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Predigt: Die offene Tür (Matthäus 7,7) 25. Dezember 2010, Weihnachten

Weihnachtspredigttuerklopfer zum Motiv der Herbergssuche: Klopfet an, so wird euch aufgetan!

Die Weihnachtszimmer-Türe

Die Türe zum Wohnzimmer ist  versperrt. Das ist sie normalerweise nie, ich wusste gar nicht, dass es für diese Tür überhaupt einen Schlüssel gibt. Auch der Blick durchs Schlüsselloch ist buchstäblich aussichts-los: Offenbar hat da jemand  auf der Innenseite des Zimmers  einen Lappen übers Schloss gehängt. Die Tür bleibt für mich verschlossen und unüberwindbar. Das kann einen ja fuchsig machen: Wenn man derart ausgesperrt ist, getrennt von dem , was da gerade Geheimnisvolles hinter dieser Türe geschieht – und man kommt da einfach nicht rein! Aber trotzdem bin ich damals in meiner Kinderzeit an dieser verschlossenen Türe nicht verzweifelt. Denn ich war mir sicher: Sie ist ja nur deshalb zu, damit sie später auch einmal wieder aufgeht. Für meine Schwester Anita und mich. Und ich ahnte, dahinter verbirgt sich etwas Besonderes:  Geschenke, ein Weihnachtsbaum und alles was für einen kleinen Jungen so zum Heiligen Abend dazugehört.
Sie wird aufgehen! Egal, wie verbarrikadiert sie gerade sein mag. Sie wird aufgehen, es ist nur eine Frage der Zeit.

Matthäus 7,7

„Sie wird aufgehen”, das sagte auch Jesus auf dem Hügel, auf dem er seine Bergpredigt hielt. „Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.” Ein Satz ohne wenn und aber. Wenn du klopfst, dann wird sich dir eine Tür öffnen. Habe Vertrauen, dass du nicht draußen stehen gelassen wirst. Mut und Zuversicht drücken seine Worte aus. Als hätte es nie auch nur den Hauch eines Zweifels gegeben, dass sich verschlossene Türen auch öffnen ließen. – Wenn man nur beharrlich genug daran klopft. Dabei hatte gerade Jesu Mutter mit ihm im Bauch ja auch ganz andere Erfahrungen gemacht….

Herbergssuche, Türensuche

Da hat man sie als hochschwangere Frau draußen vor der Türe stehen lassen. Das geht ja schon mal gar nicht. Das ist der blanke Horror, wo wir heutzutage mit dem Auto am liebsten direkt in den Kreißsaal fahren würden, schleppt sich Maria von Herberge zu Herberge um halbwegs einen geschützten Ort für die Geburt ihres Kindes zu finden. Hilflos, ohne Rechtsanspruch, als Bittseller stehen Maria und Josef  vor verschlossenen Türen. Müssen sich von oben bis unten mustern lassen. Werden taxiert: „Tu ich mir das an, die beiden auch noch hier unterzubringen. Meine Herberge ist voll, was sagen die anderen Gäste, wenn sie die ganze Nacht mit ihren Geburtswehen-geschrei die Leute wachhält? Und wenn etwas schiefgeht, wer holt und zahlt einen Arzt?”

Egal, ob die Wirte mitleidig-bedauernd den Kopf schütteln oder das Paar  arrogant wegscheuchen. Im Ergebnis ist es das gleiche: Die Türe bleibt zu. Hilflos und verzweifelt bleiben sie draußen, weil eben alles Klopfen nichts geholfen hat. Hat Jesus diese Geschichte vergessen, als er da auf dem Berg stand und predigte?
Sie bleiben immer wieder zu, diese Türen. Das wissen wir aus Erfahrung. Nicht jeder Wunsch geht in Erfüllung, nicht jeder Lebensweg führt genau dort lang, wo ich das gerne hätte. Nicht jedes Gebet wird erhört, nicht jeder Plan gelingt. Da stehe ich dann dumm da, spüre die Hilflosigkeit, merke, wie die Verzweiflung die Kraft aus meinem Körper und aus meiner Seele saugt. Verschlossene Türen sind kein Spaß, und je wichtiger mir gerade diese Tür war, umso mehr schmerzt es, wenn sie sich einfach nicht öffnen lässt.
Es ist zum wahnsinnig werden – und so mancher möchte dann sein Ziel mit Gewalt erreichen – aber wir wissen: Die wirklich wichtigen Türen im Leben kann man nicht so einfach aufbrechen.

Klopfen, und nebenan geht eine Türe auf

„Sie wird aufgehen”, sagt Jesus auf dem Hügel, bei seiner Bergpredigt. „Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.” Aber hast du schon überlegt, ob du vor der falschen Türe stehst?
Nebenan, da war die Türe zum Stall von Bethlehem. Und die stand sperrangelweit offen. So hatten sich das Maria und Josef nicht vorgestellt. Der Stall war für sie eine Notlösung, eine hygienische Katastrophe.
Und doch: Genau das war der richtige Platz für dieses einmalige Kind, für das Ereignis, dass Gott Mensch wird. Kein anderer Ort wäre so symbolhaft, so prägend für das gewesen, was da kommen sollte.

