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Predigt: Alles ist möglich dem, der da glaubt (Mk 9, 23) 8. Mai 2011, Taufpredigt

Predigt allesmoeglichzur Taufe von Luke. Sein Taufspruch: “Alles ist möglich, dem der da glaubt”

 

Liebe Familie L. , liebe Gemeinde,

„alles ist möglich, dem, der da glaubt”, sagt Jesus dem Vater des kranken Jungen, und tatsächlich: Ein Wunder geschieht. – So haben wir es vorhin in der Lesung gehört. Das ist ja wunderbar, wenn das klappt. Da kann man nur begeistert sein und sich freuen, dass sich etwas zum Besseren gewendet hat, wenn Wunderbares geschieht, dass man nie für möglich gehalten hätte.

DER TRAUM VOM „ALLES IST MÖGLICH”

„Alles ist möglich, dem, der da glaubt”, der Taufspruch von Luke, den sie sich ausgewählt haben, ist einer, der grundsätzlich Hoffnung verbreitet. Weil er in einer Begebenheit passiert, in der wirklich Wunderbares passiert. Und ehrlich gesagt, das hätte ich auch gerne. Dass alles möglich ist, und dabei meine ich nicht irgend einen Firlefanz, sondern wirklich sinnvolle Hoffnungen und Wünsche. Und davon haben Sie, habe ich, haben wir alle wahrscheinlich so einige in Petto.
Wenn das alles sehen würde”, dass wäre was!  Dass es nichts gibt, wo man sagen muss:
– das geht nicht
– das schaffst du nicht
– das klappt doch nie
– dafür fehlen uns die Mittel oder Fähigkeiten.

Wenn alles möglich wäre, die Türen zu meinen Hoffnungen sperrangelweit offen – „alles ist möglich, dem, der da glaubt” – ein Traum. Aber oft genug ist es halt ein Traum – ganz so einfach klappt es anscheinend nicht.
So ergings aus Bruce Nolan, der Hauptperson in dem nach ihm benannten Kinofilm „Bruce allmächtig”. Bei dem hat das eben nicht geklappt . Und er macht etwas, was wir uns oft nicht trauen: Er legt sich mit Gott an, er schimpft, tobt und macht seinem Herrgott alle möglichen Vorwürfe. Denn Gott kümmert sich ja nicht um ihn. Kein einziger seiner großen Wünsche ist im letzten Jahr in Erfüllung gegangen. Seine Karriere bei einem Fernsehsender ist gescheitert, mit der Freundin gibts nur noch Streit und der Hund pinkelt in die Wohnung. Und an allem ist Gott schuld, weil er ja offenbar nur Zeit hat, die Wünsche der anderen zu erfüllen. Aber er, Bruce,  ist der Angeschmierte und muss mit seinem 08/15 Leben weitermachen.
Und dabei wünscht er es sich doch so sehr, dass Gott endlich mal alle seine Wünsche und Hoffnungen erfüllt. Dass er endlich mal Karriere wacht, dass alles funktioniert, er herauskommt aus seinem kleinbürgerlichen Mief!
Bis das Telefon klingelt, und Gott persönlich anruft, um da mal einiges mit ihm zu besprechen…

ROLLE DES GLAUBENS

Liebe Familie L. , liebe Gemeinde,
halten wir den Film mal an, und überlegen selber, was da los ist. Auf der einen Seite viele Wünsche (die haben wir auch, denke ich), auf der anderen Seite machen wir nicht die Erfahrung, dass alles klappt wie erhofft. Woran liegts? – Am Glauben? Wer zu wenig glaubt, hat Pech? Schließlich sagt Jesus: „alles ist möglich, dem, der da glaubt”. Glauben wir zu wenig?

Aber da passiert doch in dieser biblischen  Heilungs-Geschichte etwas ganz anderes: Der Vater des Kindes ist ja gerade nicht der Held, der über jeden Zweifel erhaben ist; eigentlich ist er völlig ver-zweifelt, ein Häufchen Elend, das sich über seinen Sohn riesige Sorgen macht. Da ist auch nur begrenzt Hoffnung: „Hab doch Erbarmen mit uns! Hilf uns, wenn du kannst!” – „Wenn du kannst” sagt er, das ist ja nicht gerade Ausdruck des alltertiefsten Vertrauens. Nachher hören wir ihn sagen. „Ich vertraue dir ja – hilf mir doch gegen meinen Zweifel”

