Predigt: Die Entdeckung eines verschwunden geglaubten Vaters (1. Johannes 3, 1-2) 1. Weihnachtstag, 25. Dezember 2017

Die Geschichte von Julia, die ihren verschwunden Vater begegnet, interpretiert die Zeilen aus dem 1. Johannesbrief: Wir sind schon Gottes Kinder; es ist aber noch nicht offenbar geworden.

Julias Geschichte

Julia lebt seit ihrer Kindheit mit ihrer Mutter auf einem kleinen Pferdehof. Einen Vater hat sie nie gehabt. Wenn sie nach ihm fragte, blieb ihre Mutter immer recht einsilbig. Irgendwie war ihr da nichts zu entlocken, was da gewesen war.
Inzwischen ist Julia Mitte zwanzig, und macht nach dem Studium die ersten erfolgreichen Schritte ins Berufsleben. In der Agentur, bei der sie arbeitet, hat sie sich inzwischen auch mit einem netten jungen Mann angefreundet.
So schön das alles klingt: Über der Zukunft von Julia und ihrer Mutter hängen düstere Wolken: Der Pferdehof, an dem Mutter wie Tochter hängen, ist hoch verschuldet. Nur mit Mühe können sie die Futterkosten bezahlen – aber mit ihren Kreditraten sind sie im Verzug. Alle Versuche, mit der Bank zu verhandeln, sind gescheitert. Zum Jahresende soll das Gestüt zwangsversteigert werden. Eine Katastrophe. ich will weiterlesen

Symbolpredigt: Früher war mehr Lametta (Was uns Lametta über Weihnachten lehrt) Heilig Abend, 24. Dezember 2017

Lametta – der Stanniolgewordene Inbegriff des Weihnachtskitsches? Ich bin überzeugt: Die feinen Fäden knüpfen sehr elegant ihre Verbindung zu Gottes Herrlichkeit, seiner Vergebung und mancher Last, die wir mit Weihnachten verbinden.

Früher war mehr Lametta

„Früher war mehr Lametta”, das sagt Opa Hoppenstedt in der berühmten Szene von Loriot: „Weihnachten bei den Hoppenstedts”.
Das ist jetzt schon 40 Jahre her. Und tatsächlich war früher mehr Lametta. Irgendwie ist es aus der Mode gekommen. Ich selber weiß aus meiner Kindheit noch, dass da Lamettafäden am Baum hingen, aber irgendwann waren sie verschwunden. Dennoch gehören diese seltsamen silbernen und goldenen Fäden, zu meinen Kindheitserinnerungen.

Zeitreise

Überhaupt ist Weihnachten ein Fest, an dem man eine Zeitreise unternimmt.
Zurück zu der Atmosphäre, als man selbst Kind war. So viele Erwartungen und Hoffnungen waren mit dem Heiligen Abend verbunden, so viele Wünsche wurden wahr. Auch wenn wir nun erwachsen sind: Ein bisschen von jenem Gefühl erhoffen wir uns doch von diesen Fest, und sind berührt, wenn wir an den Kindern erleben können, dass sie in diesen Tagen das Gleiche empfinden können wie wir damals. ich will weiterlesen

Predigt zur Taufe von Lena: Alles ist möglich dem, der da glaubt (Markus 9, 17-27 ) 3. Advent, 17. Dezember 2017

Wie „groß“ muss der Glaube sein, damit „alles möglich“ ist? Bei der Predigt zu Lenas Taufe geht es um Potentiale, Vertrauen und eine Tür zu Gottes Welt, die einen Spalt breit offen steht. Diese Predigt ist im Hauptgottesdienst gehalten worden und kann mit leichten Veränderungen auch im normalen Gottesdienst verwendet werden.

