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Radionandachten auf Charivari im Dezember 2016

Montag: Der richtige Platz

Guten Morgen,
manchmal hätte ich wirklich Lust, aufzugeben. Nicht mehr dauernd gegen die ganzen unsinnigen und herzlosen Meinungen anzukämpfen, die mir immer wieder begegnen. Wenn eine Bekannte auf Facebook irgendeine hetzerische Unwahrheit teilt – soll ich dazu Stellung nehmen und zu diskutieren beginnen? Ich weiß ja, wie anstrengend das ist und ich mache sie mir damit nicht unbedingt zur Freundin.
Wäre es nicht viel einfacher, es sein zu lassen? Vielleicht sogar mal ein “gefällt mir” klicken, das fände sie bestimmt toll? Das Sofa in der Ecke der Hetzer ist warm und gemütlich: Mann kann alles kritisieren und muss ja selber nichts besser machen. Manchmal kann man diese Leute fast beneiden.
In den Psalmen hat einer geschrieben: “ich will lieber die Tür hüten am Haus meines Gottes, als in der gottlosen Hütte wohnen.”
Da hat sich einer entschieden: Lieber auf der richtigen Seite stehen, auch wenn dort der Wind kalt um die Ecke pfeift. Auf der falschen Seite erscheint das Leben zwar einfacher, aber eigentlich weiß ich ja: Auf dem kuscheligen Seite der Verständnis- und Herzlosen hätte ich weniger Streß und müsste mich weniger ärgern – aber ich würde nicht glücklich werden – einfach weil es für mich die falsche Seite ist.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen ich will weiterlesen

Radioandachten auf Charivari 98,6 im November 2016 (Reihe über Redensarten)

Montag: Ein offenes Ohr haben

 Guten Morgen

Warum sagen wir manchmal, dass jemand “ein offenes Ohr” für eine Angelegenheit hat? Denn eigentlich sind die menschlichen Ohren immer offen. Wir können sie nicht verschließen. Mund und Augen kann ich zuklappen – die Ohren haben da nichts.
Das Problem ist ja eher, dass Dinge von einem Ohr hinein und zum anderen wieder hinausgehen. Ein Wissenschaftler will festgestellt haben, dass wir Männer beim Zeitung lesen zwar die Stimme unserer Partnerin hören – gegenenfalls nicken oder “ja” sagen, aber letztlich nichts von dem mitbekommen, was sie eigentlich erzählt hat. ich will weiterlesen

Radioandachten im Oktober 2016 auf Charivari 98,6

Montag: Nachbarschaft

Guten Morgen,
manchmal finde ich in meiner Bibel Sprichwörter, bei denen ich länger überlegen muss, was sie mir sagen wollen. Zum Beispiel das hier: „Ein Nachbar in der Nähe ist besser als ein Bruder in der Ferne“ (Spr 27,10).
Anscheinend gab es schon zu in den biblischen Zeiten diese diffuse Angst, den Nachbarn um Hilfe zu bitten.
Man will ja nicht stören, sich vom Nachbarn nichts ausleihen und dadurch ihm etwas schuldig sein. Man weiß ja auch nicht, wie er wirklich tickt. Und so bleibt jeder für sich, vertraut auf die Verwandtschaft und Freunde, die man schon ewig kennt.
Schade – als Pfarrer habe ich schon oft miterleben dürfen, wie Nachbarn in schwierigen Zeiten die Rettung waren. Da ist eine junge Mutter einer Familie schwer krank, für Monate in der Klinik. Und die Nachbarn wechseln sich beim Kochen und bei der Hausaufgabenhilfe ab. Machen Ausflüge mit den Kindern, trösten abends den verzweifelten Vater.
Gute Nachbarschaft, die solch ein Netz entstehen lässt, ist nicht selbstverständlich – aber man kann versuchen, an diesem Netz mitzuknüpfen. Dazu muss man aufeinander zugehen, sich manchmal einen Schubs geben, um diese angeborene Schüchternheit und Skepsis überwinden, die es offenbar schon zu biblischen Zeiten gab.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen ich will weiterlesen

Radioandachten im Juli 2016 auf Charivari 98,6

Montag: Im Schein der Taschenlampe

Guten Morgen
schon wieder war da so ein blöder Wasserfleck an der Decke! Immer wenns länger geregnet hatte, tauchte der auf. Irgendwas stimmte da nicht an unserem Dach nicht.
Also bin ich dann doch einmal unters Dach gekrabbelt und habe nach der Ursache gesucht. Zunächst habe ich da im trüben Licht der Dachbodenlampe nichts gefunden. Erst, als ich dann mit einer hellen Taschenlampe noch mal hoch bin, habe ich erkennen können, wo sich das Holz durch die Feuchtigkeit dunkel verfärbt hatte. Dann war es auch kein Kunststück mehr, die undichte Ritze im Dach zu finden.
Ja, manchmal reicht das schnelle Drüberschauen um Halbdunkel nichts. Da muss man das ganze mal im ehrlichen hellen Licht anschauen.
Beim Dach ist das nicht so schwer. Bei den dunklen, defekten, modrigen Stellen in mir selber – in meinem Denken, in meiner Seele – ist das schon schwieriger. Bei meinen eigenen Lieblings-Schwächen möchte ich gerne nicht so genau hinschauen, lieber keine Taschenlampe anschalten. Ich weiß ja, dass da was ist … aber so genau will ichs dann doch nicht wahrhaben. ich will weiterlesen

