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Predigt: Hat dein Gott auch schon Touchscreen? (Apg 17,27 ) 6. April 2014, Konfirmation

konfi2014Predigt zur Konfirmation in Wilhelmsdorf und Brunn im Jahr 2014.  Ein Blick auf die Areopagrede des Paulus (Apg 17, 16-28) und auf unseren Umgang mit den allgenwärtigen Smartphones. Denn von denen lässt sich einiges für den Glauben lernen – gerade auch für unsere Konfirmanden.

(Lesung, Apg 17, 16-28)

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,

da gehen Paulus uns Timotheus durch die Straßen von Athen und an jeder Ecke entdecken sie einen anderen Gott. Zeus, Hera, Poseidon, Morpheus, beindruckend aus Stein gemeißelt, immer mit einem Schildchen dazu, damit man weiß, welcher Gott das gerade ist – bei so vielen Göttern kann man da schon durcheinanderkommen.
Es ist anscheinend schön, wenn man viele Götter zur Auswahl hat. Je nach den eigenen Bedürfnissen verehrt man eher den einen oder den anderen.
Luther hat einmal gesagt: Dein Gott ist das, worum sich dein Leben dreht, was dir wichtig ist, worum deine Gedanken kreisen.

Wenn ich das so sehe, dann haben wir heute auch ganz schön viele Götter. Wir haben dafür sogar extra Geschäfte! Da stehen sie dann in Regalen, oft auf so einem kleinen Plastiksockel mit kleinen Schildern, damit man sie nicht durcheinanderkommt, weils ja so viele unterschiedliche gibt: Samsung Galaxy S5, iPhone5, Galaxy Note, oder das S4mini, weiter drüben das Experia, neben dem Huawei Ascend P6.

Das sind Götter, wie man sich wünscht: Immer an deiner Seite, immer ansprechbar.  250 Stunden Standby-Zeit. Früh am Morgen wird ihnen gehuldigt: Sie werden mit einer Streichelbewegung geweckt, und auch das Abendgebet in Form des Ladekabels wird nicht vergessen. Diese Götter genießen höchsten Respekt: Wo man selbst auf Lehrer nicht mehr hört und die Eltern sowieso nur nerven: Wenn das Smartphone eine himmlische Botschaft bringt: Ding dong: Dann wir sofort nachgesehen, was es denn Neues auf Facebook oder per WhatsApp verkündet hat. Wenn ich keinem Menschen Rechenschaft ablegen will, wo ich wann was mache oder denke: Meinem Handy vertraue ich es an: Es kennt meine Funkzelle, meine Koordinaten, und so tippe ich meine Sorgen als Statusmeldung in die himmlische Cloud. Mein Smartphone ist mein bester Freund, kaum einen Moment lasse ich es aus dem Augen, es beantwortet alle Fragen, ihm widme ich jede freie Minute, die ich habe – vorausgesetzt das Akku ist nicht leer.

Liebe Konfis,
man könnte manchmal schon glauben, dass das Smartphone im Leben mancher Menschen ein kleiner Gott geworden ist. Aber keine Angst: Ich werde heute nicht rummotzen.
Erstens habe ich ja auch so ein Ding und nutze es täglich.
Und Zweitens ist es viel interessanter, darauf zu schauen, was wir von unserer Handy-Verehrung für unser Leben als Christen lernen können . Schließlich geht es heute darum, dass ihr „Ja” zum Leben als Christen in unserer Brunner Gemeinde sagt.

