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Das Weib schweige in der Gemeinde von Pappenheim

In der Pappenheimer Stadtkirche müssen die Frauen anscheinend den Mund halten. Zumindest bleibt einigen der auf den Epitaphien Abgebildeten nichts Anderes übrig: Sie sind unübersehbar mit einem Tuch geknebelt.

Hat hier ein fundamentalistischer Steinmetz den Satz des Paulus aus 1. Korinther 14,33 konsequent umgesetzt?

Wie in allen Gemeinden der Heiligen sollen die Frauen schweigen in der Gemeindeversammlung; denn es ist ihnen nicht gestattet zu reden.

Nur am Rande bemerkt und um der Wahrheit die Ehre zu geben: Höchstwahrscheinlich handelt es sich bei den Tüchern um sogenannte „Pestbinden“, die signalisieren, dass die Abgebildete an der Pest gestorben ist.

„NUE“-rnberger Parkplatzverwirrung

Der Flughafen Nürnberg – auch liebevoll NUE genannt – hats wohl eher mit den Luftfahrzeugen. Wenns darum geht, Autofahrer mit ihrem Gefährt in eine passende Parkposition zu lotsen, ist man … nennen wir es:  kryptisch chaotisch.

So wäre zu fragen, inwieweit Orthographie beim Parken relevant ist. Heißt es Urlauberparken oder UrlauberParken? Egal, schreiben wir halt einfach beide Varianten aufs Schild!

Wenn man sicht nicht entscheiden kann ...

Sind Autofahrer zu dusselig, so hilft wahrscheinlich „Smartparken“ der letzten Dumpfbacke auch die Sprünge. (Später habe ich dank Google herausgefunden: Wer smart parkt, zahlt für zwei Tage 36 Euro, für drei Tage nur 24 Euro, für vier 30 Euro und für fünf Tage dann genausovielwie für zwei: 36 Euro.  Wirklich ziemlich smart!)

Und was ist Serviceparken? Vielleicht kann man da während des Sommerurlaubs sein Kaffee-Service unterstellen. Wer weiß …

Aber ich will ja nicht nur motzen, alles hat auch seine schönen Seiten : Im Bereich des „BusinessParkens“ liegt immerhin ein sehr reizvoller Geocache.

 

Wenn Spachgenies Apps programmieren

Heute erfreute eine neue Übersetzungs-App das Arsenal von Palms WebOS:
„Übersetzen Diese“ ist der sensationelle Titel dieser App – Anscheinend soll das „Translate this“ auf deutsch sein….

Offenbar ist der Verantwortliche nicht gerade deutscher „native Speaker“. Ich frage mich: Wie soll ein Übersetzungsprogramm funktionieren, bei dem der Hersteller nicht mal einen halbwegs korrekten zwei-Wort-Satz hinbekommt?

Ein Screenshot übezeugt mit echtem deutschen Lokalkolorit, wenn von einer wunderbar schmeckenden  Strüdel die Rede ist.

Abschied: Gollhofen lässts krachen


Die Kirchengemeinde Gollhofen hat ja keine Mühen gescheut, am Sonntag eine alle Vorstellungen übertreffende Verabschiedung hinzulegen.
Das wird uns noch lange in Erinnerung bleiben und mit tiefer Dankbarkeit erfüllen. (Das klingt zwar furchtbar pathetisch, aber anders kann mans auch nicht angemessen in Worte fassen.)

Besonders bezaubert hat die Idee, mich als Geocacher auch entsprechend zu beschenken. So hat sich der Kirchenvorstand nicht gescheut, zusammen mit der kräftigen Hilfe unserer Praktikantin einen Abschiedscache zu legen und ihn mit einer persönlichen Geocoin (mit einem Foto der Kirche) zu bestücken. Obendrauf gabs noch eine Vitrine für die pfarramtliche Geocoinsammlung!
Wirklich unglaublich, was die Gollhöfer (mal wieder) an Kreativität und Power an den Tag gelegt haben.

Danke, danke, danke!

