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Predigt: Der Lebensweg des Olivenbaumes (Jeremia 17, 7-8) 28. Juni 2009, Goldene und Diamantene Konfirmation 2009

Liebe Jubel-Konfirmanden,goldbaum

hier im Taufstein steht ein Olivenbaum. Genauer gesagt ein Olivenbäumchen, ein kleiner ganz junger Baum, der noch viele Jahre vor sich hat, bis aus ihm ein vernünftiger Olivenbaum geworden ist.

Der Lebensweg des Olivenbaumes

Der Olivenbaum ist eine typische Pflanze für den Mittelmeerraum. Auch in Israel stehen sie, und stehen da seit Jahrtausenden; haben die Menschen dort und ihre Kultur geprägt. Wenn Jesus oder ein biblischer Prophet vom Baum spricht, dann hatte er meist den Olivenbaum als Anschauungsobjekt in Sichtweite. Der Olivenbaum wächst als properes gerades Bäumchen heran. Lässt sich Zeit beim wachsen, braucht viele Jahre, bis die ersten Oliven zu ernten sind. Auch wenn er robust ist und Trockenheit und große Hitze gut übersteht, geht Wind und Wetter nicht spurlos an ihm vorüber. Je älter er wird, umso deutlicher ist ihm das anzusehen. Er verwächst sich zu einem dicken, knorrigen Stamm. Oft ist steht er bedenklich schräg in der Landschaft, vom dauernden Westwind in die Schräglage gedrückt. Aber doch fällt er nicht um. Manche Ölbäume scheinen seltsam verdreht, fast wie ein Korkenzieher; als hätte eine böse Laune der Natur sie innerhalb ihres Baumlebens einmal um die eigene Achse gedreht.Und doch strahlen sie eine gro ße Ruhe aus, und eine Würde, tragen sie doch auch nach vielen Jahren immer noch ihre Früchte.

Der Olivenbaum – eine Pflanze, die langsam wächst, über einen langen Zeitraum Früchte bringt. Die die Spuren ihres Alterns nicht versteckt, der man ansieht, das ihr Leben nicht immer einfach war. An der man als Mensch mit Bewunderung und Respekt vorbeigeht, weil der Baum  durch die vielen Jahrzehnte zum unverwechselbaren Original geworden ist.

Blick auf die „gewordenen Jahre”

Da wundert es nicht, wenn die Bibel immer wieder den Baum als Bild für den Menschen und sein Leben heranzieht.
Vor 50, vor 60 Jahren standen Sie hier als gr üne Konfirmandinnen und Konfirmanden. Jung, klein, als hoffnungsvolle Pflänzchen. Da war noch nicht viel passiert, manches konnte man vielleicht ahnen: Ihre Eltern, Verwandten, wohl auch der Pfarrer haben gewusst, dass sie alle ganz unterschiedlich waren. Mit verschiedenen Begabungen, Fähigkeiten und Interessen ausgestattet. Manch einer hat vielleicht gehofft oder geahnt, wo sich einmal etwas Besonderes entwickeln könnte, oder wo Hürden und Fallen zu befürchten waren.
Aber das Leben hat dann doch seine eigenen Überraschungen für Sie parat gehabt.

An solchen Jahrestagen wie der Goldenen oder Diamantenen Konfirmation wirft man dann doch einmal einen Blick zurück auf die vergangenen Jahre. Und es dauert nicht lange, bis dabei im Kopf die Bilder aufsteigen, die das eigene Leben geprägt haben:
Die großen Feste, Hochzeiten Kindstaufen, Jubiläen.
Höhepunkte des Lebens, die guten Zeiten, die fetten Jahre. Phasen, die im Rückblick wirklich  erfreulich und gesegnet waren – obwohl man damals das als ganz normal angesehen hat und sich über Kleinigkeiten aufregte.
Die Bilder der düsteren Zeiten, sie kommen manchmal noch schneller als die der guten Zeiten in unsere Erinnerung. Schicksalsschläge, Abschiede, Durststrecken und Krisen. Phasen, die manchen böse in Schleudern gebracht haben, ins Zweifeln und Verzweifeln.
Zeiten, die Spuren im Leben hinterlassen. Sichtbare und umsichtbare.
Ereignisse, nach denen man nicht mehr der gleiche ist, wie zuvor.
Naja, und da sind dann auch die blassen Bilder der vielen Jahre in denen eben alles seinen geregelten Gang lief, ebenmäßig ohne Aufregung. Aber im Rückblick sind diese Jahre wie im Flug vergangen, und jetzt sieht man sich hier in der Kirche und stellt fest: Mensch, jetzt ist es schon ein halbes Jahrhundert her, dass du hier Konfirmation gefeiert hast.

So wird man zum Baum, der doch seine ganz eigenen Wuchs entwickelt hat, hier und da Spuren der Jahre trägt, Aber zugleich weiß, dass er viel Früchte gebracht hat, in seinem Leben Dinge bewegt, Menschen beschenkt, Liebe empfangen hat und weitergegeben.

