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Predigt: Gottes Hände (ungewöhnliche Bildpredigt zu Michelangelos „Erschaffung Adams“) 20. Januar 2012

Dhand1iese Taufpredigt gibt den Zuhörern das bekannte Bild „Erschaffung Adams“ in die Hand. Warum soll man das Bild nicht mal ein bisschen drehen und wenden? Erstaunlich, was in diesem Bild alles steckt.

Liebe Gemeinde, liebe Mathilda,

du hast dir als Taufspruch einen Vers ausgesucht, den wir beim Propheten Jesaja finden. Dort sagt Gott„ Denn ich bin der HERR, dein Gott, der deine rechte Hand fasst und zu dir spricht: Fürchte dich nicht, ich helfe dir!” (Jes 41,13)

Gott, der deine rechte Hand fasst.
Gott, der uns Menschen bei der Hand fasst.
Wie macht der das eigentlich? Wie kann ich mir das vorstellen?

Ich habe mir dazu ein Bild gesucht – noch dazu ein ziemlich bekanntes: „Die Erschaffung Adams” von Michelangelo. Und ich habe mir gedacht, dass man damit ganz gut erklären kann, wie das ist, wenn Gottes Hand in unserem Leben auftaucht. Aber dazu brauche ich ein bisschen Deine und Ihre Mithilfe – Und zwar, indem wir das Bild genau in der Mitte zusammenfalten und damit halbieren. Und nun drehen wir das Bild so, dass Gottes Arm von oben herab nach unten zeigt.

hand2Der Fingerzeig der Verklärung

Vorhin haben wir im Evangelium gehört: „Als Jesus  noch so redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!”  (Mt 17,5) In dieser Erzählung gab es diesen Fingerzeig Gottes, der Klarheit schaft. Sozusagen von oben herab bekommen die Jünger erklärt, was Sache ist: Alle bisherigen Zweifel werden ausgeräumt: Jesus ist Gottes Sohn, in diesem Moment gibt es für die Anwesenden keine weiteren Fragen.

Dass der Himmel ein Stückchen aufgeht, und Gott selbst für Klarheit sorgt. Solche Momente gibt es auch heute noch. Aber sie sind selten; umso bedeutender und prägender ist es, wenn das erlebt.
Das kann in einer Begegnung mit anderen Menschen passieren.
In der Stille eines Abends.
Oder in einem Ereignis, das man als Zeichen Gottes versteht.
Dass das alle Unsicherheiten und Zweifel plötzlich wie weggeblasen sind und man verspürt eine innere Gewissheit:  Gott ist da, er ist mir nahe, denn das, was ich gerade erlebe, ist zumindest für mich ein Zeugnis Gottes.

– Ja, da war dann Gottes Hand mit so einem Fingerzeig am Werke. Das ist eben eine Form, die Hand Gottes zu erleben.

 

Der Gott, der anfasst

hand3Liebe Gemeinde, jetzt lassen wir unseren  Zettel so, wie er ist, und klappen ihn wieder auf.

Wenn ich nicht wüsste, was da abgebildet ist, könnte dieses Bild auch aus einer dramatischen Spielfilmszene sein. Der da unten, der befindet sich in Gefahr. Vielleicht droht er von einer Klippe in eine Schlucht abzustürzen und von oben reicht einer seinen rettenden Arm herunter zieht den armen Kerl aus der Gefahrenzone.

Mathilda, ich denke, spätestens jetzt fühlst du dich an deinen Taufspruch erinnert: „ Denn ich bin der HERR, dein Gott, der deine rechte Hand fasst und zu dir spricht: Fürchte dich nicht, ich helfe dir!” (Jes 41,13)

Gott, der eine kräftige Hand hat, der mich bei der Hand nimmt, kräftig zupackt und mir hilft. Diese Hoffnung gehört grundlegend zu unserem Glauben dazu.

Ich will in meinem Leben mit dieser Hand Gottes rechnen – will mir von Gott etwas erwarten.

– Dass er Dinge, die nicht in Ordnung sind, verändert.

– Dass er mir Kraft verleiht, gerade dann, wenn ich eigentlich am Ende bin.

– Dass er mit Mut macht, wo ich ängstlich und verzagt bin.

Als naturwissenschaftlich aufgeklärte Menschen tun wir uns häufig schwer, zu erwarten, dass Gott etwas tut – dass er von außen in diese Welt eingreift. Notfalls versuchen wir Unerklärliches dann über die Psychologie oder sonstwas zu erklären; was aber auch nicht immer gelingt.

Wir haben im Konfirmandenkurs am vorletzten Freitag darüber gesprochen. Wenn da einer betet, und dann erfüllt sich das auch noch – entgegen aller mathematischen oder physikalischen Wahrscheinlichkeit. Da ist es egal, ob ich das ausdrücklich als „Wunder” deklariere. Beweisen lässt sich ein „Wunder” sowieso nicht.

