Radionandachten auf Charivari 98,5 im Juni 2016

Montag: Der Ton macht die Musik

Guten Morgen!
Es war so gegen acht Uhr am Abend, als ich auf meiner Joggingrunde durch ein kleines Dorf lief. Da kam mir ein Bauer entgegen, Mitte sechzig, in Stallklamotten, vielleicht auf dem Heimweg vom Füttern – keine Ahnung. Und weil ich ja ein freundlicher Mensch bin, und trotz der Joggerei noch genügend Puste hatte rief ich „Guten Morgen!“ – Und er strahlte zurück: Jo, guten Morgen!
Eine Sekunde später fällt mir ein: Moment, wir haben acht Uhr Abends, und ich sage „guten Morgen“! Oh Mann, bin ich blöd … der muss sich ja total veralbert vorkommen.
Aber er hat ja auch „guten Morgen“ gesagt…. Offenbar fand er es ok.    Ja … vielleicht ist es manchmal gar nicht so wichtig, aus welchen Buchstaben meine Worte bestehen, sondern in welcher inneren Haltung sie gesprochen werden.
Ich denke, ich sollte nicht immer so genau darauf achten, mit welchen manchmal ungeschickten Worten einer etwas zusammenstoppselt. Jedes Wort des anderen auf die Goldwaage zu legen, bringt uns ja nur selten wirklich weiter. Darum will ich versuchen, häufiger meine inneren Fühler ausstrecken, um zu spüren, was jemand eigentlich ausdrücken will. Wer weiß, wie oft dann manches blöde Missverständnis gar nicht erst zustande kommt. ich will weiterlesen

Radioandachten auf Charivari 96,6 im Mai 2016

Montag: Einfach Pfingsten

Guten Morgen,
einen freien Tag schenkt das Pfingstfest heute den meisten Menschen – aber als Dank wissen viele überaupt nicht, worums an Pfingsten geht.
Das hängt sicher auch damit zusammen, das diese alte biblische Pfingsterzählung so ungewöhnlich ist. Die Jünger Jesu mit Feuerflammen auf dem Kopf erzählen in vielen verschiedenen Sprache von Jesu Auferstehung. Mit dieser Geschichte tun sich manche Menschen ziemlich schwer.
Auf der anderen Seite ist das Thema von Pfingsten so nah, wie sonst keines: Nämlich, dass Gott nicht irgendwo ganz weit weg ist, sondern in mir drin! Und da bewegt er so einiges:
Manchmal lässt er mich innerlich gescheit spüren, was richtig und falsch ist.
Einige Male gibt er mir einen Tritt in den Hintern, wenn ich mal wieder zu bequem und selbstzufrieden bin.
Schön ist es, wenn ich in mir eine Kraftquelle spüre, die mich motiviert, auch wenn eigentlich mein innerer Akku schon längst leer sein müsste.
Da passiert so viel, was ich mir manchmal nicht hundertprozentig erklären kann. Das ist wohl diese Kraft von der Jesus immer gesprochen hat, und die er “Heiliger Geist” nennt. Und genau darum geht es Pfingsten. ich will weiterlesen

Radioandachten im April 2016 auf Charivari 98,6: „Andere Länder, andere Sitten“

Montag: Niederlande – Herzlichen Glückwunsch

Guten Morgen,
manche Völker haben schon komische Sitten: Die Niederländer zum Beispiel. Wenn du da auf einen Geburtstag gehst, dann gratulierst du da nicht nur dem Geburtstagskind zum – sagen wir 40. – Geburtstag, sondern auch den Gästen:
Herzlichen Glückwunsch zu deinem Ehemann, zu deinem Bruder, zu deinem wunderbaren Schwager, der heute 40 Jahre alt wird.
Ich finde das nicht nur lustig, sondern das drückt ja auch etwas ganz Spannendes aus: Wenn man meiner Schwester dazu gratuliert, dass ich als ihr Bruder geboren bin, dann heißt das ja, dass ich ein ganz besonderes Geschenk für sie bin. Sie kann sich glücklich schätzen, mich als Bruder zu haben.
Hmmmm, ich weiß nicht, ob sie immer nur stolz auch mich sein kann. Aber mir selber tut es gut, wenn man mir sagt: “Du bist ein Geschenk für deine Mitmenschen!”
Und es motiviert auch ein bisschen in meinem Handeln, wenn ich daran denke: Ich bin nicht nur für mich selber geboren worden, sondern auch für die anderen Menschen um mich herum. ich will weiterlesen

Radioandachten auf Charivari 98,5 im März 2016 (Karwoche)