Jeremias Bild vom Menschenbaum, der sich auf Gott verlässt

Gesegnet aber ist der Mensch, der sich auf den HERRN verlässt und dessen Zuversicht der HERR ist. Der ist wie ein Baum, am Wasser gepflanzt, der seine Wurzeln zum Bach hin streckt. Denn obgleich die Hitze kommt, fürchtet er sich doch nicht, sondern seine Blätter bleiben grün; und er sorgt sich nicht, wenn ein dürres Jahr kommt, sondern bringt ohne Aufhören Früchte. Jeremia 17, 7-8

Der Prophet Jeremia vergleicht den Menschen mit einem Baum und fragt eigentlich nur nach einem: „Wo hat der Baum, seine Wurzeln?” Das ist ihm ganz wichtig. Denn wenn der Baum seine Wurzeln am Wasser hat, dann kann die Hitze und die Dürre kommen, dann steht er das durch. Dann kann der Wind pfeifen wie er will, er kann rütteln, ihn verdrehen, in Schieflage bringen –  aber letztlich übersteht der Baum auch das.
„Wo hast du deine Wurzeln?” – Was ist der Punkt, an dem ich mit meinem innersten festgewachsen bin?
Jeremia stellt fest: Der ist gesegnet, dem geht es gut, der sich auf Gott verlässt und seine Hoffnung auf ihn setzt – der seine Wurzeln im Glauben hat.

Durch die Wurzeln strömt die Kraft zu mir und sie gibt mir Halt

Diese Lebenswurzel liefert auch im übertragenen Sinn, was man zum Leben benötigt. Viele Menschen erleben ihren Glauben als Kraftquelle . In ganz unterschiedlichen Weisen. Manche merken, wie gut es ihnen tut, dass sie sich seit ihrer Kindheit und Jugend ein Urvertrauen erhalten haben. Die innere Gewissheit, dass Gott es gut mit ihnen meint. Die positive Lebenseinstellung, die daraus resultiert, ist nicht mit Gold aufzuwiegen. Nicht bei jeder Veränderung oder Entscheidung ängstlich zu zaudern, sondern mit Vertrauen auf Gottes Begleitung nach vorne zu gehen.
Natürlich ist das keine Garantie, dass alles gelingt. Aber ohne das nötige Vertrauen in die Zukunft wird jeder Lebensschritt unsicher und fällt einem schwer. Mit der Zuversicht des Gottvertrauens fällt uns vieles leichter. Gehen wir mit mehr Energie in den kommenden Tag.

Überhaupt: Es bleibt uns ja oft ein Rätsel, woher wir unsere Kraft bekommen. “Ich weiß selber nicht, wie ich das damals geschafft habe” – solche Sätze kennen viele von ihnen. Als Pfarrer höre ich sie auch immer wieder. Unter ihnen sind treue Kirchgänger genauso wie Leute, die man nur ein paar mal pro Jahr hier sieht. Und oft gibts da noch einen zweiten Satz: “Ich weiß nicht, was ich gemacht hätte, wenn ich den Glauben nicht gehabt hätte.”
Da gibt es etwas zwischen Himmel und Erde, das sich auch in einer Predigt nicht leicht erkl ären lässt. Aber doch passiert es: Da sind Menschen, die in großen Herausforderungen aus dem Glauben an Gott besondere Kraft beziehen. Und eben mehr, als man durch bloße Psychologie erklären könnte.

Wahrscheinlich geht es dabei außer um Lebenskraft auch um den Halt, den der Glaube einem verleihen kann. So wie eine Wurzel. Sie haben es ja am eigenen Leib gespürt, wie sich unsere Welt innerhalb weniger Jahrzehnte immer schneller verändert, eine kurzlebige Mode von der nächsten gejagt wird.
Da ist es was wert, wenn man einen Standpunkt hat, der in diesem Strom der Zeiten wie ein Fels steht. Etwas, woran man sich festhalten kann, einen, an dem man sich klammen kann; ja, auch einen der einen selber festhält, wenn mir selbst die Kraft dazu fehlt.
Auch wenn man gebeutelt wird, wie ein Baum im Herbststurm: Wer einen festen Standpunkt hat, der kann vielem trotzen. Weil ja doch immer wieder sonnigere Zeiten auf einen warten, in dem man wieder aufatmen kann, weiter wachsen und Früchte bringen kann.

 

Liebe Jubel-Konfirmanden,

ich hoffe, sie haben in einigen, was ich gesagt habe, sich auch wiederfinden können. Sie alle haben unterschiedliche Biographien. Der eine empfindet sich eher als Baum, der im besten Alter seien wahre Größe sehen lässt; ein anderer sieht in sich eher wie der vom Unwettern gezeichneten Olivenbaum, dem das Leben vieles nicht erspart hat.

Doch beiden gilt das, was Jeremia gesagt hat:

Gesegnet aber ist der Mensch, der sich auf den HERRN verlässt und dessen Zuversicht der HERR ist. Der ist wie ein Baum, am Wasser gepflanzt, der seine Wurzeln zum Bach hin streckt. Denn obgleich die Hitze kommt, fürchtet er sich doch nicht, sondern seine Blätter bleiben grün; und er sorgt sich nicht, wenn ein dürres Jahr kommt, sondern bringt ohne Aufhören Früchte

Amen

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