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Predigt: Jesus als Apotheker (Mt 11,28) 21. November 2012, Buß-und Bettag

Predigt zum Buß- und Bettag 2012 anhand des Gemäldes „Christus als Apotheker“. Bibeltext:  Kommt her, die ihr mühselig und beladen seid…
Das Bild ist erhältlich im Gottesdienstinstitut Nürnberg

Entschlossen steuert Isolde auf die Apotheke in der Ortsmitte zu: „Schau, die haben sogar offen” die haben bestimmt was für deinen Fuß! „Ach komm, neee – des brauchts net- des halt ich schon noch aus!” Isoldes Mann Olaf wehrt entschieden ab und humpelt hinter ihr her: „Was sollen die denn schon groß für mich haben. Da gibts bestimmt nichts Gescheites in so einer italienischen Apotheke. Das mit der Feuerqualle, das wird schon wieder… Autsch ah, wie des brennt …”
„Stellt dich nicht so an” kontert sie „die tun dir schon nichts. So kannst du mit deinem Fuß jedenfalls nicht weitermachen …”

Liebe Gemeinde,
ich überlasse es Ihrer Phantasie, wie Sie diese Geschichte weitergehen lassen. Aber die können sich denken: In dieser Apotheke hätten die beiden sicher jemanden gefunden, der sich Olafs Fuß angeschaut hätte: „Ah, kein Problem. das haben wir ganz oft, und da hilft diese Salbe ganz wunderbar. Früh, mittag, abend auftragen, Bein schön hochlegen und in 2 Tagen ist es vorbei”.
Auch wenn nicht gegen alles ein Kraut gewachsen ist: In der Apotheke kann dir geholfen werden. Da ist jemand, der sich auskennt, der dir weiterhilft –  du musst halt hingehen.

Aber das ist für manche halt das Problem – dass sie lieber immer alles mit sich selber ausmachen.
Allein für sich. Allein mit sich. Bloß keinen anderen reinschauen oder reinreden lassen – so wie der Olaf mit seinem entzündeten Fuß. „Dass geht schon, das kriege ich schon alleine hin.” Und dann wird halt irgendwie weitergewurstelt.

Ich denke, wir Menschen sind nicht zum Alleine-wursteln gemacht. Wir sind als Beziehungs-Wesen geschaffen: „Es ist nicht gut, dass der Mensch alleine sei” – wir sind so gestrickt, dass wir manchmal für bestimmte Dinge einfach einen Anderen brauchen, einen der uns hilft.

Jesus als Apotheker! – Das Bild, das Sie hier in den Händen halten, das zeigt tatsächlich Jesus als Apotheker! Man sieht ihn, wie er sachkundig verschiedene Mittel abwiegt und zusammen mischt. Es ist in der evangelischen Kirche von Gussenstadt im schwäbischen Landkreis Heidenheim zu sehen und etwa 340 Jahre alt.

Ich denke, es passt gut zum Buß- und Bettag. Denn dieser Tag, ebenso wie das Bild von Jesus als Apotheker haben einen therapeutischen Ansatz.
Weil es ja immer etwas gibt, was nicht so gut läuft, weil man ja weiß, dass in manchem der Wurm drin ist, weil man um die kleinen Blessuren und Malheure des eigenen Leben weiß.
Ja, und da gibt es einen, der anbietet: Ich kann dir helfen, ich habe da etwas für dich, was dir Heilung bringt. – Und da sind wir wieder beim alten Problem des „sich nicht helfen lassen wollens”.

Aber für den der sich helfen lassen will, birgt dieser Gedanke der „Apothekers” und auch dieses Bild einige interesannte Aspekte.  Zwei davon möchte ich mal betrachten.

Der eine Punkt: Bei einem Apotheker kann ich bekommen, was mir weiterhilft, mich vielleicht sogar gesund werden lässt. Aber ich muss mir das natürlich auch antun, was er mir empfiehlt. Und im seltensten Fall bekomme in ein Wundermittel, das mich Blitzschnell von allen Leiden befreit. Vielmehr habe ich es mit einem Heilungsprozess zu tun, der Zeit braucht. Stück für Stück wird es besser.
Und selbst wo wir heute in diesem Gottesdienst bei Beichte und Abendmahl und von jetzt auf gleich bewusst sein dürfen, dass Gott uns unsere Sünden vergeben hat. So manches, was uns bedrückt, hat seine Abdrücke auf der Seele hinterlassen, die nur allmählich verschwinden.
So dürfen wir dank Gottes Vergebung eigentlich frei aufatmen – aber manchmal holen uns die alten Erinnerungen und Geschichten wieder ein , und dann muss man sie mit den Selbstbewusstsein eines Geheilten immer wieder man davonscheuchen. Auch frei werden kann ist ein langsamer Prozess sein.

Der andere Punkt: Dieser Apotheker-Jesus auf diesem Gemälde hat einen sehr vielfältigen Vorrat an „Medizin”, mit der er hier tätig ist. Da steht so manches: Mit einer Lupe kann man das hier halbwegs lesen, was der Künstler darauf gemalt hat. Und er hat sich da einiges gedacht:
– Hilfe in Nöten, Ewiges Leben, Gottes Gnade: Ja, da nehmen wir gerne was davon.
– Friede, Gerechtigkeit, Geduld: Damit lasse ich mich auch gerne behandeln. Aber Vorsicht: Wahrscheinlich ist das hier antik-homöopatisch gedacht: „Gleiches soll mit Gleichem therapiert werden”: Friede, Gerechtigkeit, Geduld … das sind nicht nur die Tropfen, die Jesus mir verschreibt: Das ist auch das, was er von mir als Ergebnis seiner Therapie von mir erhofft.
– Und da ist das große Säckchen, aus dem Jesus gerade einen Löffel genommen hat: „Kreuz-Wurz” steht darauf geschrieben. Und damit meint der Maler nicht den Enzian, der auch so genannt wird, sondern die Dosis an Leiden und Sorgen, die zu einem Leben immer auch dazugehören

Jesus sagt: „Mensch, auch wenn du gerne das perfekte Leben hättest; bei mir bekommst du eine therapeutische Mischung, zu der auch ein gewisser Anteil an „Kreuzwurz” gehört.” Auch wenn es sich keiner wünscht: Es wäre illusorisch, zu denken, es gäbe ein Leben ohne diese Schattenseiten.

Liebe Gemeinde,
Rechts oben auf diesem Bild steht ein Jesuswort aus dem Matthäusevangelium:
„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.” Und weiter heißt es da: „ Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.”
Und dann schaue ich mit diesem Jesus auf dem Bild an, der da mit schönen und auch weniger schönen Heilmitteln hantiert. Ich spüre, die Ruhe, die er bei seinem Tun ausstrahlt. Entspannt, unaufgeregt; er weiß offenbar genau, was er da tut … da gibts keinen Zweifel, dass er hier das richtige Maß abwiegt. Allein schon seine Handhaltung lässt mich erahnen: Hier wird sehr präzise abgewogen wird, da muss ich keine Sorge haben, dass ich mir bei diesem Apotheker eine falsche Dosierung einhandle.

So will ich Vertrauen haben, dass ich in seiner Apotheke gut aufgehoben bin. Dass ich bei ihm das Richtige bekomme:
– Das, was ich brauche
– Nicht immer das, was mir gut schmeckt
– Aber das, was mir in meinem Leben weiterhilft.

Amen

 

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