Predigttext: Mk 9, 17-27

Einer aber aus der Menge antwortete: Meister, ich habe meinen Sohn hergebracht zu dir, der hat einen sprachlosen Geist.
18 Und wo er ihn erwischt, reißt er ihn zu Boden; und er hat Schaum vor dem Mund und knirscht mit den Zähnen und wird starr. Und ich habe mit deinen Jüngern geredet, dass sie ihn austreiben sollen, und sie konnten’s nicht.
19 Er antwortete ihnen aber und sprach: O du ungläubiges Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch ertragen? Bringt ihn her zu mir!
20 Und sie brachten ihn zu ihm. Und sogleich, als ihn der Geist sah, riss er ihn hin und her. Und er fiel auf die Erde, wälzte sich und hatte Schaum vor dem Mund.
21 Und Jesus fragte seinen Vater: Wie lange ist’s, dass ihm das widerfährt? Er sprach: Von Kind auf.
22 Und oft hat er ihn ins Feuer und ins Wasser geworfen, dass er ihn umbrächte. Wenn du aber etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns!
23 Jesus aber sprach zu ihm: Du sagst: Wenn du kannst! Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.
24 Sogleich schrie der Vater des Kindes: Ich glaube; hilf meinem Unglauben!
25 Als nun Jesus sah, dass die Menge zusammenlief, bedrohte er den unreinen Geist und sprach zu ihm: Du sprachloser und tauber Geist, ich gebiete dir: Fahre von ihm aus und fahre nicht mehr in ihn hinein!
26 Da schrie er und riss ihn heftig hin und her und fuhr aus. Und er lag da wie tot, sodass alle sagten: Er ist tot.
27 Jesus aber ergriff seine Hand und richtete ihn auf, und er stand auf

Liebe Tauffamilie, liebe Gemeinde,
„alles ist möglich, dem, der da glaubt”, sagt Jesus dem Vater des kranken Jungen, und tatsächlich ist es auch so: Ein Wunder geschieht! Da kann man nur begeistert sein und sich freuen, dass sich etwas zum Besseren wendet, obwohl man es nie für möglich gehalten hätte.

DER TRAUM VOM „ALLES IST MÖGLICH”

„Alles ist möglich, dem, der da glaubt”, der Taufspruch von Lena, den Sie sich ausgewählt haben, ist einer, der grundsätzlich Hoffnung verbreitet, der irgendwie die Morgensonne warm aufgehen lässt und meine Welt als eine sehen lässt, in der alles möglich ist – eine Welt voller Möglichkeiten, voller Wege, die man gehen kann. Eine Welt, in der es bei meinem Plänen, Wünschen und Hoffnungen keine Stopp-Schilder oder Sackgassen gibt. Das wäre doch wunderbar!

Aber oft genug liegt zwischen diesem Traum und dem, was aktuell ist, so einiges im Wege:
– Ein kopfschüttelndes „das geht nicht”
– So eine wegwerfende Handbewegung, gefolgt von „das schaffst du nicht”
– Der Seufzer „das klappt doch nie”
– Die nüchterne Feststellung „dafür fehlen uns leider die Mittel oder Fähigkeiten.” ich will weiterlesen

Predigt: Wer motiviert hier wen? (Jesaja 63,15 – 64,3) 2. Advent, 10. Dezember 2017

In Jes 63,15f geht Jesaja mit seinem Gott hart und vorwurfsvoll ins Gericht und malt ihm vor Augen, wie er sich dessen Eingreifen auf der Erde erwartet. Muss der Prophet jetzt Gott motivieren – oder ist es doch umgekehrt?

Predigttext: Jesaja 63, 15-64,3
Gott, blick vom Himmel herab und sieh her von deiner heiligen herrlichen Wohnung! Wo ist dein leidenschaftlicher Eifer und deine Macht, dein großes Mitleid und dein Erbarmen? Halte dich nicht von uns fern! Du bist doch unser Vater; denn Abraham weiß nichts von uns, Israel will uns nicht kennen. Du, Herr, bist unser Vater, „Unser Erlöser von jeher“ wirst du genannt.
Reiß doch den Himmel auf und komm herab, sodass die Berge zittern vor dir. Komm wie ein Feuer, das Reisig entzündet, wie ein Feuer, das Wasser zum Sieden bringt. Mach deinen Feinden deinen Namen bekannt, sodass die Völker zittern vor dir, wenn du schreckliche und nie erwartete Taten vollbringst. Komm herab, sodass die Berge erzittern vor dir. Seit Menschengedenken hat man noch nie vernommen, kein Ohr hat gehört, kein Auge gesehen, dass es einen Gott gibt außer dir, der denen Gutes tut, die auf ihn hoffen.

