Predigt: Wenn Gott seine Leiter herablässt (1. Mose 28, 10-19 ) 16. September 2001

Liebe Gemeinde,
Jakob und Esau – Sie kennen die beiden der sicher aus dem Alten Testament. – Zwillinge waren sie, aber unterschiedlich, wie man sie sich nur vorstellen konnte. Esau, der robuste Naturbursche mit dem rötlichen Haaren – der ganze Stolz seines Vaters; und Jakob, der Stubenhocker und Muttis Liebling.
Die meisten von Ihnen kennen diese Geschichte ja schon aus der Schulzeit: Jakob, der später geborene der beiden erweist sich als der gewieftere. Es wurmt ihn, dass  wegen der wenigen Minuten, sie sein Bruder eher geboren wurde, der Andere das Erbe des Vaters antreten soll. Er will nicht zu kurz kommen und entwickelt einen Plan, wie er seinem Bruder zuvorkommen kann.
Der große Bruder Esau tappt auch tatsächlich in die Falle und verkauft dem Jakob sein wertvolles Erstgeburtsrecht. Für nicht mehr als ein Linsengericht. Und dann schleicht sich Jakob geschickt verkleidet zu seinem fast blinden Vater und holt sich den einmaligen Erstgeburtssegen. ich will weiterlesen

Predigt zur Silbernen Konfirmation: Auch ein sinkender Petrus geht nicht unter (Matthäus 12, 22-33) 9. September 2001

Unser Predigttext ist der, über den Pfarrer Bartels vor 26 Jahren gepredigt hat: Er steht im Matthäus-Evangelium im 12. Kapitel:  Jesus und der sinkende Petrus auf dem See

22 Und alsbald trieb Jesus seine Jünger, in das Boot zu steigen und vor ihm hinüberzufahren, bis er das Volk gehen ließe.
23 Und als er das Volk hatte gehen lassen, stieg er allein auf einen Berg, um zu beten. Und am Abend war er dort allein.
24 Und das Boot war schon weit vom Land entfernt und kam in Not durch die Wellen; denn der Wind stand ihm entgegen.
25 Aber in der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen und ging auf dem See.
26 Und als ihn die Jünger sahen auf dem See gehen, erschraken sie und riefen: Es ist ein Gespenst! und schrien vor Furcht.
27 Aber sogleich redete Jesus mit ihnen und sprach: Seid getrost, ich bin’s; fürchtet euch nicht!
28 Petrus aber antwortete ihm und sprach: Herr, bist du es, so befiehl mir, zu dir zu kommen auf dem Wasser.
29 Und er sprach: Komm her! Und Petrus stieg aus dem Boot und ging auf dem Wasser und kam auf Jesus zu.
30 Als er aber den starken Wind sah, erschrak er und begann zu sinken und schrie: Herr, hilf mir!
31 Jesus aber streckte sogleich die Hand aus und ergriff ihn und sprach zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?
32 Und sie traten in das Boot, und der Wind legte sich.
33 Die aber im Boot waren, fielen vor ihm nieder und sprachen: Du bist wahrhaftig Gottes Sohn! ich will weiterlesen

Hühnerhaltung im Pfarramt

Regeln zur pfarramtlichen Hühnerhaltung

Bekanntmachung der

Ei vangelisch-L utherischen K irche B ayerns (EiLKB)

Verordnung über das korrekte Halten und Verhalten von Hühnern im Bereich von Pfarrhäusern

§ 0 Präambel

Der Beruf des Pastors (lateinisch: Hirte) impliziert bereits, dass er als Hirte einer Herde tätig ist.

Dabei darf aber nicht übersehen werden, dass eine Haltung von herdenbildenen Tieren (Schafen, Hühnern, Ameisen und Löwen) grundsätzlich des regelnden Eingriffs der Kirchenleitung bedarf. Zu diesem Zweck wurde diese Verordnung erstellt. Sie will Pfarrerinnen und Pfarrer in ihrem Dienst an Gemeinde und Federvieh nicht einengen sondern durch klare Regelungen Freiheit für ihr Wirken schaffen. ich will weiterlesen