Touchscreen

Mein erster Punkt: So (zeige ein altes Nokia aus 1999) sahen Handys aus, als ihr geboren wurdet. Ein kleines Display für 3 Zeilen Text in hell- und dunkelgrau, knubbelige Gummitasten. Da gibts nicht viel zu sehen. Heute hast du einen Bildschirm in leuchtenden Farben, wenn du etwas willst, tippst du mit dem Finger drauf – alles wunderbar übersichtlich und einfach. Touchscreen ist toll.
Wenns um Gott geht, fehlt uns auch manchmal der Bildschirm. Wir tun uns schwer mit einem unsichtbaren Gott. Wenn man jemanden nicht sieht und hört, dann ist es nicht leicht, an ihn zu glauben.
Aber Moment: So ganz stimmt das ja nicht. Denn da gibt es ja Jesus. Der hat gelebt, den konnte man sehen, mit dem konnte man reden, den konnte man sogar anfassen. Jesus war – besser gesagt: es ist der Touchscreen Gottes für uns Menschen. Wenn du wissen willst, wie Gott ist und was er will: Schau auf Jesus!
Du kannst sehen, wie er Nächstenliebe gelebt hat, auch gegenüber den Menschen, die keiner leiden konnte. Er hat keinen gemobbt, sondern denjenigen, die am Boden lagen, hat er wieder aufgeholfen.
Du kannst sehen, wie er bereit war, anderen Menschen zu vergeben, wenn sie etwas falsch gemacht haben.
Und du kannst aber auch sehen, dass er jemand war, der wusste, was er will und was ihm wichtig war. Er hat dem Zöllner, der viele Menschen betrogen hat vergeben, aber er haut ihm auch gezeigt: So, wie biser kann s nicht weitergehen. Du musst das, was in deinem Leben falsch läuft, auch ändern.

Jesus ist jetzt nicht mehr sichtbar da. Aber wir haben das, was in der Bibel von ihm erzählt wird.  Das kann man sich auch im Jahr 2014 noch anschauen und nachlesen. Wenn wir heute hier Abendmahl feiern, hat das auch etwas mit ansehen und anfassen zu tun. Jesus hat bei seinem letzten Mahl mit seinen Jüngern gesagt: Das ist mein Leib, das ist mein Blut. In dem Brot und dem Wein ist Jesus gegenwärtig – wir kommen dadurch mit ihm in Berührung.
Touchscreen – Im Abendmahl berührst du Jesus – und hoffentlich berührt er  auch dich.

Nicht einfach herumliegen lassen!

Mein zweiter Punkt:
Ich glaube: Jeder, der sich ein Smartphone kauft oder damit beschenkt wird, legt sich über kurz oder lang eine Handytasche, ein Schutzcover, oder eine Bildschirmschutzfolie zu. Denn diese Telefone sind nicht nur teuer, sie sind auch sehr empfindlich: Runterfallen lassen, sich draufsetzen, es in der Badewanne versenken: Das killt das Telefon. Wer sein Telefon schätzt, der wird es entsprechend behutsam behandeln.

Unser Glaube ist auch so ein empfindlicher Schatz, mit dem man entsprechend umgehen sollte.
Ich merke es da, wo sich Menschen über Gott und den Glauben lustig machen: Das tut mir weh. Unser Glaube hat viele humorvolle Seiten, und ich selber habe auch Spaß dran, über mich selber und über meine Kirche zu lachen. Aber über das zu spotten oder das verächtlich machen, was für andere sehr sehr wichtig ist – das ist schwierig. Und da merke ich: Was wertvoll ist, will eben auch vorsichtig behandelt werden.

Noch blöder ist es, wenn man sein Smartphone irgendwo liegen lässt, und nachher nicht mehr weiß, wo. Da kann man ja wahnsinnig werden , rennt in der Wohnung rum, zieht jede Schublade raus und gräbt das Kinderzimmer um. „Wo steckt das Ding bloß, heute Mittag hatte ich es doch noch in der Hand…”

Ihr glaubt, das kann mit Gott nicht passieren? Doch!
Es soll ja vorkommen, dass manche Leute nach ihrer Konfirmation erst mal für längere Zeit nicht mehr in der Kirchengemeinde aufkreuzen. Kann sein, dass in dieser Zeit auch Gott nicht mehr das eher das zentrale Thema ist, dass er irgendwo in deinem Leben dann in einer Ecke liegt. Wie so ein geparktes Handy.

Wenn du ihn dann wieder brauchst, fängt die Sucherei an. Ja, wo isser denn?
In der Schublade mit den Konfi-Zeug von damals? Aber da ist er nicht. Hättest wetten können, dass er bei letzten Mal dort noch war.
Hm … ach da gibts noch die Schachtel: „Lieber Gott” steht da drauf, die hattest du damals im Kindergottesdienst gebastelt. Aber die ist auch leer.
Ja, wo ist denn Gott bloß hin? Wo hat er sich bloß versteckt? Das kann ja nicht wahr sein.

