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Predigt: Eiswürfel (Symbolpredigt) 4. Juli 2010

Was eiswuerfel Bild: Helga Schmadet/pixelio.deliegt näher, als in der heißen Jahreszeit einmal ein eine buchstäblich erfrischende Predigt zu halten? Darum nehmen wir einmal Eiswürfel in den Blick.

 

Die erqickenden Eiswürfel

Es ist Donnerstag, 12:30 Uhr, letzte Schulstunde in der Sommerhitze. Bei 32 Grad Raumtemperatur sitzen die Schüler der fünften Klasse im Reli-Unterricht. Einige fächeln sich mit dem Hausaufgabenheft ein wenig Luft zu. Andere schwitzen still vor sich hin.
Vorne der Lehrer – es geht um den Psalm 23 – er kämpft sich mit den sichtlich erschöpften Schülern durch den ersten Abschnitt: Welche Worte sind euch unbekannt, wozu habt ihr Fragen?
Ein Finger geht hoch: Was heißt eigentlich „erquicken”?
„Ähm ja … auferbauen … also wenn was eine Labsaal ist, dann erquickt es.”
Die Schüler schauen den Lehrer ratlos an.
Er bleibt stehen, fährt sich durchs schweißnasse Haar und überlegt laut: Was wäre denn jetzt so richtig erquickend?
Und dann er fängt er an: „Schließt die Augen und stellt euch vor, ich hätte hier eine Kiste voller Eiswürfel, und mittendrin steckt eine Flasche Cola. Die ziehe ich heraus, nehme ein großes Glas, werfe eine Handvoll von den Eiswürfeln hinein. Dann öffne ich die Flasche, es zischt kurz und dann gieße ich langsam die Cola über die Eiswürfel. Ein Strohhalm noch hinein, und das trinkst du jetzt.”
Ahhh … ein Stöhnen geht durch die Reihen in der Klasse. Ja, liebe Schüler, das ist erquickend!

Ja, liebe Gemeinde,
das wäre doch was! Er erquicket meine Seele – das hat etwas von einem erfrischenden eiskalten Getränk bei tropischen Temperaturen. Und wir spüren, dass so ein Genuss eben nicht nur ein körperliches Bedürfnis stillt, sondern den gesamten Menschen betrifft. Der von Hitze müde Geist wird wieder aktiv, man atmet innerlich durch, bei so einer Erfrischung.
Kühlung tut gut. Das ist eine Erfahrung, die sich auch in unserer Bibel niedergeschlagen hat: „Wie die Kühle des Schnees zur Zeit der Ernte, so ist ein getreuer Bote dem, der ihn gesandt hat, und erquickt seines Herrn Seele” So lese ich im Buch der Sprüche (Spr 25,13). Ein verlässlicher Bote wird hier mit dem kühlenden Schnee bei Sommerhitze verglichen. Hier erquickt der Schnee (vielleicht von einem hohen Berg herabgeholt) die Seele des Menschen. Da hat der Relilehrer vielleicht gar nicht so unrecht, wenn er von den erquickenden Eiswürfeln in der Cola spricht.

Der Eiswürfel und die Dreieinigkeit Gottes

Anscheinend können wir von Eiswürfeln direkt etwas lernen. Vielleicht gibs da noch mehr? Natürlich – sogar hohe Theologie! Ein Eiswürfel ist nämlich immer in 3 Aggregatszuständen vorhanden: Er besteht zugleich aus Eis, aus Wasser und aus Wasserdampf. Sobald ich den Würfel aus dem Tiefkühlfach nehme, schmilzt ein Teil des Eises zu Wasser und einige Moleküle gehen als Wasserdampf in die Luft über. Immer alles drei gleichzeitig. Drei für uns eigentlich völlig unterschiedliche Zustände des Wassers: Eis – Wasser – und Dampf. Die kann man ja eigentlich nicht verwechseln, jedes erscheint uns anders. Und doch sind Eis, Wasser und Dampf Ausprägungen der gleichen Substanz, und im Eiswürfel sind alle drei gleichzeitig vorhanden.

Sie merken, wohin es geht: Diese drei Zustände des Wassers dienen seit Jahrhunderten immer wieder als Veranschaulichung des Dreieinigkeit Gottes: Vater, Sohn, Heiliger Geist. Sie gehören untrennbar zusammen, sind alle „Gott”, und zwar derselbe. Zugleich erkenne wir aber auch ihre Unterscheidbarkeit: Unsere Vorstellung von Jesus, Gott, und Geist – da entstehen immer unterschiedliche Bilder in unserem Kopf. Darum tun wir uns ja oft so schwer mit dem, was wir Dreieinigkeit nennen.

Eigentlich komisch: Wir haben keine Probleme, zu verstehen, dass aus diesem einen Eiswürfel, wenn er schmilzt, Wasser wird, und im heißen Topf Wasserdampf werden kann, und es immer das gleiche Wasser ist. Ohne Unterschied, nur es begegnet mir in unterschiedlicher Form.
Bei Gott fällt es uns oft nicht so leicht: Dass Gott, der einst diese Welt ins Dasein gerufen hat, der gleiche ist, wie der Wanderprediger Jesus der von der Nächstenliebe und Feindesliebe spricht, und dass das der selbe Gott ist, der in uns wohnt, uns innerlich antreibt, und zum Glauben inspiriert, Vertrauen zu Gott bewirkt.

Ein dreifacher Gott, mit unterschiedlichen Wirkungen und unterschiedlich wahrnehmbar, und doch ein-und-derselbe. Vielleicht macht uns der Eiswürfel ein bisschen Mut, unseren Gott als dreieinigen Gott zu bekennen. Denn das mit dem Eiswürfel verstehen wir ja auch, darum sollte Dreieinigkeit nicht das Spezialthema für die studierten Pfarrer bleiben.

