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Gospel-Gottesdienst: Das Evangelium wandert in die Welt hinaus (Mt 8, 5-13) 23. Januar 2011

Gottesdienstevangeliar mit den Gospelchor “get on board” aus Kitzingen. Es geht um das Evangelium, das in die Welt hinauswandert. Der Verkündigungsteil dieses Gottesdienstes besteht aus einem Ineinander von Gospel-Songs, Bibelstellen, die vom Weiterwandern des Evangeliums und unseren menschlichen Antworten und Bemühungen erzählen.

Beginn des Verkündigungsteils: „Das Heil zieht in die Welt hinaus”

Wir haben mit „get on Board” einen Gospel-Chor zu Gast. „Gospel” ist ja einfach das englische Wort für Evangelium, die „Gute Nachricht”. Und so, wie sich gute und schlechte Nachrichten zügig von Mensch zu Mensch ausbreiten, so hat auch das Evangelium, die Botschaft von Gottes Heil seinen Weg gefunden, auch zu uns. Zu Jesu Zeiten war das eher ungewöhnlich. Das Volk Israel wusste: Wir sind das erwählte Volk. Gott ist für uns da, wir wissen es; und andere geht es nichts an, denn die sind ja auch nicht erwählt.

Aber mit Jesus hat sich da eine neue Tür geöffnet. Schon recht bald wird spürbar, dass Gott es auch mit den Heiden, den Nichtjuden gut meint. Zugegeben: Das war für Jesu Zeitgenossen ein ganz unerwartete Wendung. Das Evangelium des heutigen Sonntags berichtet davon, dass plötzlich das Licht Gottes auf eine Person scheint, die man schon gar nicht auf der Rechnung hatte: Ein römischer Hauptmann, ein Zenturio.

Lesung Mt 8,5-13 (der Hauptmann v. Kapernaum)
Als aber Jesus nach Kapernaum hineinging, trat ein Hauptmann zu ihm; der bat ihn 6 und sprach: Herr, mein Knecht liegt zu Hause und ist gelähmt und leidet große Qualen. 7 Jesus sprach zu ihm: Ich will kommen und ihn gesund machen. 8 Der Hauptmann antwortete und sprach: Herr, ich bin nicht wert, daß du unter mein Dach gehst, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund. 9 Denn auch ich bin ein Mensch, der Obrigkeit untertan, und habe Soldaten unter mir; und wenn ich zu einem sage: Geh hin!, so geht er; und zu einem andern: Komm her!, so kommt er; und zu meinem Knecht: Tu das!, so tut er’s. 10 Als das Jesus hörte, wunderte er sich und sprach zu denen, die ihm nachfolgten: Wahrlich, ich sage euch: Solchen Glauben habe ich in Israel bei keinem gefunden! 11 Aber ich sage euch: Viele werden kommen von Osten und von Westen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen; 12 aber die Kinder des Reichs werden hinausgestoßen in die Finsternis; da wird sein Heulen und Zähneklappern. 13 Und Jesus sprach zu dem Hauptmann: Geh hin; dir geschehe, wie du geglaubt hast. Und sein Knecht wurde gesund zu derselben Stunde.