Radionandachten auf Charivari 98,5 im Juni 2016

Montag: Der Ton macht die Musik

Guten Morgen!
Es war so gegen acht Uhr am Abend, als ich auf meiner Joggingrunde durch ein kleines Dorf lief. Da kam mir ein Bauer entgegen, Mitte sechzig, in Stallklamotten, vielleicht auf dem Heimweg vom Füttern – keine Ahnung. Und weil ich ja ein freundlicher Mensch bin, und trotz der Joggerei noch genügend Puste hatte rief ich „Guten Morgen!“ – Und er strahlte zurück: Jo, guten Morgen!
Eine Sekunde später fällt mir ein: Moment, wir haben acht Uhr Abends, und ich sage „guten Morgen“! Oh Mann, bin ich blöd … der muss sich ja total veralbert vorkommen.
Aber er hat ja auch „guten Morgen“ gesagt…. Offenbar fand er es ok.    Ja … vielleicht ist es manchmal gar nicht so wichtig, aus welchen Buchstaben meine Worte bestehen, sondern in welcher inneren Haltung sie gesprochen werden.
Ich denke, ich sollte nicht immer so genau darauf achten, mit welchen manchmal ungeschickten Worten einer etwas zusammenstoppselt. Jedes Wort des anderen auf die Goldwaage zu legen, bringt uns ja nur selten wirklich weiter. Darum will ich versuchen, häufiger meine inneren Fühler ausstrecken, um zu spüren, was jemand eigentlich ausdrücken will. Wer weiß, wie oft dann manches blöde Missverständnis gar nicht erst zustande kommt. ich will weiterlesen

Radioandachten auf Charivari 96,6 im Mai 2016

Montag: Einfach Pfingsten

Guten Morgen,
einen freien Tag schenkt das Pfingstfest heute den meisten Menschen – aber als Dank wissen viele überaupt nicht, worums an Pfingsten geht.
Das hängt sicher auch damit zusammen, das diese alte biblische Pfingsterzählung so ungewöhnlich ist. Die Jünger Jesu mit Feuerflammen auf dem Kopf erzählen in vielen verschiedenen Sprache von Jesu Auferstehung. Mit dieser Geschichte tun sich manche Menschen ziemlich schwer.
Auf der anderen Seite ist das Thema von Pfingsten so nah, wie sonst keines: Nämlich, dass Gott nicht irgendwo ganz weit weg ist, sondern in mir drin! Und da bewegt er so einiges:
Manchmal lässt er mich innerlich gescheit spüren, was richtig und falsch ist.
Einige Male gibt er mir einen Tritt in den Hintern, wenn ich mal wieder zu bequem und selbstzufrieden bin.
Schön ist es, wenn ich in mir eine Kraftquelle spüre, die mich motiviert, auch wenn eigentlich mein innerer Akku schon längst leer sein müsste.
Da passiert so viel, was ich mir manchmal nicht hundertprozentig erklären kann. Das ist wohl diese Kraft von der Jesus immer gesprochen hat, und die er “Heiliger Geist” nennt. Und genau darum geht es Pfingsten. ich will weiterlesen

Radioandachten im April 2016 auf Charivari 98,6: „Andere Länder, andere Sitten“

Montag: Niederlande – Herzlichen Glückwunsch

Guten Morgen,
manche Völker haben schon komische Sitten: Die Niederländer zum Beispiel. Wenn du da auf einen Geburtstag gehst, dann gratulierst du da nicht nur dem Geburtstagskind zum – sagen wir 40. – Geburtstag, sondern auch den Gästen:
Herzlichen Glückwunsch zu deinem Ehemann, zu deinem Bruder, zu deinem wunderbaren Schwager, der heute 40 Jahre alt wird.
Ich finde das nicht nur lustig, sondern das drückt ja auch etwas ganz Spannendes aus: Wenn man meiner Schwester dazu gratuliert, dass ich als ihr Bruder geboren bin, dann heißt das ja, dass ich ein ganz besonderes Geschenk für sie bin. Sie kann sich glücklich schätzen, mich als Bruder zu haben.
Hmmmm, ich weiß nicht, ob sie immer nur stolz auch mich sein kann. Aber mir selber tut es gut, wenn man mir sagt: “Du bist ein Geschenk für deine Mitmenschen!”
Und es motiviert auch ein bisschen in meinem Handeln, wenn ich daran denke: Ich bin nicht nur für mich selber geboren worden, sondern auch für die anderen Menschen um mich herum. ich will weiterlesen