Der energische Anpfiff eines Unzufriedenen

Liebe Gemeinde,
da sitzt die Mannschaft frustriert im Umkleideraum, das Spiel war eine einzige Blamage. Es ist ja schon länger einiges im Argen – aber eine derartige Klatsche hat dann doch keiner erwartet. Entsprechend entlädt sich der Frust des Trainers:

Na ihr Helden! Wo wart ihr denn heute 90 Minuten lang? Also auf dem Platz habe ich euch nicht wirklich wahrgenommen. Lagt ihm im Gedanken noch daheim in euren schicken Villen mit den tollen Pool? Das kann es doch nicht sein! Keine Leidenschaft, keine Energie. Wie wäre es denn, wenn ihr mal wieder eure Leistung abrufen würdet? Ich weiß doch, dass ihr das könnt!
Wenn die Brezenverkäufer im Stadion schlecht drauf sind, ist auch schon schlimm – aber umso mehr sind wir auf euch angewiesen. Wer soll es richten wenn ihr das jetzt richt reißt? Ich will euer Feuer sehen, euren Willen zu Sieg, dass ihr euch nicht zu schade seid, in die Zweikämpfe zu gehen. Ich sage es euch: Dann würde das alles ganz anders aussehen, dann wären die Ränge und die Stadionkassen wieder voll. Und die Fans würden den Namen unseres Vereins mit Respekt aussprechen, weil euch der erste Tabellenplatz gehört. ich will weiterlesen

Predigt: Verkündigt es von den Dächern (Matthäus 10, 26-33) 5. November 2017

Am Sonntag nach dem Reformationsjubiläum wird bei uns im Gottesdienst der Reformationstag sozusagen nachgefeiert. Im Predigttext geht es um die Aussendung der Jünger  – und da passt Luther ja ganz gut dazu.

Luther in Worms

Liebe Gemeinde,
nun ist es vorbei, das groß gefeierte Reformationsjubiläum. 500 Jahre Thesenanschlag. Auch im Fernsehen ging es da ja hoch her mit Luther-Filmen, Dokumentationen und Musicals.
Da ist mir etwas aufgefallen: Oft war nicht der Thesenanschlag der zentrale Moment, sondern 4 Jahre später der Reichstag in Worms. Da musste Luther vor dem Kaiser, den Fürsten, und den Vertretern des Papstes antreten und Stellung zu seinen Schriften – unter ihnen auch die 95 Thesen – nehmen. Man verlangte, dass er sie widerrufen solle und somit alles, wofür er stand, als ein bedauerliches Missverständnis ansehen solle. Oder er würde seiner Position treu bleiben – dann würde man ihm zum Ketzer, zum Irrlehrer, erklären was einem Todesurteil gleich käme. Schon 100 Jahre vor ihm hatte man Jan Huss wegen ähnlicher Thesen auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Luther stand damals buchstäblich vor einer Lebens-Entscheidung. Und damit steht er in einer langen Reihe von Christen, die ihre Glaubensüberzeugung offen gesagt haben, und dafür auch das eigene Leben in Gefahr gebracht haben.
Schon die ersten Jahrzehnte des Christentums sind geprägt von Verfolgungen. In der Zeit der Apostel und Evangelisten, weiß man nie im Voraus, wie die Predigt von Jesus Christus aufgenommen wird. Mal geht es gut, so dass Menschen glauben und sich taufen lassen. Aber es kann auch richtig brenzlig und lebensgefährlich werden. ich will weiterlesen

Predigt: Wenn das Licht auch in die finsteren Ecken meines Lebens fällt (Markus 1, 32-39) 22. Oktober 2017

Jesus als derjenige, der „Dämonen“ austreibt. Dieses für neuzeitliches Denken ungewohnte Bild nimmt die Predigt auf und sucht nach unseren eigenen Dämonen und finsteren Ecken.

Predigttext: Mk 1, 32-39
32 Am Abend aber, da die Sonne untergegangen war, brachten sie zu ihm alle Kranken und Besessenen.
33 Und die ganze Stadt war versammelt vor der Tür.
34 Und er heilte viele, die an mancherlei Krankheiten litten, und trieb viele Dämonen aus und ließ die Dämonen nicht reden; denn sie kannten ihn.
35 Und am Morgen, noch vor Tage, stand er auf und ging hinaus. Und er ging an eine einsame Stätte und betete dort.
36 Und Simon und die bei ihm waren, eilten ihm nach.
37 Und da sie ihn fanden, sprachen sie zu ihm: Jedermann sucht dich.
38 Und er sprach zu ihnen: Lasst uns anderswohin gehen, in die nächsten Orte, dass ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen.
39 Und er kam und predigte in ihren Synagogen in ganz Galiläa und trieb die Dämonen aus.

