Engel Aloisius und der Landesstellenplan

Dieses Stück erklärt, wie es auf dem flachen Land zu einer teilweise drastischen Kürzung der Pfarrstellen kam. Bisher war die Meinung verbreitet, dass die Landessynode der bayerischen Landeskirche dafür verantwortlich ist.
Dieses Stück offenbart die Wahrheit: Es war eine Verkettung unglücklicher Umstände. Tragischer Held für uns Franken: Der altbayerische Nationalheld „ENGEL ALOISIUS“

Szene 1: Im Landeskirchenamt

Frau Anna-Luise Holze-Stäblein steht dem Engel Aloisius gegenüber und hat einen Korb in der Hand, darin 24 Pfarrer-Papierfiguren. Auf dem Tisch: Taschenrechner, Akte und, Papier.

Sprecher:  Liebe Gäste, wir hören immer wieder Klagen, dass das böse Landeskirchenamt den Dorfgemeinden die Pfarrer wegnehmen würde. Weil wir der Wahrheit verpflichtet sind, müssen wir ihnen mitteilen: Das ist nicht so!  Eigentlich haben die Kirchenoberen es richtig gut mit uns gemeint, als sie bei der letzten Stellenrevison über unseren Stellenplänen gebrütet haben. Denn eigentlich … ja eigentlich sollten wir im Dekanat Uffenheim mit Stellen förmlich überschüttet werden.

Stäblein:  Diese Uffenheimer! Kaum zu glauben: Lauter fromme Leut́. Da haben die Pfarrer ja alle extra ein Gutachten über ihre Gemeinden geliefert, damit wir wissen, was da alles los ist. Die Gelchsheimer zum Beispiel, die wollen eine eigene Gemeinde aufmachen. Naja, das leuchtet schon ein, bei 100 Leuten. Und der Gottesdienstbesuch: 120-130 Leute jeden Sonntag. Na, die haben sich wirklich einen Pfarrer verdient. Über hundert Prozent – tja – da sist halt das flche Land. Bei uns in München sind wir ja schon froh, wenn wir nicht unter 0 % rutschen. Also mehr Am Sonntag aus der Kirche austreten als reingehen.

Aloisius (klopft an, schaut rein) Frau Oberkirchenrätin Anna-Luise Holze-Stäblein, sind sie fertig mit den Pfarrstellen für Uffenheim? Ich sollte die doch heute nich ausliefern!

Stäblein (leicht irritiert)  Äh, ja, Engel Aloisius , gleich, sofort. (Wirft Pfarrfiguren in einen Korb)  Das müsste das Rahmenkontingent für Uffenheim sein … soweit …

Aloisius:  (blickt in den Korb, zählt) Frau Oberkirchenrätin Anna-Luise Holze-Stäblein, diese alle sollen nach Uffenheim? Das sind ja 24 Stück. Brauchen die denn dort so viele?

Stäblein:  Aber Herr Engel! Sie wollen doch etwa nicht die vorausschauende Weisheit …

Aloisius:  … der himmlischen Vorsehung in Zweifel ziehen?

Stäblein:  Unsinn! Dieser Stellenplan entstammt nicht der himmlischen Vorsehung, sondern der gesammelten planerischen Kompetenz des von uns beauftragten Unternehmensberatungsinstituts „McKinsey“. Und die haben berechnet, dass 24 Pfarrstellen in Uffenheim die allerbeste Ausnutzung der „Human Ressorces“ bei idealer Kosten-Nutzen-Rechnung bieten.

Aloisius:  Respekt, Frau Stolze-Häblein

Stäblein:  Holze-Stäblein…

Aloisius:  Aber warum brauchen sie dafür eine Firma wie McDonalds? Früher hat man doch die Pfarrer einfach so übers Land verteilt. Wie der Sämann im Gleichnis unseres Herrn Jesus? Bei den Guten wächst was, bei den Schlechten kommt halt nur Unkraut.

Stäblein:  Lieber Aloisius, man merkt doch sehr, dass sie als Engel nur noch in himmlischen Kategorien denken. Wir auf der Erde müssen nun mal betriebswirtschaftlich denken. Und außerdem ist mein Schwippschwager mütterlicherseits Public-Relations-Manager bei McKinsey.

Aloisius:  Ach so… Frau Holz-Stöcklein. Aber ist das nicht unheimlich teuer, so Unternehmensberater für die Kirche kommen zu lassen?

