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Predigt: Allein, weil es dich gibt … (1. Tim 4,4) 30. September 2012, Erntedank

Erntedank2012Erntedankpredigt mit einer aus der Welt der Kirchenmäuse: Wie ist das mit den Dingen, wie man nicht will und nicht braucht? Mäuschen Elvira macht da so manche Erfahrung

Predigttext: 1. Timotheus 4,4:
Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird;

 

Liebe Gemeinde
alles ist gut! Alles ist toll! Alles ist klasse!
Das könnte das heimliche Motto des Erntedankfestes sein.
Denn wir feiern heute das, was gelungen ist. Und die Erntedankgaben sind ein deutlicher Hinweis auf das, was da alles gewachsen und gelungen ist auf unseren Feldern und in unseren Gärten.
Trotz des trockenen Sommers ist es doch noch ganz gut geworden.
Und dafür sagen wir traditionell an Erntedank ein Dankeschön an unseren Schöpfer. Danken für seine Fürsorge, dafür, dass er uns schenkt, was wir brauchen – so dass wir am Ende nicht mit leeren Händen, leerem Keller und leerer Gefriertruhe dastehen.

Man muss keinen großen Gedankensprung machen, um „Erntedank” auch etwas weiter zu fassen.  Beim Bauern wächst ja nicht nur der Mais, sondern er freut sich auch, wenn die Kühe im Stall gesund bleiben und eine ordentliche Milchmenge produzieren. Die Mutter in der Siedlung ist froh über die prächtigen Mohrrüben im Garten… aber mindestens genauso dankbar ist sie, wenn die Kinder in der Schule gut vorankommen.  Und wer Verantwortung in einem Unternehmen hat, für den ist Erntedank wohl auch Gelegenheit danke zu sagen für einen guten Geschäftsverlauf, für ausreichend eingehende Aufträge und ausgebliebende Produktionspannen.
Wir danken heute für alle diese Fürsorge, die wir erfahren. Für gute „Ernte” im eigentlichen und im übertragenen Sinn. Und dann kann man sich auch einfach an unseren wunderbar geschmückten Erntedankaltar freuen.

Aber wir wissen auch – wir machen immer wieder die Erfahrung, dass es mit der Ernte nicht klappt. Dass man Misserfolge und Rückschläge erlebt. Kleine oder auch große. Und doch lassen wir das Erntedankfest nicht ausfallen.  Ja sogar in Ländern und Regionen, wo nur wenig wächst, und die Menschen oft sogar Hunger leiden, feiert man bewusst das Erntedankfest: Um sich zu an zwei Dinge zu erinnern:
Erstens: Wir haben etwas zu essen, und sind froh und dankbar, dass überhaupt etwas da ist. Es hätte auch schlimmer kommen können.
Zweitens: Wir vertrauen darauf, dass Gott es gut mit uns meint. Auch wenn unser Leben nicht problemlos verläuft und wir so manches Schwere tragen müssen: Wir hoffen, dass Gott uns dabei nicht alleine lässt.

Liebe Gemeinde in Wilhelmsdorf/Brunn.
Wir feiern Erntedank als Zeichen der grundsätzlichen Fürsorge Gottes für unser Leben, auch wenn wir manchmal ganz andere Erfahrungen machen. Vielleicht müsste man einmal mutig sein, und dementsprechend an Erntedank Dinge, die wir als eher sinnlos und unnütz oder gar schlecht betrachten hier mit hindrapieren. Ein Körbchen mit Disteln, Brennesseln, einer Wühlmaus, und die Reste einer vom Hagel zerschlagenen Zucchini.

Der offizielle Predigttext von heute ist ein Satz: „Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird;” – Paulus schreibt das an Timotheus.

Das ist eine Behauptung, die ich Ihnen nicht beweisen kann. Aber man kann sich daran machen, es zu erfahren! Zu erleben, dass vieles seinen Sinn und seinen Grund hat, auch wenn ich ihn noch nicht kenne. An Erntedank das, was man hat, dankbar anzunehmen. Und das, was nicht so lief, wie erhofft, akzeptieren, und hoffen, dass sich irgendwann der Kreis schließt und ich erkenne, dass es Gott letztlich doch gut mit mir gemeint hat.

Vielleicht so, wie in meiner Geschichte vom Mäusekind Elvira – die sich auch fragt: Wozu so manches überhaupt gut sein soll … vor allem, wozu sie selber gut sein soll:

Die Erzählung von Elvira (Alexander Seidel)

Ganz ängstlich und verschreckt schlupfte das Mäusekind Elvira durch das kleine Mauseloch in ihr Versteck unter der Kirchentreppe. Sie zitterte am ganzen Körper: Ihre Barthaare wackelten, ihr Schwanz schlotterte und auch ihre Öhrchen zitterten. „Mama” rief sie „eben hat mich die Putzfrau mit dem Besen verfolgt. Ganz laut hat sich gekreischt und immer wieder neben mir auf den Boden geschlagen”. Elvira kuschelte sich an ihre Mäusemama und beruhigte sich langsam wieder, während ihre Mama sie im Nacken kraulte.

„Ja ja, ich weiß,” sagte sie „die meisten Menschen mögen uns ganz und gar nicht. Weder hier in der Kirche noch daheim. Manche stellen sogar Fallen auf oder legen sich eine Katze zu. Das war schon immer so, mein Schatz”.
„Mama, die Putzfrau hat gerufen: Weg mit euch nutzlosem Pack. Sag mal, sind wir Mäuse wirklich so nutzlos? Für irgend etwas müssen wir doch gut sein. Ich meine: Es muss doch etwas geben, wo wir gebraucht werden – oder?”
Die Mäusemama schaute einen Moment ratlos drein und antwortete: Am besten, du gehst rüber zu Papa und fragst den.

