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Predigt: Christus spricht: Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich.” (Johannes 14,1) 31. Dezember 2009, Jahreslosung 2010

Das Unbekannte lässt mich erschauern

Es gibt Krimis – die setzen Maßstäbe für Jahrzehnte. Die alten Schwarzweißfilme nach den Drehbüchern von Edgar Wallace zum Beispiel. Es ist ja bis heute ein Genuss, diese alten Streifen anzusehen.
Perfekt ist dort das Spiel mit der Spannung – immer wieder gibt es diese Szenen: Es ist Nacht, man sieht nur einen Ausschnitt eines kaum beleuchteten Zimmers, ein Vorhang bewegt sich leicht und verräterisch im Windzug. Eine Tür fällt irgendwo ins Schloss – man hört das Knarzen einer Diele – aber man erkennt kaum etwas. Aber man spürt förmlich die Gefahr , wird bei Zusehen kurzatmiger, richtet sich vom Sofa auf, man muss ja auf dem Sprung sein, wenn jetzt …. ja wenn jetzt …

Das ist die Kunst dieser Filme, wenn die Nerven zum zerreißen gespannt sind, weil man weiß, dass etwas passiert, obwohl man ja deutlich vor Augen hat, dass eigentlich nichts passiert! Ein Vorhang wackelt, eine Eule hat geschrien, eine Kerze wurde aufgeweht.
Zu wissen: Es kommt sicher etwas  – aber nicht den Hauch einer Ahnung zu haben, was da kommt: Freund oder Feind? Rettung oder Verderben?

 

Liebe Gemeinde,
der Jahreswechsel hat mit so einem Krimi eine gewisse Ähnlichkeit:
Wir wissen ja wirklich nicht, was kommt. Natürlich haben wir Routine mit Silvester und Neujahr – das neue Jahr steht nicht unerwartet nach dem 31 Dezember vor der Türe – aber was sich hinter dieser Türe verbirgt ist ein Geheimnis. Ist das neue Jahr letztlich mein Freund oder mein Feind?
Vor einem Jahr gingen wir Gollhöfer sehr nüchtern ins neue Jahr 2009. Der Tod von Kurt P. hat viele geschockt und nachdenklich gemacht. Meine Silvesterpredigt kam nicht drum herum, diese Situation und die wirtschaftliche Lage der Nation aufzugreifen. „2009 – mehr als nur schlechte Aussichten”, das war die Überschrift damals. Aber dass es dann so kommen sollte, dass einige weitere tragische Ereignisse das ganze Dorf in ein sehr nachdenkliches Jahr 2009 stürzen würde, so etwas war nicht zu erahnen.
Was wird da kommen, im neuen Jahr 2010. Gehts aufwärts, oder kommt da nochmal was nach? Wir wissens nicht, und weil wir gemerkt haben, was alles kommen kann, beginnt Mancher das neue Jahr vielleicht mit etwas größerer Skepsis als bisher.

Die Jahreslosung

Die Jahreslosung für das Jahr 2010 ist ein Satz, den Jesus seinen Jüngern sagte, als auch sie spürten: Das kommt was, es verändert sich etwas.  Hie und da ein Schatten, ein bewegter Vorhang, das Gefühl: „Da braut sich etwas zusammen, rund um unseren Herrn. Was kommt da nur auf uns zu?”
In mehreren Reden bereitet Jesus seine Nachfolger auf das vor, was nach Karfreitag und Ostern kommen wird. Er beschreibt nicht genau was kommt, aber sie merken, es ist eine große Veränderung, und es klingt nicht so, als wäre alles ganz einfach, zu bewältigen, was uns da erwartet.
Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich. Mehrfach fällt dieser Satz in Jesu Reden in jener Zeit. Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich.
Mir kommt es ein Stück weit vor, als wenn Jesus versuchen würde, den Blickwinkel der Jünger zu verändern: Weg von dem Unheimlich-Unbekannten der Zukunft, hin zu dem, den sie schon lange kennen; nämlich den Herrn, der Sie begleitet.