Vakanzbewältigung auf fränkisch: Der Ruhestandspfarrer als 400-Euro-Kraft

Die Kirchengemeinde Rüdisbronn hat anscheinend die Schnauze voll: Sie wollen nicht tatenlos darauf hoffen, dass das Landeskirchenamt einen Pfarrer schickt.
So haben sie offenbar zur Selbsthilfe gegriffen: In der aktuellen Zeitung vom 13. Juli steht: „wir suchen einen rüstigen Ruhestandspfarrer bauf 400-Euro-Basis“ – Coole Aktion!
Rüdisbrinn inseriert und sucht Pfarrer auf 400-Euro-Basis

Tag 21: Es tut sich was – (alles wird gut…?)

Das Diakonische Werk (das mit der geklauten Taufpredigt in einer Arbeitshilfe, siehe Tag 19) hat sich gemeldet, entschuldigt und Vorschläge zur gütlichen Einigung unterbreitet.  Souveräne Reaktion.
Der Verantwortliche für Öffentlichkeitsarbeit schreibt, dass schon seit 2010 (die Arbeitshilfe mit dem Plagiat ist von 2008) die Verfasserschaft stets genau abgeklärt wird. Und es gibt Konsequenzen: Ab sofort müssen Gastautoren zusätzlich über eine verpflichtende schriftliche Erklärung ihre eigene Urheberschaft von Texten zusichern. Allen Respekt für diese konsequente Vorgehensweise.

Das Evangelische Sonntagsblatt hat nun auch in die Tasten gegriffen: Auf Seite drei findet sich eine sehr nett geschriebene Note „in eigener Sache“ in dem sie die Angelegenheit mit der geklauten Predigt (sie Tag 1) aufgreift und erklärt. Außerdem findet sich die entsprechende Predigt nicht mehr auf den Homepage des Sonntagsblatts (wobei ich die Entfernung gar nicht gefordert hatte).

 

Predigtklau: Tag 16: Es wird „amtlich“: Wenn ein Diakonisches Werk unwissentlich Plagiate verbreitet

Irgendwann musste meine Plagiatssoftware ja auch so einen Treffer landen: Eine Taufpredigt aus dem Jahr 2004 landete leicht verändert in einer Arbeitshilfe zur „Woche der Diakonie“ des Diakonischen Werks der Hannoverischen Landeskirche. Die kann man bis heute dort herunterladen.
Ich bin mir sicher, dass die Herausgeber bis heute nichts davon ahnten. Eine Diakonin hat ihren „eigenen“ Entwurf dort eingereicht, der eben zur Großteil über copy und paste entstand.
Langsam wundert mich gar nichts mehr.
Hätte man mich gebeten, meinen Entwurf dort zu veröffentlichen, wäre ich vor Stolz geplatzt – aber so bestohlen bin ich einfach nur sauer!
Mal sehen, wie der dortige Verantwortliche für Offentlichkeitsarbeit damit umgeht.

AUA – meine Predigten werden geklaut!

Aus dem Tagebuch eines hemmungslos Beklauten

Kaum zu glauben: in der Internet-Predigerszene wird geklaut, was das Zeug hält. Ich hätte das nie gedacht, wenn es mich nicht außerordentlich spektakulär erwischt hätte: Eine alte Predigt von mir erschien plötzlich als Andacht im evangelischen Sonntagsblatt.

Hier die Chronologie der Ereignisse:

Tag 1: Die Entdeckung

Beim Frühstück lese ich das Sonntagsblatt. Die Ausgabe ist schon zwei Wochen alt. Die Andacht hat einen tollen Titel, bereits die in den ersten Zeilen beschriebene Situation kommt mir merkwürdig bekannt vor, dieser Eindruck verstärkt sich von Absatz zu Absatz. Am Ende bin ich mir sicher: Diese Predigt ist von mir! Aber dummerweise steht der Name eines
Kollegen, eines stellvertretenden Dekans aus Bayern, drunter.