Brief des Hauptmanns an seinen Dienstvorgesetzten
Sehr verehrter General Lucius,
nach 28 Jahren des treuen Dienstes für unseren Kaiser Tiberius in der Provinz Palästina beantrage ich die Entlassung aus dem Dienst der kaiserlichen Armee gemäß den Vorschriften des römischen Rechts. Ich wünsche dies, wenngleich ich mir bewusst bin, dass dieser Schritt mir finanzielle Nachteile bereitet und ich damit die Würden eines kaiserlichen Zenturio verliere. Doch ich möchte euch nicht verschweigen, was mich zu dieser Entscheidung bewogen hat. Vor etwa 13 Monaten bin ich einem dieser jüdischen Prediger begegnet, derer es viele in unserem Landstrich gibt. Aber dieser,  Jesus war sein Name, hatte etwas an sich, das ihn vor allen anderen auszeichnete. Wie ihr wisst, besitze ich ja eine überaus gute Menschenkenntnis, die mir als Hauptmann schon oft geholfen hat. Ich war mir sicher, dass dieser Jesus  von den Göttern gesandt war.
Und so habe ich bei ihm in der Angelegenheit meines Dieners vorgesprochen, der schwer erkrankt war und dem kein Arzt helfen konnte. Glaubt es mir, oder nicht: Er hat meinen Knecht allein durch seine Worte geheilt. Und mir selbst bescheinigte dieser Prediger einen überaus großen Glauben, und stellte mich den umstehenden Juden als Vorbild hin.
Beeindruckt von dieser Begegnung ließ ich mich durch meine Untergebenen immer wieder von den Reden und Taten dieses Predigers unterrichten. So erfuhr ich auch von seiner Hinrichtung, mit der die in Jerusalem stationierte Legion beauftragt war.
Der dortige Zenturio berichtete mir vom tapferen Sterben dieses Mannes und davon dass seine Anhänger berichteten, er sei auferstanden. Nun, verehrter General Lucius, nennt mich einen törichten Esel, aber ich bin in meinem Innersten überzeugt, dass diese Botschaft seiner Anhänger mehr als ein Gerücht ist. Ich bin einigen von ihnen persönlich begegnet und in der Tiefe meines Herzens angerührt von dem, was diese zu berichten haben.
Seitdem zähle ich mich zu denen, die dieser Nachricht Glauben schenken und sich darum dem Ritual einer Wassertaufe unterziehen.
So es mir gestattet ist,  möchte ich nach meiner Entlassung nach Rom übersiedeln, wo meine Familie einige Ländereien hat.
Dort im Norden Roms sind auch einige Händler beheimatet, darunter viele Juden, die  – so wie ich  – diesen Jesus verehren und das Ritual der Taufe empfangen haben. Mit ihnen gemeinsam mein Leben dort zu gestalten und den Lehren dieses Jesus zu folgen, damit möchte ich mein Leben krönen.
Hochverehrter General Lucius, ich möchte euch versichern, dass ich auch weiterhin ein treu ergebener Bürger des Römischen Reiches bin.
Mit treuem Gruße, Vulpius, Zenturio der Legion bei Kapernaum, in der Provinz Palästina.

Lied: I thank you

Bericht: Die Botschaft wandert durch das römische Reich

Gottes Liebe überspringt Grenzen. Beim römischen Zenturio wurde deutlich: Gottes Heil, sein Reich gilt für alle Menschen. Keiner soll ausgeschlossen werden. Die Türe steht offen. Was für uns heute so selbstverständlich scheint, das mussten die Jünger Jesu schon so einige Male schlucken. Soll Gott wirklich auch die Heiden meinen? Dass Jesus einen Mann aus Samaria, den Samariter, als Ideal ihnen vor Augen stellt, und auch eine kranken Frau aus dieser eigentlich gottverlassenen Gegend heilt, das war ja noch halbwegs akzeptabel. Aber einen römischen Zenturio, beziehungsweise dessen Diener, das war für machen konservativen Jünger eine Provokation.

Und auch nach Jesu Himmelfahrt wurde lange gestritten, ob Gott das denn wirklich so gemeint haben sollte …heidnische Römer sollen Anteil an Gottes neuer Welt haben? Soll man die wirklich taufen? Man hat Zeit dafür gebraucht, und Diskussionen, und einige Wunder, bis die Jünger bereit waren, diesen Weg zu gehen, den Jesus ihnen ja vorgelebt und vorgeschrieben hatte: „Gehet hin in alle Welt …”
… auch zu den Römern
… Germanen
… Gollhöfern und Kitzingern
… aber auch Rodheimern und Gollachostheimern …
… in die Häuser mit gepflegten und in die mit verwahrlosten Vorgarten
… zu den Freundlichen und zu den Nervensägen
Das Evangelium hat einen weiten Weg vor sich.