„Glaubt an mich” heißt: Vertraut mir.
Glauben – ja dieses Wort spielt uns ja bisweilen einen Streich, weil wiŕs so gerne vereinfacht verwenden. Wenn mal wieder ein Schüler mich fragt „Herr Seidel, glauben sie wirklich an Gott?”, dann will der oft genug einfach wissen, ob ich denn denke, dass es diesen Gott wirklich gibt. – Vielleicht tut er sich momentan ein bisschen schwer damit.
Aber mit dieser Bedeutung haben wir das Wort „glauben” ja gerade mal ein bisschen angeschnitten. Denn an Gott als höheres Schöpferwesen zu glauben ist meines Erachtens ja wirklich kein besonderes Kunststück. Viel herausfordernder wirds, wenn wir den Begriff in seiner grundlegenden Bedeutung nehmen – und so müssen wir auch Jesus hier verstehen:
Glaubt an Gott und glaubt an mich – es geht nicht ums glauben, dass es Gott Vater und Sohn gibt. Die Frage ist, dass ich mich mit meinem Leben an ihnen orientiere – ihnen vertraue – davon ausgehe, dass Sie für mich da sind und ich mich mit ihnen verbunden weiß.

Glauben als das grundsätzlich Festhalten an Gott – auch gegen die eigenen Zweifel und Unsicherheiten.Lass dich nicht von den wackelnden Vorhängen der Weltgeschichte irre machen, erzittere nicht beim jeden Ächzen deiner älter werdenden Knochen – schau mit Vertrauen in die Zukunft und mach dich nicht verrückt. Vertraue auf Gottes Hilfe. – So könnte man diese Jahreslosung für 2010 auch übersetzen.

Sicherheit

Aber kann man sich auf so eine Zusage so richtig verlassen? Wir wissen ja auch um Dinge, die wir nicht verstehen und Erfahrungen, bei denen wir vergeblich danach suchen, die Handschrift eines „lieben Gottes” zu entdecken.
Vor einer Woche, am Heiligen Abend, haben die KiGo-Kinder im Krippenspiel ein Lied gesungen, das mich ein bisschen nachdenklich gemacht hat. „Ich bin sicher an der Hand des Vaters, ich bin sicher in Gottes Hand. Bei Gott ist alles sicher, weil er hält, was er verspricht ..” So lautete der Refrain.
Ich bin sicher … – kann man das so einfach singen? Wir wissen ja, wie wenig im Leben wirklich sicher ist. Dass es schnell unerwartet aufwärts oder abwärts gehen kann. Vieles im Leben erscheint für uns unvorhersehbar.
Kann man da Kinder singen lassen „Ich bin sicher an der Hand des Vaters?”
Muss man da nicht auch in gewisser Hinsicht einschränken: Ja, das bedeutet aber nicht, dass dir im Leben alles gelingt und du vor allen Umgemach verschon bleibst? – Vielleicht als korrigierenden Vers?

Aber ich hab mir dann überlegt: Wie machst du es denn mit deinen eigenen Kindern, wenn du sie bei der Hand nimmst und mit ihnen unterwegs bist? Wenn da ein Hund kommt, oder die Autos recht rasant vorbeifahren?
Da sage ich ja auch nicht: „Du, ich muss dir sagen, dass ich zwar da bin, aber gegen bestimmte Einflüsse kann ich auch nichts machen, also verlasse dich nicht zu sehr auf mich! Es kann trotzdem was schlimmes passieren.” Meine Maria würde mich anschauen und überhaupt nicht verstehen, was ich will.
Es geht ihr nicht um eine abstrakte Sicherheit vor irgendwelchen unvermeidlich hereinbrechenden Ereignissen – sondern sie will, dass ich da bin, dass ich sie nicht loslasse und ihr damit Geborgenheit und Vertrauen in die aktuelle Situation vermittle. Sie weiß, ich bin da, ich werde für die da sein, sie beschützen, wie es nur irgend geht, aber ich bin auch da, um die in den Arm zu nehmen und zu trösten, wenn sie auf die Nase gefallen ist.

Liebe Gemeinde,
Vertrauen in Leben, Vertrauen in ein neues Jahr wächst da, wo ich mich gut aufgehoben fühle, wo ich jemanden habe, bei dem ich spüre: Er ist für mich da, in allen Lebenslagen. Das verleiht Ruhe und Sicherheit – auch wenn man weiß, dass im Leben nie etwas „sicher” ist. In wünsche Ihnen, ein gutes Jahr an der Hand Gottes – dass sie selber erleben, was Jesus meint, wenn er sagt: Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich.

Amen

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