Sie kommen aus dem Dunkel

Liebe Gemeinde,
“am Abend aber, da die Sonne untergegangen war, brachten sie zu ihm alle Kranken und Besessenen.” Die Sonne geht unter, da dauert es keine Viertelstunde in Kapernaum, dann ist es stockfinstere Nacht. Keine Laterne erhellt die Straßen. Und dann kommen sie nach und nach durch die Finsternis zu Jesus geschlichen. Zu dem jungen Prediger, der an diesem Tag schon einige Menschen geheilt hatte – sogar die Schwiegermutter des Petrus. Das nährt die Hoffnung: Wenn es sonst keiner schafft, kann vielleicht er uns helfen. ich will weiterlesen

Predigt zur Kirchweih: „Bassd scho“ (7. Oktober 2017) Römer 3, 23

Vor Beginn dieses Kirchweih-Gottesdienstes erwarten die Kerwa-Burschen und Kerwa-Madli die Gottesdienstbesucher und nehmen Maß: Die Körpergröße jedes Einzelnen wird gemessen, dann wird festgestellt, ob er zu den Top3 der größen oder kleinsten gehört. So entsteht am Kirchenportal eine Liste der Größen und Kleinsten, die heute in den Gottesdienst gekommen sind. An dieser Erfahrung des Gemessen-Werdens knüpft dann die Predigt an und schlägt den Bogen zur Rechtfertigung vor Gott.

Liebe Gemeinde,

so, nun wissen wir, wer die längsten und kürzesten Gottesdienstbesucher sind. Auf den Zentimeter genau haben wir das jetzt einmal gemessen.
Ein bisschen hat mich das an meine Kindheit erinnert. Da wurden die Kinder auch immer wieder mal gemessen: Dazu standen wir im Türstock und auf dem Kopf wurde waagerecht ein Stift hingehalten, mit dem dann ein Strich an den Türstock gemalt wurde. Schließlich wurde mit dem Zollstock nachgemessen, und so war klar, wie groß, bzw. wie klein man war.
Diese Striche hat keiner mehr wegradiert, so blieb an der Türe sichtbar der Strichcode vom Wachstum der Kinder.

Nun ja: Das kann ja auch etwas sein, was einen mit Stolz erfüllt, wenn man tatsächlich schöne Wachstums-Fortschritte macht.
Nicht so lustig ist es, wenn da nichts so richtig weitergeht. Wenn in der achten Klasse der Sportlehrer jedes Mal die Schüler anweist, sich der Größe nach aufzustellen – und man immer zu der Handvoll gehört, die sich am kleinen Ende hinstellen muss. ich will weiterlesen

Predigt: Adlerflügel in der Wüste (Exodus 19, 1-6) 20. August 2017

Wüstenwanderung – mit dieser Metapher im Hinterkopf blickt die Predigt auf die Zusagen aus Ex 19, 1-6

In der Wüste

Wüste, liebe Gemeinde, eine Wüste ist etwas, was eigentlich niemand braucht. Eine weitgehend tote Landschaft. Ausgetrocknet, leblos.
Oft genug auch endlos – wenn man an die Wüsten Nordafrikas denkt: Hunderte von Kilometern nichts als Sand. Kein Ende in Sicht. Kein Baum, höchstens ein paar vertrocknete Sträucher – keine Ahnung, ob da vielleicht doch irgendwo eine Oase liegt. Und wenn … wer weiß, ob ich da hinfinde, ob meine Vorräte reichen, bis ich dorthin komme. So viele Kilometer durch dieses heiße Nichts.

Manchmal durchzieht man solche Wüsten, ohne dass man deshalb eine Reise unternehmen muss. Weil das eigene Leben auch solche Wüsten bereithält. Lebenssituationen und Zeiten als Wüste.
Wochen oder gar Jahre, die man durchwandert, wo man sich fragt, ob da überhaupt Leben ist, in diesem Leben. Da blüht nichts, da geht es eigentlich nur um´s Durchhalten … bis vielleicht eine Oase ein kurzes Aufatmen ermöglicht, bevor es genauso lebensfeindlich weitergeht …. oder bis tatsächlich einmal das Ende dieser Wüste erreicht ist. Dass da wieder etwas grün wird, mir Leben entgegen kommt und in mir selber auch wieder Leben aufblüht.
Ja, das ist die Hoffnung: Das Ende der Wüste. Denn in der Wüste, da will sich keiner gemütlich einrichten. ich will weiterlesen

Predigt: Schwerter zu Pflugscharen (Jesaja 2, 1-5) 6. August 2017

„Schwerter zu Pflugscharen“ – in einer Zeit, die in vielen Perspektiven immer mehr aufrüstet? Jesajas Rede verweist auf unsere Verantwortung, aber auch darauf, dass wir Frieden nicht selbst schaffen können.