Lied: God has got the power

Lesung: Römer 1,16-17 (Zeugnis geben)
Die Epistel für den heutigen Sonntag steht im Brief des Paulus an die Römer. Er schreibt hier an die wachsende christliche Gemeinde, die in den ersten Jahrzenten nach Jesu Auferstehung in der Stadt Rom entstand. Sie bestand aus Juden und getauften Heiden, und sicher war auch so mancher römischer Soldat Mitglied dieser römischen Gemeinde. Paulus schreibt im Ersten Kapitel:
Ich bin ein Schuldner der Griechen und der Nichtgriechen, der Weisen und der Nichtweisen; 15 darum, soviel an mir liegt, bin ich willens, auch euch in Rom das Evangelium zu predigen. 16 Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben, die Juden zuerst und ebenso die Griechen. 17 Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie geschrieben steht  „Der Gerechte wird aus Glauben leben.“

Gedanken von Schülerin Sabine P: Aus dem Tagebuch einer Schülerin:
Manchmal weiß ich wirklich nicht, wie ich das mit dem Andachtskreis in der Schule machen soll. Ich finde ihn eigentlich toll, er macht Spaß. Zwanzig Leute die während der Pause in der Kapelle sitzen, zwei Lieder singen, Kerzen anzünden, ein Gebet sprechen. Da ist inzwischen eine richtige Gemeinschaft draus geworden. Wir gehören zusammen, auch wenn wir aus ganz unterschiedlichen Klassen sind. Und wenn wir uns sonst in der Schule über den Weg laufen, weiß ich: Ja, der gehört mit dazu, zu unserem Kreis.
Aber das blöde sind halt die Gesichter meiner Freundinnen in der Klasse, wenn ich mich in der Pause in Richtung Kapelle verabschiede…  Ja, ich bin anscheinend die mit dem frommen Spleen.
„Naja aber sonst bist du ganz in Ordnung” hat eine Freundin gesagt. Na toll, mein Glaube als ein Teil-Schaden, über den man hinweg schauen kann, weil ja sonst alles passt. – Die haben doch nichts kapiert, mein Glaube ist nicht ein Hobby, sondern das ist die Grundlage in meinem Leben.
Da bin ich manchmal furchtbar hin uns her gerissen. Soll ich dann lieber gar nicht mehr über meinen Glauben sagen? Ihn am besten verstecken, wie einen hässlichen Leberfleck?
Aber das geht doch gar nicht, ich wäre dann ja nicht ich. Es gehört dazu, dass ich dazu stehe, ich brauche mich nicht dafür schämen, dass ich an Jesus glaube.

Das nächste Lied heißt „Witness”- Zeuge. Darin heißt es: Ich will ein glaubwürdiger Zeuge sein, will von seiner Erlösung singen. Ich will davon berichten, wie er mich aus der Tiefe gezogen hat und mich befreit hat.