Die Tür stand offen, es war nur eine andere als die, auf die man gewartet hatte.
Vielleicht verzweifle ich auch manchmal an verschlossenen T üren, klopfe mir die Finger wund, und bin so fixiert auf diesen einen Weg, dass ich nicht bemerke, wie sich nebenan ein Tor weit öffnet. – „Dein Wille geschehe”, so hat Jesus uns zu beten und zu hoffen gelehrt, und doch bin ich manchmal vernarrt in die eine Wunsch-Türe, dass ich ausblende, dass mein Gebet bereits erhört wurde, nur zeigt der Kompasspfeil in eine andere Richtung.

Türen, die ich lieber nicht öffnen möchte

Liebe Gemeinde,
klopfet an, so wird euch aufgetan. – Aber es gibt doch auch Türen, die will ich gar nicht aufmachen. Türen, da weiß ich, dass ich klopfen muss, und möchte am liebsten wegrennen, bevor der andere aufmacht. Oder ich hoffe, dass grade niemand nicht da ist, und die Tür verschlossen bleibt.
Ich sehe den Schüler, der zum Direktor geschickt wurde, und nur ganz leise an die Türe des Chefs klopft. Wie sehr er sich wünscht, dass der da drinnen nicht hört und somit das erwartete Donnerwetter ausbleibt.
Da klingeln wir bei der furchtbar anstrengenden Tante, einer von diesem Weihnachts-Pflichtbesuchen, und es rührt sich nichts. Ist sie weg? Die Minen der Kinder hellen sich auf. Kommen wir um Tantes Parfümduft und Kaffeetafel herum? Und dann hören wir doch Schritte hinter der Türe uns sie ruft: „Jaha, ich komme….!”

Du verabschiedest dich beim einem Freund. Zwei Stunden hat er dir erzählt von seinen Schwierigkeiten mit Ehefrau und Schwiegermutter, noch dazu die Probleme im Beruf. Du fühlst mit ihm mit, das Gespräch schlaucht auch dich; weil du auch keinen Rat hast, ihm nicht wirklich helfen kannst. Und nachdem du dich verabschiedet hast, schließt sich die Haustür. Und du drehst dich noch mal um, schnaufst einmal durch, und fühlst das Unbehagen, weil du merkst, welches Elend hinter dieser Türe herrscht.

„Sie wird wieder aufgehen”, höre ich Jesus sagen
„Klopfet an, so wird euch aufgetan” – auch wenn du schon wei ßt, dass da nichts einfaches hinter dieser Tür auf dich wartet.
„Suchet, so werdet ihr finden” – einen Freund wirst du finden, und einen Ansatz für eine Lösung … zumindest für den nächsten Schritt.
„Bittet, so wird euch gegeben” – die Kraft, solchen Türen und Begegnungen nicht aus dem Weg zu gehen; der Mut und die Zuversicht, um auch dunkle Täler zu durchwandern.

Gott macht seine Türe auf …

Jesus Christus, er ist der Erfinder der offenen Türen. – Viel mehr als meine kleinen Beispiele es vermuten lassen. Er hat sie aufgerissen, die Türe zwischen Gottes Reich und unserer kleinen Welt. Das trennende Tor zwischen Gott und Mensch ist aufgesperrt.

Darum ist er in unsere Welt hineingekommen, als kleines Kind in Bethlehem. Hat sich nicht von verschlossenen Gasthaustüren davon abhalten lassen hier bei uns zu wohnen.
– Die Türen, die zwischen verfeindeten Menschen verriegelt schienen, hat er aufgesperrt.
– Hat die Gartenzaunt ür die wir um unsere kleine Welt aufgebaut haben, ausgehängt, hat gezeigt, dass jeder unser Nächster ist, wenn er unsere Hilfe braucht.
– Die schwere Tür, die Tod und Leben voneinander trennt, die hat er am Ostermorgen aus den Angeln gerissen.

Darum, liebe Gemeinde, darum kann er sagen:

„klopfet an, so wird euch aufgetan”, er kann Türen öffnen, und er hat es verheißen für uns zu tun.
Vielleicht nicht gleich, vielleicht auch eine andere Türe als erwartet. Vielleicht wird hinter mancher Tür auch etwas anderes erscheinen, als wir es erwartet haben, und dann werden wir auf seine Hilfe hoffen.

Dann bleibt uns nur noch eines: Selber die eigenen Finger in die Hand zu nehmen und tatsächlich mit dem Vertrauen eines Gotteskindes zu klopfen, sich von unserem himmlischen Vater etwas zu erbitten, mit Gottes Augen zu suchen, was in dieser Welt wirklich wichtig ist.  Das müssen wir dann schon selber in die Gänge bringen.
Denn nur wer sucht, der findet.
Nur wer bittet, dem wird gegeben,
und dem Klopfenden, dem wird aufgetan.

Amen

 

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