Und: Es gelingt! Der Junge wird geheilt, obwohl auf den ersten Blick der Glaube des Vaters ein dünnes Fädchen war.  Geht es etwa gar nicht um „viel“ oder „wenig“ Glauben? Sondern um die grundsätzliche Frage:
– Worauf stehe ich?
– Was ist das Fundament meines Lebens?
– Auf wen will ich mich verlassen?
Glaube heißt für mich: Ich baue mein Leben auf Gott, weiß mich in seiner Hand und erwarte, dass letztlich von ihm kommt, was ich zum Leben brauche.
Wer glaubt hat darum eine offene Tür in seinem Leben, durch die Gott in sein Leben tritt und es verändern kann.
Wo ein Mensch diese offene Tür für Gott hat, durch die der Allmächtige eintreten darf, da sind dann auch alle Dinge möglich. –
Da muss mein Glaube gar nichts weiter aufzuweisen haben, als dass ich mich an diesem Gott festhalte.
Wo Gott im Spiel ist, da ist eben nichts unmöglich.

Glaube als Festhalten an Gottes Möglichkeiten … nicht an meinen Leistungen.
Vielleicht sind die Jünger Jesu mit ihren Heilungsversuchen gescheitert, weil sie diese offene Tür zu Gott verschlossen hatten. Wollten sie im Vertrauen auf eigene Vollmacht den Jungen heilen? Immerhin sind sie ja Jesu ausgewählte Jüngerschar. Haben sie vergessen: Nicht die Glaubenshelden vollbringen die Heilung, das Wunder, sondern Gott selber.

WAS IST DENN DAS WUNDER?

Dabei komme ich zu einem zweiten Punkt. Was ist denn das Wunder, wie sehen die Sensationen aus, die auf denjenigen zukommt, dem alles möglich ist, weil er glaubt?  Manchmal sind wir da ja recht einfach gestrickt in unseren Erwartungen, alles soll schön und gut werden. Sauber und glänzend. Naja, viellelicht so ähnlich wie bei diesem Bruce, in diesem Film, von dem ich vorhin gesprochen habe.

Ich habe ihn ja noch nicht zu Ende erzählt. Das will ich jetzt noch tun:
Nachdem Bruce sich so bitter über seine nichterfüllten Wünsche beklagt hat, kam Gottes Antwort. Er begegnet ihm in Form eines Manns im weißen Anzug, und überträgt auf Bruce für ein paar Tage die Macht, die wir bei Gott vermuten: Die Macht, alles so zu  beeinflussen, wie er es eben will.
Bruce versucht es und stürzt dabei seine Heimatstadt in ein unglaubliches Chaos. Zwar bekommt jeder seine Wünsche irgendwie erfüllt, aber weil diese Wünsche oft recht eigensinnig sind geht letztlich alles drunter und drüber.  Als dann schließlich offene Straßenkämpfe ausbrechen, weil Tausende einen 6er im Lotto haben, aber dafür eben nur ein paar Dollar bekommen, da zieht Bruce die Notbremse und ruft Gott zu Hilfe.
Der kommt und hört sich die Klagen von Bruce an … das alles so schrecklich schief geht, dass er doch alles gut machen wollte, aber es gar nicht so einfach ist. Er seufzt: Wenn man jedem das gibt, was er sich wünscht, tut man ihm eigentlich auch keinen Gefallen.
Willkommen in meiner Welt” sagt Gott. Und er erklärt Bruce, was wirklich Wunder sind:
– Eine alleinerziehende Mutter die zwei Jobs hat und noch die Zeit hat ihren Jungen zum Fussballtrainung zu fahren das ist ein Wunder.
– Ein Teenager der Nein zu Drogen und Ja zu seinem Schulabschluss sagt das ist ein Wunder.
Der Behinderte, der gelernt hat, mit seiner Einschränkung zu leben und wieder aufblüht, der ist ein Wunder.
– Wo einer spürt, dass er auch mit Übergewicht und einer viel zu großen Nase viele gute Freunde haben kann, der ist ein Wunder.

Vielleicht suchen wir die Wunder manchmal an den falschen Stellen. Vergessen was wirklich wichtig ist.

Liebe Familie L., liebe Gemeinde,

„alles ist möglich, dem, der da glaubt”. Jesus hat da einen Satz gesagt, der uns herausfordert, der ist nicht so einfach und harmlos, wie er auf dem ersten Blick erscheint. Denn erstens stuppst er mich, Sie und ihren Luke an und sagt: Vertraue auf Gott, halte dich an ihm fest, erwarte dass er dir im Leben helfen kann.

Und zweitens warnt er mich: Auch wenn theoretisch alles möglich ist, musst du lernen, mit den Gegebenheiten des Leben umzugehen, aber genau dabei will Gott dir helfen.

Amen

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