Aber ich stelle fest: Da hat jemand etwas von Gott erbeten – und das ist dann entgegen aller Wahrscheinlichkeit eingetroffen. Warum sollte man nicht wieder einmal darauf hoffen, dass so etwas bald mal wieder passiert. Dass ich Gott um etwas bitte und er  mich bei der Hand nimmt, und mir sagt: „ Fürchte dich nicht, ich helfe dir!”

 

Die Hand, in die ich mich geborgen hineinlegen kann

hand4Kommen wir zur nächsten Perspektive. Wir klappen Adam wieder nach hinten weg und drehen das Bild noch einmal eine Vierteldrehung gegen den Uhrzeigersinn. Wenn ich nun auf die Hand Gottes blicke, dann gleicht sie ein bisschen einem hohlen Gefäß. Nur der Zeigefinger steht seltsam ab – aber sonst könnte ich, wenn ich klein genug wäre, mich in diese Hand hineinkuscheln. Wie in kleines Baby in sein Nest. Geborgen in Gottes Hand.

Wenn Sie nun einmal das Blatt aufklappen, sehen Sie das Bild einer Skulptur, die das ausdrückt, wie es Worte kaum können.
Die Geborgenheit, die unser Glaube uns vermittelt, kann enorm sein. Und ich denke, wir haben dieses Gefühl der Geborgenheit nötig. In einer Welt, die uns mit immer diffuseren Gefahren umgibt. Es ist ja nicht der Räuber in der Nacht oder der böse Ostblock der uns bedroht. Schleichende, unsichtbare  Gefährdungen, die theoretisch überall lauern. Multiresistende Bakterien, Klimawandel … das größe Risiko aller dieser Dinge liegt darin, dass wir uns vor lauter Angst verrückt machen.
Und dann schaue ich mir das kleine Kerlchen an, dass in diese Hand hineingekuschelt schläft:
Ja, wohl dem, der einen Größeren hat, dem er vertraut.
Der weiß, mein Leben liegt in Gottes Hand – ich muss mich nicht verrückt machen. In diese Hand kann ich mich vertrauensvoll fallen lassen.
Der kann auch am Ende einen Tages sagen: Lieber Gott, ich hab heute vielleicht nicht alles 100%ig so hinbekommen, wir es ideal gewesen wäre. Aber ich lege diesen Tag zurück in deine Hände und vertraue darauf, dass du doch etwas Gutes aus meinem Anstrengungen werden lässt.
Es ist entlastend, wenn man weiß: Letztlich liege nicht nur ich, sondern auch das Ergebnis meines Tuns und Lassens in Gottes Hand.

 

Gott als der, der mich auf den Weg schickt

hand5Einmal müssen wir das Bild noch drehen, dann sind wir rum: Und nun um eine halbe Drehung. Ich sehe Gott am rechten Rand mit einem energisch ausgestreckten Zeigefinger. Und weil ich links keinen Adam sehe, überlege ich: Zeigt der vielleicht auf mich? Und ich merke: Es gibt auch die andere Seite: Nicht nur kuschelige Geborgenheit, der Gott, der mir weiterhilft, wo ich in der Klemme stecke – dieser Zeigefinger ermahnt mich, er hat Autorität, er sagt mir:

Du musst dir von mir auch etwas sagen lassen. Ich habe Regeln für dein Leben, Mensch. Und die habe ich dir gegeben, damit dein Leben gelingt.

Ich denke, das ist eine „du, ich sag dir mal was”-Hand und sie spricht zu dir Mathilda, und zu jedem von uns. „Weißt du,” sagt mir diese Hand mit dem ausgestreckten Zeigefinger, „es geht mir um dich! Dich meine ich ganz persönlich. Dir will ich helfen, deinem Leben will ich die Chance geben, dass es über den Tod hinausreicht. Darum reicht meine Hand von meiner Welt hinüber in deine Welt.
Ich helfe dir, indem ich deinem Leben einen Ort der Geborgenheit gebe.
Ich helfe dir, indem ich dir in schwierigen Momenten die Hand reiche und dich unterstütze, wo deine Kraft am Ende ist.
Ich helfe dir, indem ich dir kleine Zeichen auf den Weg streue, die dir zeigen, dass ich da bin.
Und ich helfe dir, indem ich dich mit deinen Entscheidungen nicht alleine lasse, sondern dir gute Regeln für dein Leben mitgebe.”

Das sind die Worte, die diese Hand Gottes zu mir sagt.

Liebe Gemeinde, liebe Mathilda
wie man es dreht und wendet: Gott findet viele Wege, auf denen er in unserer Welt seine Hände mit im Spiel hat.
Ich wünsche Dir von Herzen, dass du das auch immer wieder spüren kannst.

Amen

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