Montag: Auftanken

Guten Morgen,
gestern haben wir in unserer Kirchengemeinde Konfirmation gefeiert. Was bin ich froh, dass zum Fest alle halbwegs gesund waren. Denn in der Woche vorher kamen aus allen Ecken die Krankmeldungen: In der einen Familie liegt die Konfirmandin flach, woanders hat die Mama die Grippe gekriegt, und dort hat der Papa Fieber.
Ja, die Planung für so ein Fest, und auch die stressige Zeit in der Schule, wo noch jeder Lehrer schnell eine Note machen will. Dazu das graue und kalte Wetter der letzten Wochen…. Das alles geht an die Substanz.
Ursprünglich waren die 7 Wochen Fastenzeit, die jetzt zu Ende gehen, ganz anders gedacht: Nämlich als besinnliche Zeit, in der man zur Ruhe kommen und seine inneren Akkus aufladen kann. Nur verpassen wir regelmäßig diese Gelegenheit.
Aber es ist noch nicht zu spät. Vor uns liegt die Karwoche: Gründonnerstag, Karfreitag, die Ostertage; noch dazu sind jetzt Schulferien.
Die Gelegenheit ist günstig – einen Gang runterschalten, nicht alles noch schnell vor Ostern durchpeitschen wollen. Sich selbst, seinem Körper und seiner Seele Ruhe zum Auftanken gönnen – dafür ist diese Woche perfekt geeignet.
Machen Sie was draus! Ihr Alexander Seidel ich will weiterlesen

Radioandachten auf Charivari 98,6 im Februar 2016

Montag: Snapchat

Seit zwei Jahren gibt es für Smartphones die App “Snapchat”. Damit kann ich Bilder verschicken, die dem Empfänger dann nur ein paar Sekunden lang gezeigt werden, bevor sie sich dann automatisch selbst löschen. Da schickt mir ein Kollege einen lustigen Schnappschuss, ich schaue ihn mir an … und schon ist es wieder vorbei. Die Datei hat sich selbst vernichtet; ein zweites Mal kann ich mir das Foto nicht mehr ansehen.
Eigentlich läuft dieses Programm das ja völlig gegen den Trend: Alles muss fotografiert und für die Ewigkeit festgehalten werden: Das Mittagessen, der Kindergeburtstag, der Sonnenuntergang. Also echt Wenn beim tiefroten Sonnenuntergang am Strand alle nach ihrem Handy rennen, um dieses Schauspiel aufzunehmen, dann frage ich mich: Was willst du mit diesem Video? Nimm doch stattdessen jetzt deine Liebste in den Arm, und genieße diesen Moment, der sich eben nur in diesem wenigen Minuten bietet.
Diese kleine App auf dem Smartphone erinnert mich: Wir können das alles nicht wirklich festhalten! Wir leben immer im Moment und aus dem Moment heraus. Wenn ich einen schönen Augenblick nicht dann genieße, wenn er sich mir bietet, dann ist er eben bald vorbei. ich will weiterlesen

Radioandachten auf Charivari98,6 im Januar 2016 (Reihe: Aus meinem Badezimmer)

Andachtenreihe über Gegenstände aus meinem Badezimmer

Montag: Die Dusche

Guten Morgen,
in dieser Woche gehts es in meinen Radioandachten täglich um ein Teil aus meinem Badezimmer. Mit der Duschekabine soll es losgehen. Denn unter der Dusche kommen mir oft die besten Ideen! Die kreativsten Einfälle und manche wichtige Erkenntnis entstehen bei mir unter der Brause. Weil da nichts stört. Das Radio ist ist mal aus. Mich quatscht keiner an. Nichts lenkt mich ab. Ich bin mit mir allein – und ich bin buchstäblich so, wie Gott mich geschaffen hat – und dann bahnt sich mancher gute Gedanke seinen Weg in mein Bewusstsein.
Offenbar lauert auch so mache kritische Frage lange Zeit in meinem Hinterkopf. Aber sie kommt nie zum Vorschein, weil ich ja laufend beschäftigt bin, etwas höre, oder sage oder schreibe. Meine Aufmerksamkeit ist überall …. Nur nicht bei mir selbst. Unter der Dusche ist das anders. Da hat dieser wichtige Gedanke dann seine Gelegenheit und meldet sich in meinem Bewusstsein. Da bin ich manchmal selbst überrascht, was da in mir an Ideen und Fragen aufploppt.
Alles, was es dazu braucht, ist mal etwas Ruhe mit einem selbst. Und … der Mut, sich den Fragen zu stellen, die man vielleicht schon viel zu lange erfolgreich verdrängt hat.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen ich will weiterlesen

