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Predigt: Damit ihr Hoffnung habt (2. Kor 3,12) 9. Mai 2010

AmBild: Dieter Schütz/Pixelio.de Beispiel einer Szene aus „Wer wird Millionär“ geht es darum welche Kraft und Macht Hoffnung im Leben eines Menschen entfalten kann.

 

Szene bei „Wer wird Millionär”

Da sitzen sie zusammen im Backstage-Bereich, die Kandidaten zu „Wer wird Millionär”. Nervös sind sie alle. In 20 Minuten beginnt die Aufzeichnung.  Frau Friedrichs trinkt die fünfte Tasse Kaffe an diesen Nachmittag, sie will ja topfit sein für die Auswahlrunde, bei der es um Sekundebruchteile geht, wenn man Begriffe in die richtige Reihenfolge bringen muss. Und nur der Schnellste kommt in die Mitte und darf mit Günther Jauch ums große Geld spielen. Herr Morchat sitzt mit geschlossenen Augen im Schneidersitz in der Ecke auf dem Fußboden. Er meditiert … so will er durch große Gelassenheit den Sieg erringen. Friedemann Walter blättert im aktuellen Kölner Tagblatt, es könnte ja sein, dass eine tagesaktuelle Frage kommt, und da will er auf alles vorbereitet sein.

Ja, und da ist Sabine Schiller: Sie sitzt locker auf einem der blauen Sessel und erzählt einer Mit-Kandidatin davon, was sie mit dem gewonnenen Geld machen will: „Ja, wissen sie, ich spiele ja auf jeden Fall nur bis zur Frage 14. Mir reichen die 500.000 Euro . Davon bezahlen wir zunächst das Haus, das wir uns nun ausgesucht haben. Mein Mann und ich haben ja gleich, nachdem ich zur Quizshow eingeladen wurde, uns nach einem schönen Haus umgesehen; und wirklich ein ganz hübsches entdeckt. 380.000 Euro kostet es. Vom restlichen Geld legen wir das meiste auf die hohe Kante. Ein Urlaub und ein neues Auto leisten wir uns trotzdem auf jeden Fall. Ja, und der Telefonjoker, falls ich ihn brauchen sollte, der bekommt auch einen Teil, 5000 Euro hab ich ihm versprochen. Das ist genau 1% von Gewinn , den ich erreichen will – das ist für beide Seiten ein gutes Geschäft. Oder?”

Liebe Gemeinde,

so eine Zuversicht wie Sabine Schiller möchte ich auch mal haben. Die ist ja voller Hoffnung, dass sie das schafft – da gibts nicht den Hauch eines Zweifels, dass ihr Projekt „Wer wird Millionär” schief gehen könnte. Die besichtigt das neue Haus noch bevor sie die halbe Million, die sich dazu braucht, auch gewonnen hat.
Ist das vielleicht ein Zuviel an Hoffnung? Übertriebene Zuversicht?

Hoffnung und sogenannte Realitäten

Vielleicht sind wir gegenüber einer Sabine Schiller deshalb so skeptisch, weil wir im Alltag eher genau am Gegenteil leiden: Ein Zuwenig an Hoffnung, ein Defizit an Zuversicht, gepaart mit einer Überdosis Skepsis.
Kann es sein, dass wir manchmal richtige Künstler sind, wenn es darum geht anderen die Hoffnung zu nehmen? Ich wüsste schon, wie ich diese Frau Schiller kurieren könnte:
„Ja, haben sie daran gedacht, dass nur jeder sechste Kandidat es im Studio überhaupt auf den Stuhl in der Mitte schafft? Und ist ihnen bewusst, dass im Schnitt ein Kandidat nicht mal mit einem Zehntel ihres Wunschgewinns heimgehen muss? Von den fast 2000 Kandidaten haben es gerade mal 55 so weit geschafft, wie sie wollen – und die waren, entschuldigen sie meine direkte Art, aus einem ganz anderen Holz geschnitzt als sie!”

Klar, man muss die Frau mit den Realitäten konfrontieren. Sie kann ja nicht einfach mir nichts dir nichts hoffen, zu gewinnen. Wir Menschen rechnen gerne mit etwas handfestem, etwas verlässlich-beweisbaren. Einfach eine diffus-wabbelige Hoffnung; damit geben wir uns ungerne zufrieden. Wer einfach hofft, ohne substantiellen Grund, der ist ein Phantast, der fällt auf Illusionen herein, dem ist nicht zu helfen.

Hoffnung ist manchmal das einzige, was wir haben

Szenenwechsel:
Wieder sind die Sessel blau, aber diesmal sitzen wir nicht im Fernsehstudio, sondern im Vorraum der Intensivstation.
Ganz blass kommt mir eine Bekannte entgehen; hat noch den grünen Kittel an, den die Besucher dort tragen müssen. Die Augen sind rot verheult.
Der Doktor hat gesagt: „Da können wir nur noch hoffen und beten.“ Die wissen selber nicht, ob er die nächsten 24 Stunden überlebt.
Ich nicke nur, sage nichts, verkneife mir eine Antwort, weil ich weiß, das es gerade keine richtigen Worte gibt, und stumm gehen wir durch die Klinik bis zum Parkplatz.
Erst da sagt sie einen zweiten Satz: „Aber immerhin … immerhin lebt er noch. Wir können ja noch hoffen und beten – oder? Weißt du, wenn er bei dem Herzinfarkt gleich gestorben wäre, dann wäre ja alles hoffnungslos. Dann hätte ich ja gar nichts mehr. Aber so hab ich ja noch Grund zur Hoffnung“.
Liebe Gemeinde,
vielleicht ist Hoffnung doch mehr als nur die mathematische Summe von Wahrscheinlichkeiten.
Hoffnung als das, was uns Menschen von der Maschine unterscheidet.
Hoffnung als die Lichtquelle, wenn es eigentlich ganz dunkel scheint.
Hoffnung ist das, was sich von den angeblichen Realitäten nicht beeindrucken lässt, sondern auch einmal über den Tellerrand der Verzweiflung hinwegschaut.