Aloisius bei der Oberkirchenrätin

Aloisius bei der Oberkirchenrätin

Stäblein:  (betrachtet nachdenklich ihren Korb, wir immer entsetzter) Stimmt… wenn man das so sieht… da fällt mir gerade ein: Wir müssen die Leute von McKinsey auch noch bezahlen! (sie holt einen Taschenrechner und fängt wie wild darauf zu tippen an, murmelt dabei Zahlen vor sich hin) Wo nehme ich denn das Geld her? Da wird es doch irgend etwas zum einsparen geben?  Vielleicht sollten wir den Hesselberg schließen, oder …. ?  (Berechnet) Ja, wir müssen 2 1/2  Pfarrstellen abziehen. (Sie nimmt zweiPfarrer heraus, beim dritten überlegt sie, wie man ihn teilen kann) Wie halbiert man die eigentlich? (Aloisius zuckt mit den Schultern. Stäblein schneidet ihn auseinander und legt die Hälfte wieder in den Korb) So, dann machen sie  sich mal auf den Weg. Auf Wiedersehen.

Aloisius:  Auf Wiedersehen, Frau Schaschlik-Stäblein …

Sprecher:  So zog nun unser Engel Aloisius – mit 21 1/2 Pfarrern im Gepäck – wacker vom Landeskirchenamt in der Landeshauptstadt München entlang der Autobahn A 9 in Richtung Norden. In Nürnberg, fiel er aber unter die Räuber. Genauer gesagt: ein Versicherungsvertreter stellte sich mutig unserem Engel in den Weg und überredete ihn zu einen Beratungsgespräch.

 

Szene 2: beim Versicherungsmakler

Engel Aloisius mit seinem Korb und der Makler eifrig mit Laptop

Eifrig:  Gestatten: Erwin Eifrig von der Nürnberger Versicherung. Was haben sie denn da in ihrem Korb?

Aloisius:  Fast zweiundzwanzig Pfarrer für das Dekanat Uffenheim.

Eifrig:  Und sind die denn versichert?

Aloisius:  Ja wogegen soll man die den versichern?

Eifrig:  Natürlich gegen Diebstahl! Wenn sie in ihrem gläsernen Pfarrhaus sitzen, dann ist ja alles in Ordnung. Aber manchmal werden die von ihren Frauen doch rausgelassen. Dann laufen die ja sozusagen ungeschützt herum. Ohne Leine, kein Gehege. Was glauben denn sie, wie viele Pfarrer jedes Jahr einfach so abhanden kommen!  Was soll denn ein Kirchenvorstand seiner Gemeinde sagen, wenn so ein Pfarrer dann einfach verschwindet und er ist nicht versichert!.

Aloisius:  Na gut, das leuchtet mir ein.

Eifrig:  Wie hätten sie ist denn gerne? Mit dem Ersatz des Neu-Wertes oder nur des Zeitwertes?

Aloisius:  Was soll denn das heißen?

Eifrig:  Na, dann bekommen sie für einen jungen Pfarrer einen neuen jungen Pfarrer. Andernfalls kriegen sie halt einen von dem etwas verbrauchteren Seelsorgern.

Aloisius:  Nix da! Ich habe hier im Korb frische Ware – also Neuwert-Ersatz.

Eifrig  (tippt fleißig): Und wie ist es mit einer Glasbruchversicherung?

Aloisius:  Ich glaube nicht, dass die da  viel Fußball spielen und Fenster zu kaputt schießen.

Eifrig:  Aber doch nicht dafür!!! Was glauben Sie, wie oft sich Pfarrer wie Elefanten im Porzellanladen benehmen. (Blickt skeptisch in den Korb) gerade solche jungen unerfahrenen Dinger…  unsere Pfarrer-Glasbruch-Versicherung beinhaltet psychotherapeutische Gespräche für die Betroffenen, öffentliche Entschuldigungs-Artikel in der Zeitung sowie Bodyguards und Elektrozaun für das Pfarrhaus.

Aloisius:  Wenn’s denn sein muss…

Eifrig:  Was ich noch wissen muss: haben ihre Pfarrer auch mit Kindergärten zu tun?

Aloisius:  Ich denke schon – warum fragen sie?

Eifrig:  Das bedeutet doppeltes Schadensrisiko. Denn da gibt es immer Ärger. Das ist wichtig für die Berechnung der Prämie. (schreibt, holt einen weiteren Zettel) Da habe ich hier noch ein sehr interessantes Angebot: eine Lebensversicherung für Pfarrer

Aloisius:  Des brauchen wir nicht … dort auf dem Land lebt man gesund … und verhungert ist dort noch kein Pfarrer

Eifrig:  Aber wie schnell ist etwas bei einem Seelsorgeeinsatz im Drogen-Sumpf von Uffenheim passiert … mit Straßen-Gangs … Drogendealern… Zuhältern… wilden Schießereien und so. Und so ein Pfarrer ist immer mittendrin!