Predigttext: Jesaja 2, 1-5
Dies ist das Wort, das Jesaja, der Sohn des Amoz, schaute über Juda und Jerusalem.
2 Es wird zur letzten Zeit der Berg, da des HERRN Haus ist, fest stehen, höher als alle Berge und über alle Hügel erhaben, und alle Heiden werden herzulaufen,
3 und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns hinaufgehen zum Berg des HERRN, zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des HERRN Wort von Jerusalem.
4 Und er wird richten unter den Nationen und zurechtweisen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.
5 Kommt nun, ihr vom Hause Jakob, lasst uns wandeln im Licht des HERRN!

 

Liebe Gemeinde,

“Schwerter zu Pflugscharen” – dieses Wort des Propheten hat die Friedensbewegung geprägt.
Ja … die gabs einmal … damals, als Westen und Ostern immer mehr aufrüsteten. Mit Massenvernichtungswaffen versuchte man ein Gleichgewicht der Abschreckung herzustellen. Und viele fühlten sich wie auf einem Pulverfass, bei dem man sich fragte, wie lange es noch dauern wird, bis einmal die gesamte Menschheit bei einem weltweiten Nuklearen Schlagabtausch in einem Flammenmeer untergeht.
Und die Erleichterung war groß, als das Klima taute und die Großmächte USA und UDSSR bzw. Russland endlich bereit waren, diese tödlichen Arsenale zu reduzieren.
Endlich schien der Frieden gesichert. Und jetzt? Geht das schon wieder los? Nordkorea zündelt mit Raketen wie ein unreifes Kind, dem eine gefährliche Waffe in den Schoß gefallen ist. Nicht viel, anders sieht es im Iran aus. Und an den Schlüsselpositionen vieler mächtiger Staaten weiß man auch nicht mehr so genau, ob die von Drohungen und Machtbewusstein strotzenden Reden uns nicht geradewegs in eine Welt zurückführen, die wir vor über 20 Jahren hinter uns gelassen hatten.
Schwerter zu Pflugscharen …. und jetzt wieder neue Schwerter? ich will weiterlesen

Predigt. Entscheidung um 16:00 Uhr (Johannes 1, 35-42) 16. Juli 2017

In der Szene aus Joh 1 geht es um eine Entscheidung, die getroffen werden muss, bevor die Gelegenheit vorbei ist. Diese Frage des Kairos steht im Zentrum der Predigt, die auch die Problematik der synoptischen Frage dieser Erzählung thematisiert.

Predigttext Joh 1, 35-42

35 Am nächsten Tag stand Johannes abermals da und zwei seiner Jünger;
36 und als er Jesus vorübergehen sah, sprach er: Siehe, das ist Gottes Lamm!
37 Und die zwei Jünger hörten ihn reden und folgten Jesus nach.
38 Jesus aber wandte sich um und sah sie nachfolgen und sprach zu ihnen: Was sucht ihr? Sie aber sprachen zu ihm: Rabbi – das heißt übersetzt: Meister –, wo wirst du bleiben?
39 Er sprach zu ihnen: Kommt und seht! Sie kamen und sahen’s und blieben diesen Tag bei ihm. Es war aber um die zehnte Stunde.
40 Einer von den zweien, die Johannes gehört hatten und Jesus nachgefolgt waren, war Andreas, der Bruder des Simon Petrus.
41 Der findet zuerst seinen Bruder Simon und spricht zu ihm: Wir haben den Messias gefunden, das heißt übersetzt: der Gesalbte.
42 Und er führte ihn zu Jesus. Als Jesus ihn sah, sprach er: Du bist Simon, der Sohn des Johannes; du sollst Kephas heißen, das heißt übersetzt: Fels.

Liebe Gemeinde

was sie eben gehört haben, sind die ersten Worte über Jesu Leben im Johannesevangelium. Der Evangelist Johannes erzählt viel, und erzählt vieles nicht: Keine Maria, kein Josef, keine Geburt im Stall von Bethlehem. Das alles schreibt dieser Johannes nicht auf.

Johannes tickt anders

Viele dieser schönen Geschichten erscheinen ihm nicht erzählenswert. Vielleicht deshalb, weil es ja schon vor ihm genügend Menschen gegeben hat, die das alles aufgeschrieben haben. Da muss er nicht die vierte Auflage produzieren … er will von Jesus erzählen, und dabei das zu Papier bringen, was uns Neues entdecken lässt, neue Szenen aber auch neue Themen und Perspektiven auf das Leben Jesu. ich will weiterlesen