Wer in den dunklen Stunden seines Lebens es schafft, wieder Hoffnung zu fassen, der bekommt damit eine ganz besondere Taschenlampe in die Hand gedrückt.
Wer sich Hoffnung bewahrt, obwohl die Lage schwierig ist, der hat eine Energiequelle angezapft, die ihm helfen kann, auch große Hindernisse zu überwinden.
Ich glaube dass wir die Macht der Hoffnung oft unterschätzen, und damit manchmal ein wichtiges Potential unseres Lebens lahmlegen.

Hoffnung braucht einen Grund

Warum eigentlich? Warum wird Hoffnung so oft im Leben elimiert – ausgeschlossen und nicht ernst genommen? Ich denke: Das hat durchaus legitime Gründe. Denn Hoffnung ist kein Zaubermittel; kein Mantra, das uns überirdische Kräfte gibt, allein weil wir ohne Unterbrechung von Hoffnung schwafeln. Dann wäre Hoffnung nämlich eine leere Chiffre – ein riesiger Selbstbetrug: Wir reden von Hoffnung so, wie Andere in dunklen Keller ein Liedchen pfeifen um die Angst zu vertreiben. Wir machen uns dann was vor, vielleicht so, wie Sabine Schiller, die bei „wer wird Millionär” einen auf Hoffnung macht – aber in Wirklichkeit ist sie nicht die hellste Leuchte und kommt letztlich nicht auf den Stuhl bei Günther Jauch – weil sie schon bei der Auswahlfrage jedesmal danebentippt.

Hoffnung braucht eine Grundlage, eine Basis, auf die sie sich gründen kann. Ich bin der festen Überzeugung: Erst wenn ich meine Hoffnung im Glauben an Gott gründen kann, ist diese Hoffnung mehr als bloßes positives Denken. Wenn ich mir bewusst bin, dass diese Welt letztlich von Gott gehalten wird und er in ihr handeln kann, habe ich einen wirklich substantiellen Grund für meine Hoffnung. Es ist ein gewaltiger Unterschied: Ob ich halt hoffe, dass es besser wird, weil das „Prinzip Hoffnung” einfach ganz sinnvoll erscheint. Ober ob ich darauf hoffe, dass Gott handelt, er mir hilft, er mir neue Wege zeigt und Türen öffnet. Dann kann ich nicht nur hoffen, sondern auch beten, spüre, dass ich nicht so wehrlos meinem Schicksal ausgeliefert bin.
Mit Gott an meiner Seite kann ich dann auch hoffen, wo es eigentlich hoffnungslos erscheint.

So wie einst zwei Jünger von Jesus, die drei Tage nach seiner Kreuzigung völlig verzweifelt von Jerusalem nach Emmaus wanderten. Wahrscheinlich ein Frust-Spaziergang, weil sie es vor lauter Enttäuschung und Hoffnungslosigkeit nicht mehr daheim ausgehalten hatten. Sie treffen einen Fremden, erzählen ihm, was alles passiert ist – auch das mit dem Tod Jesu. Und dann sagte einer der beiden: „Weißt du, eigentlich haben wir ja gehofft, dass Jesus der Retter sein könnte”.
„Wir haben gehofft” – das ist die Vergangenheitsform; die beiden waren schon dabei, sich von der Hoffnung zu verabschieden. Wahrscheinlich haben sie deshalb auch den Frauen nicht so recht geglaubt, die am Sonntagmorgen am Grab waren, und erzählt haben, Jesus würde leben.
Die haben die Hoffnung sausen lassen, Gott nichts mehr zugetraut, und abwärts gings in so einen depressiven Abgrund.
Ganz behutsam erklärt ihnen dieser Fremde, dass das ja alles so kommen musste, mit der Verhaftung Jesu, seiner Kreuzigung und auch seiner Auferstehung. Allmählich verstehen sie, dass das schreckliche Geschehen von Karfreitag kein Versagen Gottes war, sondern ein wichtiger Schritt in seinem Plan mit der Menschheit. Und so langsam fassen sie wieder Vertrauen, die Hoffnung gewinnt wieder Platz in ihrem Herzen – und sie erkennen, dass dieser Fremde in Wirklichkeit Jesus war.

Liebe Gemeinde,

manchmal wird unsere Hoffnung und unser Vertrauen auch auf die Probe gestellt – da kann man gewaltig ins Schleudern kommen. Dann ist es gut, wenn man weiß, dass Gott einen nicht alleine lässt.
Wie hat die Frau auf dem Krankenhaus-Parkplatz gesagt: „Wir können ja noch hoffen und beten” – Wenn wir Gott vertrauen, dann haben wir auch immer einen Grund zur Hoffnung.

 

Amen

Bild oben: Dieter Schütz/Pixelio.de

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