Predigt: Nachfolge heißt: Prioritäten setzen! (Lukas 14, 25-33) 15. Juli 2001

Liebe Gemeinde,
stellen sie sich vor, wir wären damals dabeigewesen, als Jesus durch Galiläa zog: er hatte von Gott erzählt und das Gleichnis vom großen Festmahl erzählt. Davon, dass Gott ist wie einer, der nicht nur die besonderen – die geladenen Gäste – auf seinem Fest haben möchte, sondern der alle haben will. Darum holt er alle möglichen Leute von den Straßen und von den Zäunen weg hinein in sein Haus, wo er mit ihnen dann feiern wird.
Jesu Zuhörer waren angetan… von ihm als Person… von seinen Wundertaten… von dem, was er über Gott sagte. Sie waren neugierig, was als nächstes kommen wird. Darum läuft ihm eine ganze Menschenmenge hinterher. Heutzutage würde man sie Fans nennen. Gar keine Frage: Jesus war enorm beliebt.
Als Jesus so durch die Straßen ging und die Leute sich hinterher ihm drängten, blieb er stehen und drehte sich zu ihnen um.
Was er da dann sagte, steht im Lukasevangelium, im 14. Kapitel: ich will weiterlesen

Predigt und Szene: Von Ausputzern und Stürmern, 17. Juni 2001

Anpiel zum Fußballvereins-Jubiläum des FC Gollhofenvon: Klaus Wagner und Bernd Koclir
Predigt von: Alexander Seidel
Datum: 17. Juni 2001

Anspiel
Nacheinander betreten A,B und C die Bühne, sie sind deutlich sichtbar als Fußballer gekleidet. D ist Vereinsvorstand im Anzug.

A: Kommt rein, guckt sich um, setzt sich breitbeinig auf den ersten Stuhl
B: Kommt nach einer kurzen Pause herein, sieht A, erkennt ihn, setzt sich an dritten Platz hin
A: Dich kenn ich doch; du bist doch der Dings aus Ding…
B: zornig: Genau, dich kenn ich auch! Du hast mich vor zwei Jahren mal von hinten umgehauen. Ich bin die gesamte Rückrunde ausgefallen, weil dir das Wadenbein durchgetreten hast. Drecksack!
A: Na und, du kannst doch noch laufen und spielen kannst auch noch. Außerdem hättest du damals ein Tor gemacht, wenn ich nicht dazwischen gegangen wäre. Was willst du überhaupt da?
B: Der Vorstand vom diesem Verein sucht einen guten Fussballer als Verstärkung. Und dazu hat er einen Vorstellungstermin angesetzt, nämlich (blickt auf die Uhr) in genau drei Minuten.
Ich habe allerdings nicht gewußt, dass er auch noch einen Müllsortierer einstellt. ich will weiterlesen

Predigt: Jesus hinterlässt keine Waisenkinder (Johannes 14, 15-19 ) 27. Mai 2001

Liebe Gemeinde,

wir haben den Sonntag nach Himmelfahrt. Ich weiß nicht, wie es den Jüngern wenige Tage nach der Himmelfahrt Jesu gegangen ist. Ich kann es nur vermuten.
Sie haben einen Abschied der ganz seltsamen Art hinter sich. Jesus hat sich vor ihnen und von ihnen verabschiedet, und ist davongegangen, weg aus ihrer Welt, zurück zum Vater. Damit war er weg. Vor wenigen Wochen war da dieser erste Abschied bei der Kreuzigung. Nach Ostern waren sie froh, dass Jesus auferstanden war. – Und jetzt erneut ein Abschied.

Nur wenige von uns sind Freunde von Abschieden. Die Aussicht, dass jemand weggeht macht oft traurig. Da sucht man dann oft nach irgendwas, was den Abschied weniger einschneidend erscheinen lässt. Man sagt: „Ich besuche euch ja im nächsten Jahr wieder“. Oder man erinnert sich dessen dass wir ja in einer modernen Welt leben, im globalen Dorf: Da kann man sagen: „wir telefonieren mal wieder, ich bin ja nicht aus der Welt“. ich will weiterlesen

Predigt: Der Tag der letzten Mohikaner? (Johannes 17) Himelfahrt 2001, 24. Mai 2001

Liebe Gemeinde,

Himmelfahrt feiern wir heute. Himmelfahrt, irgendwie das Fest derer, die übriggeblieben sind.

Übriggeblieben sind die Jünger: Eine lange Zeit waren sie mit Jesus unterwegs, hatten ihn erlebt, hatten viel von ihm erfahren, und hatten sich auf ihn verlassen. Jetzt ist Jesus zurückgekehrt zu seinem Vater, zu Gott. Und sie sind die Übriggebliebenen; die jetzt erstmal nicht wissen, wie es weitergehen könnte – ohne ihren Lehrer.