Elvira huschte um ein Mauseloch weiter zu Papa, der gerade mit ihrem Bruder Max ein paar Getreideähren aufräumte. „Papa, kannst du mir sagen, wofür wir Mäuse eigentlich gut sind?”
„Tja,” antwortete er , legte die Getreideähre zur Seite und schob seine Brille etwas nach oben, damit es intelligenter aussah. „Wir Mäuse sind ganz wichtig für diese Welt … also für ganz viele Dinge …ja … zum Beispiel …. – Ah ja, zum Beispiel sind wir dazu da, damit das Getreide, das den Bauern bei der Ernte herunterfällt  nicht am Boden liegen bleibt, sondern von uns gesammelt und in unseren Vorratshöhlen gelagert wird. Und das gleiche gilt für den Käse und den Speck der Menschen, den sie in ihren Häusern herumliegen lassen. Wir räumen den auf und fressen ihn. Damit sind wir den Menschen eine große Hilfe.”
Elvira sah nicht sehr überzeugt aus.

„Ich habe auch eine Idee” rief ihr Bruder Max: „Ich habe gelesen, dass die Katzen uns brauchen … nämllich als Futter…” entsetzt sahen Elvira und Papa ihn an. Er brach seinen Satz ab und schämte sich für seine dämliche Idee.

Enttäuscht schlich Elvira zurück: Durch Mamas Höhle hin zum Mauseloch, das in die Kirche hineinführte. Die Putzfrau war inzwischen weg; so trippelte sie vor an den Altar, wo diese vielen wundervollen Erntedankgaben lagen.
Und der Pfarrer hatte aufgezählt, wofür man dankbar sein kann: Das Getreide auf dem Feld, die Milch im Stall, die Mohrrübe, volle Auftragsbücher und sogar für fleißige Schüler.  Aber von den Mäusen hatte er nichts gesagt. Kein Wort! Hatte der Pfarrer sie etwa übersehen. Oder waren sie tatsächlich für gar nichts gut?

„Hallo Gott,” fiebste sie „kannst du mir sagen, wofür wir Mäuse eigentlich gut sind  – bitte !? Ich brauche eine Antwort – aber schnell.” Und im selben Moment hörte sie ein leises Rauschen das von oben herab kam, genau auf sie zu und sie hörte eine zarte Stimme: „Hallo kleines Mäusekind”.
Es war die Spinne Amanda. Die hatte sich gerade von der Kante des Lesepults an ihrem feinen Faden zur kleinen Kirchenmaus herabgelassen. „Ich habe gehört, was du gesagt hast. Und ich muss dir sagen: Ich kenne das Problem: Die meisten Menschen schreien,: „iiih, eine Spinne!”  wenn sie mich sehen. Wenn sie meine Netze entdecken, zerstören sie sie. Keiner scheint mich zu mögen. Obwohl ich keinem Menschen etwas zuleide tue, finden mich alle schrecklich.
„Ja”, seufzte Elvira „es ist furchtbar. Ich fühle mich klein, nutzlos und wertlos”.
„Nein-nein-nein” flüsterte Amanda eifrig, schau doch mal dorthin,  zu den ganzen Sachen, die die Menschen heute zum Erntedankfest hierhergelegt haben. – Fällt dir da nichts auf??”
Elvira schaute zu den Äpfeln, Kartoffeln, Birnen und Pflaumen. Zu dem Weizen, den Roggen, der Gerste, den Hafer und den Mais. „Was soll mir da auffallen? Eben lauter leckere Sachen, die die Menschen mögen und brauchen!”. „Nein, liebe Maus”, erklärte Amanda: Das meiste von den Dingen da vorne ist überflüssig! Die Pflaumen, die Kartoffeln, sogar die Äpfel und Tomaten brauchen die Menschen eigentlich gar nicht zum Überleben. Die würden mit einem bisschen Getreide, Wasser und etwas Kohlrabi auch leben können. Aber Gott hat es gefallen, unsere Welt mit vielen vielen Dingen zu füllen, die sie nicht brauchen, aber die unsere Welt schöner, bunter oder vielfältiger machen.

Schau dir die Sonnenblume an. Die braucht kein Mensch, aber alle sind froh und dankbar, dass es sie gibt. Und du kleines Mäusekind Elvira, auch du bist wie diese Sonnenblume: Gott hat beschlossen, dass die Welt jemanden wie dich braucht.  Die Welt wäre ohne dich nicht vollständig. Auch wenn kein Mensch auf der Welt sich erklären kann, warum es dich gibt: Gott hat gewollt, dass du im Bauch deiner Mama heranwächst und hier in unserem Dorf auf die Welt kommst.  Was gibt es Schöneres, als zu wissen: Der Gott, der Herr der Welt, hat höchstpersönlich beschlossen, dass diese Welt dich braucht. Du bist Gottes Geschenk an diese Welt.”

Elvira, stellte sich aufrecht auf ihre Hinterbeine und reckte ihre Mäusenase in die Höhe: „Ja, ich glaube, so ist es. Denn auch meine Eltern lassen mich oft spüren, dass ich ganz wichtig für sie bin. – Wie konnte ich nur so dumm sein, und auf diese Menschenfrau zu hören, die mich als unnütz beschimpft.

„Nunja,” murmelte Amanda, vielleicht sollte ich für sie mit meinem Faden eine Inschrift über die Eingangstür weben: „Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut. Frage nicht, wozu es gut ist, sondern akzeptiere dass es da ist.”

Aber diese Worte hörte Elvira schon nicht mehr, denn sie war schon voller Tatendrang und Stolz in ihrem Mäuseloch verschwunden.

AMEN

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