Lied: Witness

Luthers Spannung: Es ist ganz schwer und doch so leicht
„Da sitze ich hier und trinke mein gut Wittenbergisch Bier, und derweil läuft das Evangelium wie ein Platzregen über die Erde.”  Als er diesen Satz zu Ende geschrieben hat, legt Martin Luther den Federkiel aus der Hand, durchquert mit bedächtigen Schritten sein Studierzimmer und lässt sich auf die Bank neben dem Kachelofen fallen.
Ja, es läuft.
Das Evangelium läuft wie ein Platzregen über die Erde. Nicht nur hier in Wittenberg, auch im ganzen Land, sogar in der Schweiz und in Holland haben die Menschen die Heilige Schrift neu für sich entdeckt. Lesen die Evangelien, grübeln über den Paulusbriefen, lesen ihren Kindern die Josefsgeschichte vor. Das alles hat eine Dynamik bekommen, die ihm selbst fasziniert.
Die Botschaft vom liebenden Gott, der Schuld vergibt, saugen sie auf wie ein ausgetrockneter Boden. Als hätten sie nie davon gehört; und dabei ist das Evangelium doch schon 1500 Jahre alt. Aber irgendwie war es in Vergessenheit geraten, verdeckt von düsteren Traditionen, verdunkelt durch Rituale, die keiner verstand.
Da konnte doch nichts wachsen, da konnte man doch nur verwalten, wo keiner nach dem fragte, was Jesus selbst einst gesagt und getan hatte.
Martin Luther schüttelt den Kopf.
Jetzt erscheint alles so leicht, so einfach, und auch so plausibel, als hätte es nie etwas anderes gegeben. Aber er hat die Zeiten nicht vergessen, in denen er stundenlang an einzelnen Bibelversen herumkaute wie an einem harten Brotkanten. Nichts erschien schlüssig, verzweifelt wollte er wissen, wie Gott zu den Menschen und ihren Taten steht. Und kaum, dass er eine Idee hatte, ließen die Diskussionen mit seinen Mitbrüdern alle Entwürfe wieder zu Staub zerbröseln. Jahre der Krise, der Tränen und Verzweiflung, weil einfach nichts vorwärts ging.
Oder in Worms: Nach seiner Verwerfung durch den Kaiser, hätte niemand einen Taler auf sein Leben gewettet. Und doch hat sich entgegen aller Wahrscheinlichkeit alles noch einmal gedreht.
Ein Wunder, ja ein Miraculum Gottes. Vielleicht wollte es Gott noch einmal richtig spannend für mich machen, damit ich erkenne, dass es sein Weg mit mir war. Dass Gott der Ausführende ist, und ich sein Werkzeug bin.
Dass er mir ich rechten Moment die richtigen Gedanken gegeben hat.
Dass er dem Kurfürsten die Idee schenkte, mich mit einer Entführung vor meinen Mördern zu retten.
Dass er mir Freunde geschenkt hat, die mutig für das Evangelium eingetreten sind, trotz aller Drohungen des Kaisers.
Vielleicht musste alles so knapp ausgehen, damit ich Demut lerne, damit ich mich nicht als der große Reformator feiern lasse, dem man Standbilder widmet oder Straßen nach ihm benennt.
Ich bin nur ein alter Madensack. Und mein ganzes Glück besteht darin, mit eigenen Augen zu sehen, wie Menschen unter Gottes Evangelium zu befreitem Leben aufblühen.

Lied: May God be with you

Liebe Gemeinde,
das Evangelium Jesu ist in Bewegung und es bringt Bewegung mit sich.
Es überspringt Grenzen. Die Grenze zwischen Juden und Heiden, wie beim römischen Zenturio. Aber es knabbert auch an den Grenzen, die wir untereinender aufgebaut haben. Es rüttelt an Zäunen und Haustüren und erinnert uns: Der Nächste, den du lieben sollst, ist nicht derjenige, der dein bester Kumpel ist, sondern  derjenige der deine Nähe braucht.
Es will weitergetragen werden. Ohne Scheu darf man davon weitersagen, denn wo wir davon schweigen, da wirds nicht regnen, da bleibts oft trocken, verkrampft, ist von echter Freiheit der Kinder Gottes nichts zu sehen.

Und das Evangelium hat seine eigene Dynamik. Mal findet es reißenden Absatz, leuchtet ein und verändert alles. Und manchmal durchzieht man auch geistig düstere Täler und hofft mit jeder Wegbiegung auf bessere Zeiten. Diese Vielfalt mit allen schönen und beschwerlichen Seiten gehört dazu. Der Grundton bleit dabei der gleiche: Das Wissen um Gottes Nähe und Begleitung. So hat es das Lied eben ausgedrückt, indem es verschiedene irische Segenswünsche aufgegriffen und vertont hat.

Dieses Evangelium ist auch bei uns daheim, darum wollen wir nun miteinander unseren Glauben bekennen:

Glaubensbekenntnis

Gemeindelied 642 1-3 Wir strecken uns nach dir

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