Radioandachten auf Charivari 98,5 im März 2016 (Karwoche)

Montag: Auftanken

Guten Morgen,
gestern haben wir in unserer Kirchengemeinde Konfirmation gefeiert. Was bin ich froh, dass zum Fest alle halbwegs gesund waren. Denn in der Woche vorher kamen aus allen Ecken die Krankmeldungen: In der einen Familie liegt die Konfirmandin flach, woanders hat die Mama die Grippe gekriegt, und dort hat der Papa Fieber.
Ja, die Planung für so ein Fest, und auch die stressige Zeit in der Schule, wo noch jeder Lehrer schnell eine Note machen will. Dazu das graue und kalte Wetter der letzten Wochen…. Das alles geht an die Substanz.
Ursprünglich waren die 7 Wochen Fastenzeit, die jetzt zu Ende gehen, ganz anders gedacht: Nämlich als besinnliche Zeit, in der man zur Ruhe kommen und seine inneren Akkus aufladen kann. Nur verpassen wir regelmäßig diese Gelegenheit.
Aber es ist noch nicht zu spät. Vor uns liegt die Karwoche: Gründonnerstag, Karfreitag, die Ostertage; noch dazu sind jetzt Schulferien.
Die Gelegenheit ist günstig – einen Gang runterschalten, nicht alles noch schnell vor Ostern durchpeitschen wollen. Sich selbst, seinem Körper und seiner Seele Ruhe zum Auftanken gönnen – dafür ist diese Woche perfekt geeignet.
Machen Sie was draus! Ihr Alexander Seidel ich will weiterlesen

Radioandachten auf Charivari 98,6 im Februar 2016

Montag: Snapchat

Seit zwei Jahren gibt es für Smartphones die App “Snapchat”. Damit kann ich Bilder verschicken, die dem Empfänger dann nur ein paar Sekunden lang gezeigt werden, bevor sie sich dann automatisch selbst löschen. Da schickt mir ein Kollege einen lustigen Schnappschuss, ich schaue ihn mir an … und schon ist es wieder vorbei. Die Datei hat sich selbst vernichtet; ein zweites Mal kann ich mir das Foto nicht mehr ansehen.
Eigentlich läuft dieses Programm das ja völlig gegen den Trend: Alles muss fotografiert und für die Ewigkeit festgehalten werden: Das Mittagessen, der Kindergeburtstag, der Sonnenuntergang. Also echt Wenn beim tiefroten Sonnenuntergang am Strand alle nach ihrem Handy rennen, um dieses Schauspiel aufzunehmen, dann frage ich mich: Was willst du mit diesem Video? Nimm doch stattdessen jetzt deine Liebste in den Arm, und genieße diesen Moment, der sich eben nur in diesem wenigen Minuten bietet.
Diese kleine App auf dem Smartphone erinnert mich: Wir können das alles nicht wirklich festhalten! Wir leben immer im Moment und aus dem Moment heraus. Wenn ich einen schönen Augenblick nicht dann genieße, wenn er sich mir bietet, dann ist er eben bald vorbei. ich will weiterlesen

Radioandachten auf Charivari98,6 im Januar 2016 (Reihe: Aus meinem Badezimmer)

Andachtenreihe über Gegenstände aus meinem Badezimmer

Montag: Die Dusche

Guten Morgen,
in dieser Woche gehts es in meinen Radioandachten täglich um ein Teil aus meinem Badezimmer. Mit der Duschekabine soll es losgehen. Denn unter der Dusche kommen mir oft die besten Ideen! Die kreativsten Einfälle und manche wichtige Erkenntnis entstehen bei mir unter der Brause. Weil da nichts stört. Das Radio ist ist mal aus. Mich quatscht keiner an. Nichts lenkt mich ab. Ich bin mit mir allein – und ich bin buchstäblich so, wie Gott mich geschaffen hat – und dann bahnt sich mancher gute Gedanke seinen Weg in mein Bewusstsein.
Offenbar lauert auch so mache kritische Frage lange Zeit in meinem Hinterkopf. Aber sie kommt nie zum Vorschein, weil ich ja laufend beschäftigt bin, etwas höre, oder sage oder schreibe. Meine Aufmerksamkeit ist überall …. Nur nicht bei mir selbst. Unter der Dusche ist das anders. Da hat dieser wichtige Gedanke dann seine Gelegenheit und meldet sich in meinem Bewusstsein. Da bin ich manchmal selbst überrascht, was da in mir an Ideen und Fragen aufploppt.
Alles, was es dazu braucht, ist mal etwas Ruhe mit einem selbst. Und … der Mut, sich den Fragen zu stellen, die man vielleicht schon viel zu lange erfolgreich verdrängt hat.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen ich will weiterlesen