Radioandachten zum Jahreswechsel 2015/2016 auf Charivari 98,6

Montag (28. Dez 2015) – Ruhige Tage

Guten Morgen,
jetzt sind sie rum: Vier feierliche Tage vom Heiligabend bis zum gestrigen Sonntag. Vier Tage ohne einkaufen – ohne Shoppingstress ohne rumwuseln und besorgen
Das hat schon etwas: Wenn einfach mal ein paar Tage lang NICHTS ist –  einfach Pause mit den Rumorganizen.
4 Tage – in denen die Shopping-Welt stillsteht,
ohne Einkaufsgetümmel
ohne Parkplatzsuche
sogar beim Online-Shop weiß ich. Es kommt nicht schon morgen alles an – es ist ja ein Feiertag.
Es ist ungewohnt, wenn man nicht schnell mal noch eine Flasche Milch holen kann. Ich gehöre ja zu denen die oft noch mal mit drei Kleinigkeiten an der Kasse stehen, weil ich was vergessen habe. ich will weiterlesen

Radioandachten auf Charivari 98,6 im Dezember 2015

Montag: Meine kleinen Sorgen

Guten Morgen,
heute vor einer Woche, das war der Hammer. Es war ja eh alles chaotisch … Wegen der Baustelle von dem Haus kam man kaum rein und raus. Dann geh in unseren Kindergarten, um das neue Telefon anzuschließen (was man als Pfarrer so alles machen muss) – aber das wollte einfach nicht gelingen, es war zum Haare raufen. Dann gehe ich heim, um nach ein paar Kabeln zu suchen, da geht daheim, auch kein Telefon!
Die Leute von der Baustelle haben unser Telefonkabel erwischt. Super!
Also mit dem Handy versucht, die Probleme bei unserem Telefonanbieter zu melden – aber mach das mal mit vier unterschiedlichen Verträgen als Kirche, Kindergarten, Diakonie und Privatperson! Und keine Abteilung weiß die andere tut. Was man da erlebt … das glaubt einen kein Mensch. ich will weiterlesen

Andachten auf Charivari 98,6 im November 2015

Montag: Worte für mein Tattoo

Guten Morgen!
Sachen gibt’s da hab ich eine Frau getroffen die hat die Namen ihrer beiden Kinder links und rechts flächendeckend auf den Unterarm tätowiert. Da hab ich mich gefragt, was macht die, wenn ein drittes kommt? Lässt die sich dann einen dritten Arm wachsen?
Oder so Tattoos mit manchmal auch etwas peinlichen Sinnsprüchen. Sogar auf Latein! – Obwohl der Träger nie Latein gelernt hat.
Ach … genug gelästert. ich will weiterlesen

Andachten auf Charivari 98,6 und Radio 8 im Oktober 2015

Reihe: Aus meinem Gewürzregal

Basilikum

Guten Morgen!
In dieser Woche möchte in den Andachten einmal über die verschiedenen Kräuter und Gewürze in unserer Küche reden. Jeden Tag ein anderes – und mit dem Basilikum fange ich heute an. Das gehört zu den Kräutern, die bei uns daheim sehr oft im Einsatz sind. Am liebsten auf Tomaten mit Mozzarella. Ein paar Tropfen Olivenöl, etwas Balsamicoessig – da wird es in Franken ganz italienisch. Dank des Basilikums.
Und wenn ich dann beim Genießen dieser Tomaten an den letzten Italienurlaub denke, dann fällt mir eine alte Kirche ein, die ich dort angeschaut habe. Eine richtig schöne Basilika.
Moment: Basilikum und Basilika? Das klingt nicht nur gleich, das hat auch etwas miteinander zu tun! Basilikum ist nämlich das Königskraut; die Basilika die Königshalle. Denn als Christen anfingen, Kirchen zu bauen, haben sie sich bei der Form an der Basilika, an der Königshalle, orientiert. Aber vorne, wo in einer Wölbung das Standbild des Königs oder Kaisers stand, da stellten sie den Altar und das Kreuz hin. Eine klare Botschaft: „Bei uns ist nicht der Kaiser, sondern Gott die höchste Instanz.“ Das war damals mutig und hat den ersten Christen viel Ärger beschert.
Aber der Gedanke, dass politische Macht seine Grenzen hat, dass unser Glauben und unser Gewissen größeres Gewicht haben als die Launen der Herrscher – dieser Gedanke ist immer noch lebendig.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen ich will weiterlesen