Freigiebig, ruhig mit lang ausgestreckten Fingern. Vielleicht geht von ihr der Segen aus, den die beiden unteren Hände sehnlichst erwarten.

Und wenn ich nun die Tränen-Tropfen genau ansehe, fällt mir auf: Wenn ich die Tropfenform genau betrachte, bewegen sie sich nach oben? Sind die Tränen auf dem Weg in Gottes Hand, weil er sie zählt, nachdem sie in seinem Krug gesammelt wurden?

Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.” – Das kann heißen: Gott begleitet mich in meiner Traurigkeit, nimmt sich meiner Tränen an und füllt meine Hände mit seinem Segen.

Das Kreuz

Den Hintergrund für dieses Geschehen bildet ein helles Kreuz – nicht für jeden auf Anhieb erkennbar. Wie beim Maler der Hintergrund die notwendige Grundlage ist, so ist Jesus, der Mann am Kreuz, die Basis für das, was hier verheißen wird.

Vieles von dem, was gerade gesagt wurde, ist uralt – und redet von der Geschichte Gottes mit dem Volk Israel. Was haben wir heute damit zu tun?

Jesus ist derjenige, der Gottes Liebe auch zu uns getragen hat.

Er hat gezeigt, dass Gottes Liebe allen Menschen gilt.

Seine Auferstehung hat erwiesen, dass er zu Recht diese Liebe Gottes weiterträgt.

Und als Getaufte sind wir in dieses Geschehen mit hineingenommen.

Er ist für uns die Brücke – er hat uns ein Leben im Vertrauen auf Gott vorgelebt. Im Leben und im Sterben hat er ihm vertraut – und hat erfahren, dass damit sogar die Grenze des Todes zerbrochen werden kann.

 

Liebe Gemeinde,

“ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.” Für Josua am Ufer des Jordans war diese Zusage lebenswichtig und hat ihm ermöglicht, seinen Auftrag zu erfüllen.

Ich wünsche Ihnen, dass diese Zusage auch Ihnen an der Schwelle zum Jahr 2006 Mut macht, dieses Jahr mit allem Guten und Schweren zuversichtlich und mit Gottvertrauen anzugehen.

Amen

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