Die Eigenschaft religiöser Erfahrung

Ich möchte nun etwas ausprobieren. Sie bekommen jetzt einmal Eiswürfel. verteilt. Nehmen sie die bitte einmal in die Hand, und passen sie gut drauf auf.

(Konfis gehen herum und verteilen Eiswürfel)

Es ist wirklich blöd! Diese Eiswürfel schmelzen uns zwischen den Fingern weg. Die können wir nicht festhalten! Da hilft es auch nichts, wenn wir sie mit Gewalt in die Faust einschließen: Es tropft zwischen den Fingern hindurch, dass es ein einziges Elend ist. Am Schluss haben sie nasse und kühle Finger, und das wars.
Ich denke, unsere Glaubenserfahrungen haben häufig etwas von so einem Eiswürfel in der Hand. Da erlebst du etwas, und gewinnst das Gefühl: Ja, da war Gott mir nahe.

Da hat er mir geholfen,
da war ein Schutzengel im Spiel,
da hat er mein Leben korrigiert, mich auf die rechte Bahn zurückgebracht
da hat er mir eine wunderbare Begegnung geschenkt.
Da war ein Gottesdienst, ein Andacht, die hat mich tief bewegt, so als wäre sie nur für mich gewesen.
Gott war mir nah, das hat mich erquickt, das hat in mir das Bewusstsein gest ärkt, dass er da ist, dass mein Glauben keine Illusion ist.
Aber das Leben geht weiter, Erinnerungen an diese Momente gehen nicht verloren, aber die werden blasser, müssen sich einreihen neben die vielen anderen Erfahrungen und Begegnungen meines Lebens.
Der erquickende Einswürfel schmilzt. Lediglich die feuchten Finger erinnern dich daran, dass das ja etwas besonderes war. Aber Festhalten … das ist dir nicht vergönnt.  Aber immerhin: Die Hände sind wieder frei für neue Erfahrungen und Begegnungen, für einen neuen erfrischenden Würfel der Nähe und Liebe Gottes.

Wir können Gotteserfahrungen, wichtige Momente des Glaubens nicht aufbewahren, sondern , müssen sie immer wieder machen. Nicht umsonst bieten wir jeden Sonntag einen Gottesdienst an, zum Nachlegen, um auf dem Laufenden zu sein. Und man kann nicht einmal im Jahr beten für die nächsten 12 Monate. Da bleiben – im Bild gesprochen – die Finger nur ein paar Tage lang nass. Wir müssen uns, und wir dürfen uns, von Gott regelmäßig versorgen lassen, mit dem, was unsere Seele erquickt.

Für den einen sinds jeden Tag die Losungen die er liest, anderen ist die Andacht im Sonntagsblatt so wichtig, es gibt Menschen, die schwören auf die Kirchendachandacht als den Eiswürfel für Wochen … die Wege sind ganz unterschiedlich, aber wir müssen sie beschreiten, sonst bleiben wir ungekühlt.

Die Kunst, in einer Sache aufzugehen

Liebe Lichtenberger, liebe Gollhöfer,
einen letzten Aspekt möchte ich noch aufgreifen. Dazu muss ich die Perspektive wechseln und das alles einmal aus der Sicht des Eiswürfels im Colaglas betrachten. Und dann wirds ganz schnell existentiell:
Schwimmend im Colaglas hat er seine Bestimmung gefunden. Er ist eins mit seiner Aufgabe und l öst sich in dieses Ziel hinein auf.  Der Eiswürfel geht buchstäblich in seiner Aufgabe auf. Er wird eins mit seiner Bestimmung.
Sie merken es sicher: Wir sind da ganz dicht dran an dem, was Jesus f ür uns getan hat: Sich völlig hinzugeben, eins zu sein mit dem Willen des Vaters sich selbst nicht retten zu wollen. Und erst dadurch, dass er sich für uns aufgeopfert hat, ist er zu seiner Bestimmung gekommen. Wurde Heiland und Retter.

„Denn wer sein Leben erhalten will, der wird’s verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s finden.” (Mt 16,25) Diesen Satz hat Jesus seinen Jüngern gesagt und hat es auch vorgelebt. Keine Angst zu haben, sein Leben zu verlieren, wenn man in etwas aufgeht. Das gilt im Großen wie im Kleinen.

So mancher Engagierter muss es sich ja anhören. Ja, warum opferst du dich denn so für die Kirche auf, im Kirchenvorstand, Kindergottesdienst, Posaunenchor und und und, du verplemperst deine wertvolle Zeit. Da bleibt doch nichts mehr übrig für dich! Was bist du so dumm um k ümmerst dich um deinen kranken Vater, nimmst die verzogenen Bälger anderer Leute als Pflegekinder auf, Dank kriegst du ja auch keinen!
„…wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s finden”. Es gibt Dinge, die kann man nicht so einfach erklären, sondern nur leben. Auch so einen scheinbar paradoxen Satz.
Leben gewinnen, in dem man sein Leben riskiert, aufgeht in seinen Aufgaben, und in seinem Glauben. Zu sp üren welche Erfüllung darin stecken kann, wenn man bereit ist über die Kanten seines eigenen Eiswürfel-Dasein hinwegzusehen. Aufzugehen in etwas großem – der Gemeinschaft der Christen, dem Glauben an einen liebevollen Gott.

Das kann man nicht experimentell aufzeigen, das muss man mit Leben füllen und selbst erfahren.

Amen

 

Bild: Helga Schmadet/pixelio.de

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