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Predigt: Alles hat seine Zeit (Kohelet 3, 1-8) 5. Feb 2006

Liebe Gemeinde,

Bruce allmächtig”

Bruce Nolan hat es eigentlich ganz gut: Er ist Mitarbeiter einer Fernsehstation in seiner Heimatstadt Buffalo und ist täglich mit einem Kamerateam unterwegs um kleine humorvolle Beiträge für die Lokalnachrichten aufzunehmen. Daheim wartet seine langjährige Lebensgefährtin Grace abends auf ihn.

Aber Bruce ist nicht zufrieden mit seinem Leben, er wartet auf seine große Chance, endlich irgendwann zum Hauptnachrichtensprecher aufzusteigen. Herauszukommen aus der Rolle des kleinen, nicht ernstgenommenen Fernsehkaspers. Und als dann endlich die Traumstelle frei wird, bekommt sein ärgster Konkurrent diesen Posten. Bruce kocht vor Wut und Verzweiflung. Er macht seinem Gott Vorwürfe:

“Gott ignoriert mich voll und ganz. Er ist nur beschäftigt, anderen ihre Wünsche zu erfüllen. Gott ist ein fieses Kind, das mit einem Brennglas auf einem Ameisenhaufen hockt und ich bin die Ameise. Er könnte mein Leben in 5 Minuten in Ordnung bringen, aber statt dessen verbrennt er mir lieber die Fühler”.

So beginnt der Kinofilm “Bruce allmächtig”, der 2003 in den Kinos zu sehen war. Darin fordert Bruce Gott zu Duell heraus – und der nimmt an: Indem er ihm die eigene Allmacht überträgt. Aus Bruce wird “Bruce allmächtig” – Zwar kann er sich den langgehegten Wunsch Hauptnachrichtensprecher zu werden so erfüllen, dennoch fällt Bruce nach anfänglichen Erfolgen gewaltig auf die Nase.

Er spürt: Allein dadurch, dass er alles so verändern kann, wie er es gerne hätte, wird weder die Welt noch sein eigenes Leben besser. Es kommt darauf an, zu erkennen, wann der rechte Zeitpunkt gekommen ist ein Wunder zu tun, Gebete zu erhören oder das Wetter zu verändern.

Am Ende des Films kehrt Bruce freiwillig zurück in sein bisheriges Leben. Er hat gemerkt:

Es war für ihn nicht dran, Nachrichtenstar zu werden. Was wirklich dran war, war etwas anderes: Zu lernen, mit dem glücklich zu werden, was er hat, und seiner Freundin Grace vorm Altar endlich das Jawort zu sagen.

Der Predigttext

Liebe Gemeinde,

was ist dran? Muss immer alles möglich sein?

Unser Predigttext aus dem Buch Prediger Salomo hat seine eigene Art, Antwort zu geben: (Prediger 3, 1-8)

 

Ein  jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde:

geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit;

pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit;

töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit;

abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit;

weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit;

klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit;

Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit;

herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit;

suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit;

behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit;

zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit;

schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit;

lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit;

Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit.

 

Soweit die Worte aus dem Buch Prediger.

Wenn etwas “dran” ist

Alles hat seine Zeit – anscheinend auch wirklich alles. Vom Lieben übers Bauen, ans Herz drücken, Verlieren bis zum Töten … eine erstaunliche Behauptung, dass es sogar hierfür eine eigene Zeit gibt.

Diese Zeilen klingen beim Lesen, angenehm ruhig, bedächtig, alles scheint im Rhythmus dieser Verse seinen Platz haben.

Aber ich glaube: So einfach ist es nicht.

 

Was bedeutet es denn, wenn Zeit ist zum …. (was weiß ich)?

Wer bestimmt es und wer weiß es, wozu es jetzt die Zeit ist?

Bruce Nolan aus dem Kinofilm, hat ja auch gedacht, was an der Zeit ist; nämlich Nachrichtenchef zu werden …. gewinnen hat seine Zeit, so dachte er. Aber in Wahrheit war für ihn loslassen an der Zeit.

 

Wir wissen nicht, wer der Verfasser des Predigerbuches war; vielleicht so einer vom Schlage des Bruce Nolan. Der im hohen Alter zurückblickt und seinen Nachkommen etwas weitergeben will:

 

Mein Sohn, ich glaube es gibt im Leben immer wieder Momente, das ist etwas an der Zeit; da ist etwas “dran”.