Aloisius:  Nix da. Sowas gibt’s bei denen auf den Dörfern nicht.

Eifrig:  Aber vielleicht wir er von einer einstürzenden Friedhofsmauer erschlagen? Oder ein Herzinfarkt nach einer turbulenten Konfirmandenstunde?

Aloisius:  Na ja…

Eifrig:  Da soll es ja Konfirmanden geben, sie nehmen ganze Freizeitheime auseinander! Aus Rothenburg habe ich da mal ganz grauenvolle Geschichten gehört. Da musste man nach einer Konfirmanden-Freizeit das ganze Taubertal sanieren.

Aloisius:  Wenn ich es mir genau überlege: Sie haben Recht, nehmen wir die also auch.

Eifrig: Ganz wunderbar, ich darf Sie beglückwünschen zu dieser wohl durchdachten Entscheidung. Wenn ich das so genau betrachte, werden sie mit diesem Versicherungsschutz viel Freude haben. (rechnet) Das macht unterm Strich 340.000 Euro.

Aloisius:  Ich .. Ich hab keine Euro..

Eifrig:  Macht nichts, dann zahlen Sie einfach in Dollar!

Aloisius:  Wie wärs mit Manna?

Eifrig:  Nein, was soll ich denn damit!? Aber ich nehme auch Grundstücke – haben sie sowas? (Aloisius schüttelt mit dem Kopf) … … ein Milchkontingent?… Kriegswaffen?

Aloisius: die haben wir doch schon seit den 70er Jahren zu Pflugscharen umgeschmiedet…

Eifrig:  … Siemens-Aktien …?

Aloisius und der Versucherungsvertreter

Aloisius und der Versicherungsvertreter

Aloisius:  Nehmen sie auch Pfarrer in Zahlung?

Eifrig:  Weil sie es sind. (rechnet) … macht 3 Pfarrer 25.

Aloisius  (gibt ihm drei Pfarrer und halbiert noch einmal den halben Pfarrer)

Eifrig  (unterschreibt die Versicherungspolice und gibt sie Aloisius) Bitteschön, ihre Versicherungsurkunde, die kann man prima in der Sakristei aufhängen. Am besten direkt vor die Löcher in der Wand. Das spart Renovierungskosten. Dann wünsche ich Ihnen alles Gute auf ihren Weg nach Uffenheim.

Sprecher:  So zieht unser Engel mit der seinen übrigen 18 1/4 Pfarrer frohen Mutes seinen Weg in Richtung Uffenheim.  Es bleibt noch anzumerken, dass unser Engel auf dem Weg nach Uffenheim ein bisschen zu frohen Mutes war. Er flog deutlich über der vorgeschriebenen Höchstgeschwindigkeit und wurde geblitzt. Zum Glück konnte er ein sofortiges Flugverbot nur dadurch abwenden, indem er an Ort und Stelle ein Bußgeld von einem halben Pfarrer bezahlte. So kam er mit 17 1/2 und noch 1/4 Pfarrern nach Uffenheim.  Im dortigen Dekanatsbüro möchte er nur kurz Bescheid geben, dass er nun die Pfarrer auf die Gemeinden verteilen will.

 

Szene 3: Im Dekanat

Der Dekan sitzt Pfeiferauchend am Schreibtisch, Engel Aloisius kommt herein.

Aloisius:  Grüß Gott, Herr Dekan, ich wollte nur Bescheid geben, dass ich die aus München zugeteilten Pfarrer an die Gemeinden weitergebe. Einen schönen Tag wünsche ich Ihnen noch. (will gehen)

Dekan:   Halt! So geht das nicht, sie müssen mir erst einmal zeigen, was sie da haben.

Aloisius:  Sehen Sie, das sind 17 und ein paar zerquetsche Pfarrer für die Gemeinden im Dekanat.

Dekan:  Nein, nein, das sind Pfarrer für das Dekanat. Und laut Beschluss des Landeskirchenrats, des Landesynodalausschusses und laut aktuellem Stand im Amtsblatt darf der Dekan entscheiden, wo welche Pfarrer hingeschickt werden oder nicht. Also nehmen Sie Platz und lassen Sie uns mal schauen…

Aloisius:  Aber kann man die nicht ganz einfach so ausstreuen, wie der Sämann bei dem Herrn Jesus damals?

