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Predigt: Oben und Unten (Joh 13, 1-20) Gründonnerstag, 17. April 2014

gruendonnerstag2014Thema ist die Fußwaschung Jesu im Johannesveangelium. Indem Jesus seinen Jüngern die Füße wäscht, vertauscht er unsere menschlichen Vorstellungen von dem, wer oben und wer unten ist.

Predigttext: Joh 13, 1-20
1 Vor dem Passafest aber erkannte Jesus, dass seine Stunde gekommen war, dass er aus dieser Welt ginge zum Vater; und wie er die Seinen geliebt hatte, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende. 2 Und beim Abendessen, als schon der Teufel dem Judas, Simons Sohn, dem Iskariot, ins Herz gegeben hatte, ihn zu verraten, 3 Jesus aber wusste, dass ihm der Vater alles in seine Hände gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott ging, 4 da stand er vom Mahl auf, legte sein Obergewand ab und nahm einen Schurz und umgürtete sich. 5 Danach goss er Wasser in ein Becken, fing an, den Jüngern die Füße zu waschen, und trocknete sie mit dem Schurz, mit dem er umgürtet war.

6 Da kam er zu Simon Petrus; der sprach zu ihm: Herr, solltest du mir die Füße waschen? 7 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was ich tue, das verstehst du jetzt nicht; du wirst es aber hernach erfahren. 8 Da sprach Petrus zu ihm: Nimmermehr sollst du mir die Füße waschen! Jesus antwortete ihm: Wenn ich dich nicht wasche, so hast du kein Teil an mir. 9 Spricht zu ihm Simon Petrus: Herr, nicht die Füße allein, sondern auch die Hände und das Haupt! 10 Spricht Jesus zu ihm: Wer gewaschen ist, bedarf nichts, als dass ihm die Füße gewaschen werden; denn er ist ganz rein. Und ihr seid rein, aber nicht alle. 11 Denn er kannte seinen Verräter; darum sprach er: Ihr seid nicht alle rein. 12 Als er nun ihre Füße gewaschen hatte, nahm er seine Kleider und setzte sich wieder nieder und sprach zu ihnen: Wisst ihr, was ich euch getan habe? 13 Ihr nennt mich Meister und Herr und sagt es mit Recht, denn ich bin’s auch. 14 Wenn nun ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt auch ihr euch untereinander die Füße waschen. 15 Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe. 16 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Knecht ist nicht größer als sein Herr und der Apostel nicht größer als der, der ihn gesandt hat. 17 Wenn ihr dies wisst – selig seid ihr, wenn ihr’s tut. Predigttext wurde schon als Evangelium gelesen

 

Liebe Gemeinde,

die Fußwaschung am Gründonnerstag – Jesus greift sich Wasserschüssel mit Handtuch und übernimmt die Aufgabe, die demjenigen vorbehalten war, der eigentlich der Rangniedrigste im Haushalt war. Die Frau, der Sohn, der Sklave – die waren in erster Linie zuständig für diese Geste der Gastfreundschaft. Klar war auch: Der Schüler wusch die Füße seines Lehrers – nicht umgekehrt.

Am letzten Abend, den Jesus mit seinen Jüngern verbringt, stellt Jesus die üblichen Hierarchien auf den Kopf. Er vertauscht oben und unten
„Wenn nun ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt auch ihr euch untereinander die Füße waschen. Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe.” Diesen Satz haben sie sich gemerkt. Bis heute. In der katholischen Gründonnerstagsliturgie gehört die Fußwaschung zum Programm. Wenn in Rom der Papst am Gründonnerstag die Messe zelebriert, wäscht er traditionell auch die Füße einiger auserwählter Priester. So war das viele Jahrhunderte. Als der neugewählte Papst vor einem Jahr diese Messe in einem Jugendgefängnis hielt und 12 Häftlingen die Füße wusch, ging ein Raunen durch viele Kirchenblätter: Das kann man doch nicht machen ….
Wir sehen: Die Sache mit Oben und Unten … ist für uns nicht ganz so einfach, wie es sich auf Anhieb anhört.