Ich will euch sagen, was da passiert:
Wisst ihr: Wenn wir Gott kennenlernen, in der Familie, in Konfers, in der Schule, da sortieren wir das in unserem Kopf ein: „So und so ist das mit Gott – und alles passt”. – In der Kindheit ist noch alles ganz einfach. Da ist Gott noch ganz oft der „liebe Gott” – und passt auch in die gleichnamige Schublade.

Aber je älter ihre werdet, umso mehr entdeckt ihr ja auch, dass alles nicht so einfach ist. Auch wenn es um Gott geht. Da bitte ich Gott um etwas, aber er erhört mich nicht. Da passiert etwas Schlimmes, und ich verstehe nicht, warum Gott das nicht verhindert hat. Und dann suche ich nach dem „lieben Gott”, und finde ihn nicht. Irgendwo muss er doch sein. Statt dem lieben Gott, ist da einer, den ich nicht so ganz verstehe. Da ist eine große Herausforderung für uns Menschen.

Liebe Konfis, ich möchte das mal im Bild des Smartphones beschreiben:
Je älter ich werde, umso mehr entdeckte ich, dass sich bei Gott etwas verändert. Nicht weil er anders geworden ist, sondern weil das, was ich von ihm sehe, der Touchscreen, oder sagen wir besser: Die Homescreen – die erste Seite, die man beim Einschalten sieht – sich verändert hat.
Das sind viel mehr Elemente dazugekommen. Da sehe ich neue Apps, mit denen ich als Kind uns Jugendlicher nichts anfangen könnte, die aber jetzt für mich als Erwachsenen total wichtig für mich sind. Und ich entdecke ein paar düstere Apps, die ich lieber nicht antippen möchte – manche starten im Laufe das Lebens von ganz alleine – ich weiß ich nicht warum manches Schlimme passiert. Ich weiß, dass ich sie nicht deinstallieren kann, aber ich weiß auch, dass sie irgendwann wieder zu Ende sind. Und dann bin ich wieder froh über alles das, was ich mit Gott erleben kann.

Mein Tipp: Legt diesen Gott nicht soweit weg. Sonst tut ihr euch gescheit schwer, ihn wiederzufinden und euch wieder reinzufinden, wenn ihr in wieder braucht. Wenn du deinen Alltag mit Gott bewältigst, dann kriegst du ganz automatisch mit, wenn da ein Update kommt: Deine Beziehung zu Gott wir wachsen und reifen – sowas schweißt zusammen. Dann kommst du auch besser damit zurecht, wenn mal eine dieser „warum lässt Gott das zu-Apps” startet.

Messenger nutzen!

Mein letzter Gedanke: Viele nutzen ja SMS, WhatsApp, Line oder den Facebook-Messenger. Alle Nase lang kommt da eine neue Nachricht an. Es geht hin und her. Das Handy macht die Informationswege kurz. Es gibt nichts, was man den anderen nicht mitteilen könnte. Den Eltern geht das furchtbar auf die Nerven, aber euch scheints wichtg zu sein, die anderen über alles möglich auf dem Laufenden zu halten.
Was spricht dagegen, es mit Gott nicht genauso zu machen? Er will unser Leben teilen. Ihm kann ich sagen, was mich bewegt. Bei ihn kann ich Sorgen loswerden oder ihm sagen, was mich glücklich macht. – Und da brauch ich nicht mal das Telefon dafür. Beten geht immer noch ohne Telefon, ohne Simkarte und ohne auswendig gelernte Verse. Einfach so. Früh ihm sagen, wie froh, du bist, dass die Sonne scheint und wieviel Schiss du vor der Matheprobe hast. Abend danke sagen, dass es in Mathe eigentlich ganz gut gelaufen ist, und ihm anvertrauen, was dir sonst vielleicht Kummer macht.

Den Leuten in Athen hat Paulus gesagt: Gott will dass die Menschen ihn suchen. Sie sollen ihn spüren und finden können. Und wirklich, er ist jedem von uns ja so nahe! Nutzt die Chance, die unser Glaube uns bietet. Ihr habt einen Gott, der euch nahe ist, mehr noch, als ein Smartphone  – ohne Ladekabel aber mit Touchscreen!

Amen

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