Dekan:  So ein Unfug, das kann doch nur die Oberkirchenrätin Luise-Stöck Hartholz gesagt haben, diese sentimentale Tante hat doch gar keine Ahnung von Management.

Aloisius :  (verlegen) Oooch … nicht so direkt…

Dekan:  Lieber Engel Aloisius, sie müssen wissen, dass wir hier im Dekanat nicht nur irgendwelche wild umherlaufenden Kirchengemeinden haben. Sondern wir haben auch vielfältige Aufgaben in ganz unterschiedlichen Bereichen. Und auch dafür benötigen wir Pfarrer und Pfarrerinnen.

Aloisius:  Pfarrerinnen? (blickt neugierig in seinem Korb und schaut sich die Figuren genauer an) Ach, da gibt es auch Weibchen davon ? Ist ja allerhand, das hat sich bis zu den Engeln noch gar nicht herum gesprochen.

Dekan:  Also  ganz wichtig ist, dass ich einen persönlichen Assistenten bekomme. (Nimmt einen Pfarrer heraus). Denn als Dekan hat man so viele Aufgaben, da kommt man gar nicht zum regieren … ich meine zum arbeiten. (Streichelt die Figur zärtlich) Mein Assistent.

Aloisius  (will gehen) Na gut, dann geh ich jetzt zu den Gemeinden!

Dekan:  Halt! Das war er noch nicht alles: wir haben ja auch noch die Bomhardstiftung mit ihrem Gymnasium. Für die Schule brauchen wir auch einen Pfarrer. (Nimmt einen heraus)   Das ist ja schließlich eine christliche Schule. Undnachdem die jetzt freiwillig auch wieder Kreuze an die Klassenzimmerwände gehängt haben, sollen sie auch einen eigenen Pfarrer kriegen. Der soll die Morgenandachten gestalten. Seelsorgerlichen Beistand bei den Schulaufgaben leisten; am Zeugnistag als Notfallseelsorger mit Diensthubschrauber blitzartig auf brenzlige Situationen reagieren können.   Wir sind nämlich ein modernes Dekanat, wir haben sogar Internet. Überall!!!!

Aloisius:  Ehrlich überall? Bei meinem Überflug habe ich gesehen: Ein  kleines Dorf in Gallie …äh … Gülchsheim wehrt sich standhaft gegen diese Modernisierung. Dort meißelt der Pfarrer noch die Urkunden in Stein, schickt seine Faxe mit der Brieftaube und wenn er „Email“ hört, ruft er: „Mein Milchtopf hat kein Email, der ist aus Chomargan!“

Dekan:  Jaja, das ist mit schon eine große Sorge. Ich denke wir benötigen noch einen Technik-missionar. Einen Pfarrer, der seine Kollegen auf den Stand der Kommunikation bringt.

Aloisius:  Braucht man dafür einen ganzen Pfarrer? Kann man da nicht ein bisschen sparen?

Dekan:  Na gut, ein viertel Pfarrer wäre da nicht schlecht. Haben sie sowas im Angebot?

Aloisius:  Gar keine Frage: Bitteschön, ein Viertel Pfarrer!! (Gibt ihm den Viertel-Pfarrer)

Dekan:  Naja , ein Viertel, das ist ja nicht so toll, der hat ja weder Hand noch Fuß

Aloisius:  Aber lieber Herr Dekan, haben sie erwartet, dass in dieser Landesstellenplanung irgendetwas Hand und Fuß hat?


 

Rollen und Requisiten

1 – Sprecher
2 – Engel Aloisius
3 – Oberkirchenrätin Anna-Luise Holze-Stäblein
4 – Versicherungsvertreter Eifrig
5 – Dekan Knüller

Krimskrams:
– Flügel für den Engel
– einen Korb mit 22 Papierfiguren als Pfarrer und Pfarrerinnen,
– Taschenrechner
– Akten
– Laptop
– Versicherungsurkunde
– Plan des Dekanats, idealerweise an einem Flipchart.

Copyright-Hinweis:

Gerne können Sie meine Bühenstücke herunterladen und aufführen. Ich würde mich aber sehr freuen, wenn Sie mir eine email ( feedback@pastors-home.de ) schicken, in der Sie mich darüber informieren, wo und in welchem Zusammenhang Sie welches Stück aufgeführt haben.

 

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