Menschwerdung

Oben und Unten vertauschen – das ist nichts exotisches. Damit steht und fällt unser christlicher Glaube: Denn als Gott in Jesus Mensch wurde, da vertauschte er bereits oben und unten, Gott und Mensch. In einem Weihnachtslied heißt es: Er wechselt mit uns wunderlich: Fleisch und Blut nimmt er an und gibt uns in seins Vaters Reich die klare Gottheit dran. Er wird ein Knecht und ich ein Herr; das mag ein Wechsel sein!

Der wirklich große Tausch von oben und unten passierte also nicht am Gründonnerstag, sondern mit Jesu Geburt. Dagegen ist der kleine Rollenwechsel zwischen dem Rabbi Jesus und seinen Schülern, den Jüngern, eher ein Klacks.

Unterschiede sind und bleiben

Jesus vertauscht unten und oben – immer wieder macht er das, in Worten und Taten. Wir kennen ja auch den Satz: „Die letzten werden die ersten sein”. Aber er leugnet nicht, dass es unten und oben gibt!
Jesus ist kein Karl Marx, der versucht, mittels Klassenkampf alle auf eine Stufe zu stellen, alle Unterschiede in Status und Einkommen abzuschaffen. Und auch das frühe Christentum hat unten und oben nicht abgeschafft. So waren in den christlichen Gemeinen in Rom und Kleinasien offenbar Sklaven als auch die jeweiligen Sklavenhalter Mitglieder der Gemeinde. Standen beim Abendmahl als Brüder in Christus nebeneinander, teilten Brot und Wein – und doch blieb es dabei, dass im Alltag der eine der Herr des anderen war.
Es gab weiterhin oben und unten – es war nur die zentrale Frage, wie man nun damit umgeht.
Bei der Fußwaschung vor dem letzten Mahl sagt Jesus: „Ihr nennt mich Meister und Herr und sagt es mit Recht, denn ich bin’s auch.” Jesus benennt die klaren Verhältnisse. Er ist auch kein 68er, wo alle Kumpels und Brüder sind. Nicht alle sind gleich. Aber doch macht und sagt er etwas ganz neues: „Wenn nun ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt auch ihr euch untereinander die Füße waschen. Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe”.

Nicht die Statusunterschiede sind demnach der Kern, sondern unser Umgang damit! Im Bild gesprochen: Unten und oben abzuschaffen ist nicht nur unrealistisch (das haben uns ja gerade die kommunistischen Gesellschaftsentwürfe gelehrt), sondern es stellt sich dann ja auch die Frage, wer denn jetzt die Füße wäscht?!

Jesu Auftrag an uns ist es, oben und unten immer wieder in Bewegung zu halten.
Wenn ich oben und unten vertauschbar mache, dann bekommt das Miteinander eine Dynamik. Wenn jeder bereit ist, die Rolle des Dienenden einzunehmen – ganz unabhängig davon, wie weit oben oder unten er sich in irgendeiner Gesellschaftsskala befindet.

Wenn du der Erste sein willst, dass sollst du der Diener aller anderen sein.” sagt Jesus (Mt 23,11). Wir bekommen keine egalitäre Gesellschaft ohne irgendwelche Unterschiede hin, dazu ist die Welt und sind wir Menschen zu vielschichtig angelegt.
Aber wenn wir das „Sein” nicht so einfach verändern können: Unser Verhalten können wir steuern! Wir können und sollen entsprechend handeln. Und ohne Handeln wird nichts draus: „Wenn ihr dies wisst – selig seid ihr, wenn ihr’s tut.” Wir müssen es halt tun – dann wird etwas draus!