Zehn Minuten später habe ich die Predigt auf meiner Festplatte gefunden: Vor 12 Jahren habe ich sie als Vikar in Herzogenaurach gehalten. Seit dieser Zeit ist sie von jedermann auf meiner persönlichen Homepage zu finden. Der Sonntagsblatt-Autor hat meine Predigt genommen, diese kräftig gekürzt, die Einleitung umgestaltet und den Rest weitgehend unverändert gelassen. – Ich wurde beklaut, und ich bin stinksauer.

Tag 2: Ich beginne zu wühlen …

Eigentlich habe ich an diesem Wochenende eine Trauung und einen Sommerfest-Gottesdienst vorzubereiten und zu halten. Aber der Gedanke an den Predigtklau geht mir nicht aus dem Kopf.
Ich gebe eine markante Zeile aus der damaligen Predigt bei Google ein und werde fündig: Die Suchmaschine spuckt mir drei Ergebnisse aus: Mein Original, das Plagiat auf der Sonntagsblatt-Homepage und die Seite einer “freien” Gemeinde. Dort steht meine Predigt Wort für Wort unverändert! Am Fußende prangt das Copyright-Zeichen des Gemeindeleiters: Das kann nicht wahr sein, da klaut jemand meine Predigt und klatscht noch sein eigenes Copyright dazu.

Tag 3: Es wird immer schlimmer

In den Arbeitspausen des Samstags zieht es mich immer wieder zu “Google”. Ich nehme eine Konfirmationspredigt aus 2009 und gebe ein paar zentrale Sätze ein. Und ich finde wieder Plagiate meiner Predigten. Ein Pfarrer in Mittelfranken, hat meine Predigt offenbar für gut befunden, fast unverändert gehalten und nun als eigene Predigt (zumindest hat er seinen Namen druntergesetzt) auf die Gemeindeseite gesetzt.

In einer Württembergischem Gemeinde das Gleiche. Mich hat das Jagdfieber gepackt. Ich finde meine Texte auf Gemeindeseiten und in Online-Ausgaben von Gemeindebriefen – und kein einziges Mal einen Hinweis, woher der Text ist. Vielmehr wird recht selbstverständlich der eigene Name druntergesetzt.

Tag 5: Konzertierte Aktion

Mit der Abschlussklasse der Realschule diskutiere ich meine Entdeckungen. Die schütteln nur mit den Kopf: “Nein, Pfarrer machen sowas doch nicht!”. Gemeinsam gehen wir in den Computerraum und nehmen die Seite der Gemeinde A. in Württemberg unter die Lupe. Die Schüler brauchen keine Viertelstunde bis klar ist: Der Kollege besorgt sich etwa jede dritte Predigt aus dem Internet und stellt sie dann als eigene auf die Gemeindeseite. Dort können wir lesen: “Hier stehen die Predigten von Pfarrer X und Vikar Y” – und drunter dann jede Menge an Plagiaten. Ich werde genauso beklaut wie Margot Käßmann. Ich überlege, Was Vikar Y so alles von seinem Mentor an Berufsethos vermittelt bekommt.

Tag 6: Das Sonntagsblatt ist ratlos

Ich rufe beim Sonntagsblatt an, dort ist man über die Plagiatsaffäre im eigenen Haus recht bestürzt. Wie man mit sowas umgehen soll…? Ich merke, auch dort ist man planlos.

Tag 7: Die Konfrontation verläuft unerwartet

Ich rufe den Täter an, der so skrupellos meine Predigt geklaut und ans Sonntagsblatt geschickt hat. Mein Gegenüber hat eine sympathische Stimme, ist völlig überrascht über den Vorwurf. Kann sich das überhaupt nicht erklären. Ja, sagt er, er kennt meine Homepage gut – aber Predigtklau fürs Sonntagsblatt; sowas macht er nicht. Er verspricht, der Sache auf den Grund zu gehen. Ich schicke ihm den Link zu meiner Predigt und einen Vergleich beider Predigten.

Tag 8: Selber schuld?