Die Zeit zum lieben oder zum weinen, zum klagen oder zum streiten.

Und du spürst in dir, dass du versuchen willst, zu tun, was jetzt dran ist.

Vielleicht ist es dann tatsächlich so, und du wirst das Richtige tun.

Vielleicht hast du dich aber getäuscht – so wie ich damals – und dein Vorhaben wird dir nicht gelingen, weil Gott sagt: Halt, dazu ist es nicht an der Zeit.

Und du wirst es nie genau wissen, weil Gott das Geheimnis seines Plans mit dir weiter gehütet hält.

 

Zeit für Dinge, die geschehen

Es ist nicht einfach!

In den Zeilen des Predigers entdecke ich Dinge, die haben ihre Zeit, und dann werden sie kommen – ob ich will oder nicht:

Geboren werden, sterben, weinen,  lachen und auch das verlieren von Dingen  hat seine Zeit – da kann ich fast nichts dazu. Es ereignet sich einfach. Der Moment, in dem ich sterbe, oder die Situation, in der ich etwas verliere – da gibt es nicht den “rechten Moment”, auf den ich warten könnte. Sondern diese Zeit kommt, und dann geschieht das, wozu dieser Moment bestimmt ist.

Da kann ich nichts dazu oder dagegen unternehmen. Und ich spüre: Ich habe beileibe viel Wichtiges im Leben nicht selbst in der Hand.

Zeit für Dinge, die getan werden müssen

Aber das ist nicht alles. In der Betrachtung der Zeilen aus dem Predigerbuch entdecke ich auch den Aufruf, im richtigen Moment das richtige zu tun.

Pflanzen, Bauen, Reden, Streiten, Zerreißen und Töten. Es gibt Momente, das ist eine dieser Handlungen dran. Das passiert nicht einfach, wie das geboren werden; sondern da ist mein Handeln gefragt. Und damit auch die Verantwortung, die ich für dieses Handeln übernehmen muss!

Es kann dran sein, dem Anderen einmal die Meinung zu geigen.

Es kann der Moment kommen, in dem man viel, vielleicht alles investiert, um etwas Neues aufzubauen.

Es kann die Zeit gekommen sein, in der man eine Freundschaft beendet – oder in der man endlich Frieden schließt.

Und hier steht auch, dass es eine Zeit geben kann, in der das Töten dran ist – auch wenn mir selbst schaudert, wenn ich das ausspreche.

 

Beispiel: Dietrich Bonhoeffer

Dietrich Bonhoeffer, dessen 100. Geburtstag gestern war, hat sich während der Nazi-Diktatur in so einer Zeit empfunden. Er hat mit sich selbst und mit anderen gerungen: Ist- angesichts der systematischen Vernichtung der Juden und des Kriegswahnsinns unter Hitlers Führung – die Zeit gekommen zum Handeln … statt lediglich zu reden?

Er kam für sich zur Erkenntnis: Das Reden hat seine Zeit und das Handeln hat seine Zeit. Auch das Töten eines Tyrannen hat seine Zeit.

Er hat – wie auch andere – für sich entschieden: Es ist die Zeit, in der es geboten ist, Widerstand zu leisten, auch indem man menschliche Gesetze und biblische Gebote übertritt und damit Schuld auf sich lädt oder selbst zu Tode kommt.

Ob es wirklich die Zeit dazu war, können wir nicht beurteilen. Auch das Scheitern der Attentate auf Hitler sagt nichts darüber aus, ob es die Zeit dazu war. So gab es ja auch Propheten, die gepredigt haben, weil es dazu Zeit war, schließlich waren sie von Gott beauftragt, und doch war ihre Rede vergeblich.

Wir kennen Gottes Pläne nicht, und doch haben wir als Christen den Auftrag, das, was wir tun, mit Gelassenheit, mit  Bedacht und zugleich Entschlossenheit zu tun.

Entschlossen …  da, wo wir erkennen, dass es Zeit ist zu handeln, Herausforderndes oder auch Unangenehmes zu tun

Mit Bedacht … weil wir Gott nicht in die Karten sehen können, und vor Fehleinschätzungen nicht gefeit sind.

Mit Gelassenheit.. weil für mache Dinge die Zeit einfach kommt, und manches – wohl auch mit Gottes Hilfe – einfach so geschieht

Amen

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