Die Praxis

Nur mal so am Rande:
Wir sprechen hier vom Füßewaschen – natürlich im übertragenen Sinn, aber das ist was anderes, als das, was der Papst da am Gründonnerstag vollzieht. Denn da haben garantiert alle Kandidaten vorher ihre Füße geschrubbt, wie noch nie vorher, und frische Socken angezogen.
Am Donnerstag des letzten Mahles Jesu sah das ganz anders aus: 12 Männer, die den ganzen Tag unterwegs waren. Mit Sandalen oder barfuß, auf den Straßen Jerusalems. Straßen, durch die auch jede Menge Opfertiere getrieben wurden. Diese 24 dreckverklebten Füße wurden nicht symbolisch gebadet – dieser Job war sicher kein Vergnügen. Das hatte schon Gründe, weshalb man dafür Sklaven eingesetzt hat.

Liebe Gemeinde,
oben und unten zu vertauschen klingt wunderbar.
Der Perspektivwechsel, erscheint reizvoll.
Aber: Es ist möglicherweise eine Drecksarbeit; nicht nur schön und edel.

Jesus sagt: Ein Beispiel habe ich euch dadurch gegeben. Umsetzen müsst ihr es selber; auch wenn es manchmal nicht einfach oder angenehm ist. Wenn wir heute Jesu Vorbild ernst nehmen, und oben mit unten vertauschen, dann ist das auch nicht einfach Spaß.

Oben und unten. Wenn wir fragen: Wo ist denn oben und unten, dann müssen wir in unserer modernen Gesellschaft anders fragen als vor 200 oder gar 2000 Jahren. Herren und Knechte – das gibt es so nicht mehr. Aber doch haben wir in vielen Bereichen festgefügte Rollen. Die machen uns oft das Leben einfacher – klären vieles im menschlichen Miteinander. Aber manchmal wird daraus ein oben und unten – und das kann man ja mal nach Jesu Vorbild auf den Kopf stellen…

Wo sind in der Familie die „Bestimmer”, und wo sind die, nach denen eher selten gefragt wird, von denen man gewohnt ist, dass sich sich anpassen?
Wo ist der, der es im Beruf gewohnt ist, das letzte Wort zu haben – und wo sind die, deren Ideen im besten Fall gnädigerweise einmal ernstgenommen werden?
Gehörst du zu denen, die es schaffen, alle anderen mit der Fülle der eigenen wohlgesetzten Worte zu überzeugen; einfach, weil du besser reden kannst? Oder bist du bei den Stillen, die vor den großen Worten und Selbstbewusstsein der Anderen kapitulieren?
Wo sind die, neben denen man gerne bei der Kirchweih auf der Bierbank sitzt. Und wo sind die, bei denen man eher überlegt, wie man elegant den Rückzug antreten kann, weil sie einfach nur anstrengend sind?

Hier einmal Rollen zu tauschen.
Auf die zu hören, die sonst überhört werden.
Sich selbst zurücknehmen.
Eben keinen Bogen um die Leute machen, die nicht das eigene Niveau haben.
Mal den Mund aufzumachen, obwohl man weiß, dass eigentlich der Andere das Sagen hat ist.
Im Dorf sich nicht nur mit denen gut zu stellen, bei denen es sich auch auszahlt, wenn man gut miteinander kann.

Liebe Gemeinde
die Strategie Jesu ist nicht bequem – und sie hat keine mit Erfolgs-Garantie. Ich habe kein Versprechen, dass ich dafür irgendwie belohnt werde. Und ob wir damit die Welt verbessern, ist auch fraglich.

Aber: Als Christen sind wir Jünger Jesu – darum folgen wir seinen Auftrag. Es gehtt nicht darum, dass sich jede gute Tat in irgendeinder Weise lohnt. Wir handeln anders, weil Jesus es uns vorgemacht hat.  In der Hoffnung, dass wir damit Licht und Salz in dieser Welt sein können.
Er hat angefangen, oben und unten zu vertauschen, als er in unsere Welt kam. Jetzt können wir weitermachen.

Wenn nun ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt auch ihr euch untereinander die Füße waschen. Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe”.

Amen

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