Übriggeblieben sind auch wir. Die Christen, die diesen Tag als biblischen Feiertag verstehen und begehen und noch nicht ganz selbstverständlich vom „Vatertag“ reden. Vielen Leuten ist eben der Glaube ziemlich egal. Am Tagen wie heute wirds mal wieder deutlich – aber an sich ist das ein grundlegendes Problem.  An Tagen wie diesem könnte man sich wirklich fühlen wie der letzte christliche Mohikaner auf dem sinkenden Kirchenschiff.
Da passt es ja noch ganz gut, dass die Fränkische Landeszeitung gestern vom Besuch des Philosophen Schnädelbach an der Augustana-Hochschule in Neuendettelsau berichtet hat. Der Mann behauptet mit Überzeugung, dass das Christentum von Beginn an eine Handvoll Fehlentscheidungen gefällt hat – zum Beispiel dass wir Mission treiben oder dass wir uns als Sünder vor Gott verstehen – und diese Fehler werden dazu führen, dass das Christentum aussterben wird. ich will weiterlesen

Predigt: Das Vaterunser und seine Himmelsrichtungen (Matthäus 6, 5-15 und Lied 344 ) 20. Mai 2001

Unser heutiger Predigttext steht im Matthäusevangelium, in der Bergpredigt, im sechsten Kapitel:

Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, damit sie von den Leuten gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt.
Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten.
Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen.
Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.
Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. ich will weiterlesen

Predigt: Beten … mit dem Handy im Funkloch? (Symbolpredigt) 13. Mai 2001

Liebe Gemeinde,

Ich bin noch nicht lange in Gollhofen Pfarrer. Und ich hatte natürlich einen Vorgänger, und einen Vorvorgänger und davor gabs noch mal einen und und und.

Ich stelle mir vor, der Pfarrer von 1730 kommt bei mir vorbei: Im schwarzen Lutherrock steht er vor meiner Tür. Er klopft mit wuchtigen Fausthieben an die Pforte. Von einer elektrischen Klingel weiß er ja nichts, die gabs vor fast 300 Jahren noch nicht.

Er stellt sich vor, Johann Christoph Hartung, Pfarrherr von 1705 bis 1749. Er schaut mich ein bisschen verwundert an … ein blaues Beinkleid .. Herr Pfarrer … wie albern sehen Sie denn aus .. und er streicht über sein makellos schwarzes Gewand.

Er schaut sich unser Haus an: Das kennt er, das wurde während seiner Amtszeit gebaut.  Den Garten erkennt er auch  auf Anhieb wieder, der Hühnerstall sah damals anders aus…, aber das Unkraut ist das gleiche wie damals. ich will weiterlesen

Predigt: Die Spötter haben etwas übersehen (Matthäus 27, 33-57) 13. April 2001, Karfreitag

Liebe Gemeinde,

wir Menschen sind von Natur aus neugierig. Und: wir sind Augen-Tiere. Wir wollen was sehen, was anschauen, was erleben. Und manchmal ist es uns ziemlich egal, was wir anschauen, Hauptsache, wie haben was anzugucken.
Das wissen wir nicht erst seit der Erfindung der Fernbedienung am Fernseher ; denn da können wir beliebige Tasten drücken es gibt immer etwas anzuschauen… und darum auch eigentlich keinen Grund auszuschalten.
Heute schauen wir uns Big Brother an, vor einigen Jahren ist man als Gaffer zu Verkehrsunfällen gepilgert, und unsere Vorfahren sind scharenweise zusammengelaufen, wenn eine Hinrichtung anstand. Da musste man hin, da gab’s was zu erleben, das dürfte man einfach nicht verpassen.
Wir finden so etwas heute (wo es keiner öffentlichen Hinrichtungen, aber fünf TV-Leichen pro Abend, gibt) ganz abscheulich, wenn man damals seine Nachbarn und seine Kinder mit auf die Hinrichtungsstelle geschleppt hat.
Der Mensch der da zu Tode gebracht werden soll, wird zum Anschauungsobjekt. Der eigene Tod, er gehört ja zu dem, was mich ganz persönlich -und meine engsten Angehörigen – betrifft, der wird mir entrissen, enteignet, wenn er öffentlich passiert. ich will weiterlesen