“Mach doch einfach deine Homepage zu” rät mir meine Frau, die mit mitbekommt, wie mich das alles anfrisst

Tag 12: Der Aha-Effekt

Mail vom Plagiator. Keine Ausrede, sondern eine plausible Erklärung und Entschuldigung: Vor 6 Jahren hat er meine Predigt bereits einmal heruntergeladen und gehalten. – O.K. genau dafür habe ich sie ja auch im Internet veröffentlicht. – Das Dumme: Als er jetzt fürs Sonntagsbatt zum gleichen Bibeltext um eine Andacht gebeten wurde, hat er auf diese Predigtdatei zurückgegriffen, ohne zu merken dass es gar nicht seine eigene Predigt war. Naja, sechs Jahre sind lang. Mein
Feindbild muss ich beerdigen. Auch wenns für ihn kein Ruhmesblatt war: Unverfrorenes Abkupfern ist etwas anderes.

Tag 15: Attacke – die erste!

Die “freie” Gemeinde, bei der etliche meiner Predigten online sind bekommt von mir einen knappen, aber deutlichen Brief; ich gebe dem Webmaster 14 Tage Zeit, alle von mir kopierten Predigten vom Netz zu nehmen. Ich erhalte keine Antwort, aber schon drei Stunden später ist keine Predigt mehr erreichbar: Alle Predigten sind jetzt nur noch mit Passwort zugänglich. Eine Antwort oder Entschuldigung erreicht mein Postfach nicht.

Tag 14: Attacke – zum zweiten

Dem Württemberger Pfarrer mit seiner Plagiatsquote von 30% faxe ich ebenso eine Abmahnung. Mal sehen, ob er meine Predigten von seiner Seite nimmt … 14 Tage habe ich ihm Zeit gegeben. Ob seine Sekretärin das Fax zuerst in die Hand bekommt? Egal – zu seinem Verhalten muss er stehen.

Tag 19:  Württemberg streckt die Waffen

Mit Wirkung zum 2. Juli nimmt der Kollege aus A. alle (!) Predigten vom Netz. Dafür steht jetzt folgener Text auf der Seite:  „Wenn Sie bisher gewohnt waren, an dieser Stelle die Predigten unseres Pfarrers oder unseres Vikars nachzulesen, so finden Sie leider ab sofort (…) dieses Angebot nicht mehr vor. (…) Wir bitten um Verständnis für diese Maßnahme. “ – Natürlich habe ich dafür Verständnis! Aber ob die Gemeindeglieder den Grund für diese Maßnahme kennen?  Dass sich meine Plagiatoren bei mir nicht rühren, oder gar für ihren geistigen Diebstahl ist entschuldigen, scheint offenbar völlig undenkbar.

Tag 21:  Persönliche Kontakte als Balsam fürs Gemüt
Der Kollege aus Württemberg ruft mich an. Ein gutes Gespräch in freundlicher und brüderlicher Atmosphäre.  Ich spüre, wie unangenehm ihm die Angelegenheit ist, er entschuldigt sich. Mein Eindruck:  Auch dieser Plagiator ist letztlich ein engagierter Kollege, dem in der Fülle der Gemeindearbeit (davon zeugt seine Gemeindehomepage) immer öfter die Zeit zur Predigtvorbereitung fehlt.  Besorgt berichtet er von einer recht aggressiven Mail, die ihn in gleicher Sache angreift.
Liebe Blogleser:  Mein Ziel ist nicht, kopierende Kollegen zur Schnecke zu machen! Ich möchte das Phänomen des Internet-Predigt-Klau, wie ich es am eigenen Pfarrersgemüt erlebe,  verarbeiten.  Ich möchte niemanden an den Pranger stellen und will auch nicht, dass andere das tun. Wer noch nie einen fremden Text im Munde geführt hat, werfe den ersten Stein.
Wo ein Kollege seine Plagiate löscht, ist die Sache für mich erledigt –  wo einer reagiert und man über das Problem ins Gespräch kommt, scheint es am Ende für uns beide eine gute Erfahrung zu sein. Ohne Sieger und ohne Verlierer